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Ein Brief an 2018: Können wir uns alle mal wieder lieb haben?

In den Kommentarspalten auf Facebook und Co. geht es mittlerweile so zu wie auf einem Schlachtfeld. Unser NEON-Autor hat die Nase voll und wünscht sich vom Jahr 2018 ein bisschen mehr Liebe.

Ein Mann sitzt wütend vor seinem Laptop

Mehr Respekt und Liebe in den sozialen Netzwerken – das erhofft sich unser Autor vom Jahr 2018

Liebes Jahr 2018,

ich weiß zwar nicht, ob es etwas bringt, dir zu schreiben, schließlich haben mich deine Vorgänger allesamt ignoriert. Trotzdem gebe ich die Hoffnung nicht auf und hoffe, dass du vielleicht meinen Wunsch nach mehr Liebe in den sozialen Netzwerken erhörst.

Seit Jahren gucke ich in die Kommentarspalten bei YouTube, Facebook und Co. und bin teilweise schockiert, wie sich da wildfremde Menschen gegenseitig beleidigen. Dabei spielt es keine Rolle, um was für ein Thema es geht. Egal ob eine kleine Meldung über das britische Königshaus, ein Musikvideo von Ed Sheeran oder brisante Themen wie sexuelle Belästigung: Die Leute gehen sich regelrecht an die Gurgel, nur weil jemand nicht die gleiche Meinung wie sie vertritt.

Gerade, wenn es um komplexe Themen geht, nimmt es Ausmaße an, die du dir gar nicht vorstellen kannst. Ich nenn' dir ein einfaches Beispiel von vor ein paar Tagen. Alle großen Medien haben an Neujahr auf ihren Facebook-Seiten Artikel über die Geschehnisse der diesjährigen Silvesternacht in Deutschland gepostet. Aufgrund der Vorkommnisse in Köln 2016 ist es ein emotional sehr aufgeladenes Thema. Man kann über die Gründe gerne diskutieren. Nein, man muss sich damit sogar ernsthaft auseinandersetzen. Allerdings kommt es auf das WIE an. Und da wird es bei den meisten Leuten im Netz problematisch. Denn wenn man sich die Kommentare so durchliest, fällt auf: Es gibt nur schwarz oder weiß. Grob gesagt, entweder du bist für Flüchtlinge oder dagegen. Entweder du bist für Knaller oder dagegen. Entweder du findest die Arbeit der Polizei toll oder nicht. Es werden ständig irgendwelche Behauptungen aufgestellt, die als einzige Grundlage das eigene Bauchgefühl haben. Wer tatsächlich knallharte Argumente liefert, wird beleidigt.

Die persönliche Auffassung wird als Fakt verkauft

Da schreibt jemand beispielsweise, dass 80 Prozent der Besucher Männer und von diesen 80 Prozent wiederum 90 Prozent Südländer gewesen seien. Auf die Frage eines anderen Users, woher er die Zahlen habe, antwortet er: "Ist ganz einfach, ich habe die Augen aufgemacht."

2018, das ist noch eines der harmlosen Beispiele. Es zeigt aber ganz gut, wie die sozialen Netzwerke, insbesondere Facebook, mittlerweile funktionieren. Es wird nicht mehr diskutiert, sondern die persönliche Meinung als Fakt verkauft. Das Motto: "Wenn ich das so finde, dann ist das auch so. Wenn du damit ein Problem hast, dann halt die Klappe."

Nicht dass wir uns falsch verstehen: Ich finde immer noch, dass Meinungsfreiheit das wichtigste Gut in einer demokratischen Gesellschaft ist. Allerdings hat Meinungsfreiheit nichts mit Beleidigung, Rassismus, Sexismus, Frauenfeindlichkeit oder Antisemitismus zu tun. Das verwechseln viele. Sie werden teilweise gewaltverherrlichend und wundern sich dann, wenn jemand ihre "Argumentation" hinterfragt. Sie argumentieren dann oft: "Das wird man ja noch einmal sagen dürfen, dass der Typ eins in die Fresse verdient hat. Das ist halt meine Meinung."

Vielfältige Meinungen machen Freiheit erst so schön

Wahrscheinlich wird es wieder einige geben, die sich, wenn dieser Brief in den sozialen Netzwerken gespielt wird, über mich und meine Person aufregen werden. Dabei will ich niemanden persönlich angreifen. Ich will nur, dass wir wieder lernen ordentlich miteinander zu diskutieren. Im wirklichen Leben würden wir andere auch nicht gleich beleidigen, weil sie eine andere Meinung haben – oder? Und machen nicht gerade diese vielfältigen Einstellungen Freiheit erst so wunderschön? Jeder kann denken, was er will.

2018, deshalb wünsche ich mir von dir, dass du die Leute in den sozialen Medien wieder näher zusammenbringst. Dass du es schaffst, dass keiner für das, was er ist, beleidigt wird, sondern dass rationales Denken, Empathie und ein bisschen mehr Liebe in die Kommentarspalten von Facebook und Co. zurückkehren. Vielleicht kannst du da ja was machen. 

Liebe Grüße,

Klapps-Calli :-D