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Katie Beers "Ich wurde als Kind gekidnappt" - Frau antwortet bei Reddit offen auf alle Fragen zu ihrem Fall

Katie Beers
Katie Beers wurde zwei Tage vor ihrem zehnten Geburtstag entführt. Inzwischen ist sie 35 Jahre alt.
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Als Katie Beers neun Jahre alt war, änderte sich ihr Leben schlagartig. Ein Freund der Familie kidnappte das kleine Mädchen und hielt sie 17 Tage unter der Erde gefangen. Auf "Reddit" erzählte sie nun ganz offen von ihren Erfahrungen.

Vor 25 Jahren, am 28. Dezember 1992, verschwand die kleine Katie Beers spurlos – zwei Tage vor ihrem zehnten Geburtstag. Am Jahrestag ihres Verschwindens stellte sie sich nun auf der Online-Plattform "reddit" den Fragen der Internet-Community. "Mein Name ist Katie Beers und ich bin eine Überlebende", schreibt sie. "Vor 25 Jahren habe ich landesweite Schlagzeilen gemacht, nachdem ich von einem Freund der Familie gekidnappt und für 17 Tage in einem Untergrundbunker festgehalten wurde. Fragt mich alles, was ihr wissen wollt."

Der Fall Katie Beers

Bereits vor ihrer Entführung hatte Katie ein schweres Leben. Ihre Mutter überließ sie der Obhut einer Freundin der Familie, die sie laut Katie behandelte wie eine Haussklavin. Sie habe ab ihrem vierten Lebensjahr im Haushalt geholfen, sei alleine zum Waschcenter gelaufen, habe Zigaretten gekauft und sei selten in der Schule gewesen. In einem Interview mit der "New York Times" 2013 sagte sie: "Bevor ich selbst Kinder bekam, war ich mir nie wirklich im Klaren darüber, wie schlimm meine Kindheit war. Die Misshandlungen, die Vernachlässigung, einfach alles." Ihre einzige Vaterfigur, der Ehemann ihrer Patentante, habe sie über Jahre sexuell missbraucht, eine Tat, für die er später zu einer Gefängnisstrafe verurteilt wurde.

Der Bunker, in dem John Esposito Katie Beers festhielt.
Diesen Bunker liess John Esposito in seinen Garten ein. Katie hatte zuvor noch in dem aufgeschütteten Sand gespielt, unwissend, dass Esposito dabei war ihr Gefängnis zu bauen. 
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Zwei Tage vor ihrem zehnten Geburtstag sei John Esposito, ein Freund der Familie, der zu einem früheren Zeitpunkt bereits Beers älteren Bruder missbraucht hatte, mit ihr in eine Spielhalle für Kinder gegangen. Anschließend nahm er sie mit zu seinem Haus auf Long Island, wo er einen speziell für sie eingerichteten Bunker unter seiner Garage vergraben hatte. Hier verbrachte Katie die nächsten 17 Tage. In ihrem Buch "Buried Memories" beschreibt sie, wie sie mit einer Kette um den Hals in dem dunklen Raum ausharrte. Jeden Tag sei Esposito zu ihr gekommen, um ihr Essen zu bringen – und sie zu missbrauchen. Es habe in dem Bunker wenig gegeben, außer einem Fernseher und einem stimmaktivierten Aufnahmegerät, mit dem Esposito die Hilfeschreie des Mädchens aufnahm, um sie sich später noch einmal anhören zu können.

John Esposito, Katie Beers Entführer bei seiner Verhandlung
John Esposito bei seiner Verhandlung. Er wurde zu 15 Jahren bis lebenslänglich verurteilt und starb 2013 an natürlichen Ursachen in seiner Gefängniszelle
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Nach einer landesweiten Suche nach dem Mädchen, bei der sich die Polizei von Anfang an auf den vorbestraften Esposito konzentrierte, konnte die kleine Katie schließlich gerettet werden. Esposito hatte dem Druck nicht mehr standhalten können und die Polizei zu dem Bunkerversteck geführt. Sie wurde fortan bei einer Pflegefamilie untergebracht, die Beers heute als ihre Familie sieht.

Fragt mich alles, was ihr wissen wollt.

Der Thread, in dem sich Katie, unterstützt von Ehemann Derek, den Fragen der User stellte, kletterte blitzschnell in die Liste der meistgelesenen Inhalte. Zig Kommentare, hunderte Fragen. Ein Auszug:

Ab wann wusstest du, dass du entführt wurdest?
Katie: "Ich habe verstanden, dass hier irgendetwas falsch läuft, als er mich sexuell missbrauchte. Er war immer sehr nett zu mir gewesen, aber dieser Tag war anders."

Woran hast du in diesen 17 Tagen gedacht?
Katie:
"Überleben. Ich wollte unbedingt überleben."

Hattest du durchgehend Angst, oder gab es einen kleinen Teil von dir, der sich mit der Situation abgefunden hat?
Katie:
"Die Angst war immer da. Aber ich habe nach verschiedenen Wegen gesucht, meinen Kidnapper dazu zu bewegen, mich freizulassen. Ich wollte mich nie daran 'gewöhnen', weil das für mich bedeutet hätte, aufzuhören zu hoffen, dass ich gefunden werde."

Wieso hat er dich gekidnappt?
Katie:
"Er sagt er habe mich 'beschützen' wollen, weil meine Mutter und meine Patentante in einen Sorgerechtsstreit um mich verwickelt waren. In Wahrheit war er pädophil und dachte, er wäre verliebt in mich."

Wie lange, glaubst du, wollte er dich festhalten?
Katies Ehemann (der sie beim Beantworten der vielen Fragen unterstützte)
: "Er hat ihr einmal gesagt, dass er sie heiraten würde und dass sie keinen Job bräuche, weil er sich um sie kümmern würde. Also hatte er wohl vor, sie längerfristig bei sich zu behalten."

Hast du geglaubt du würdest da unten sterben?
Katie:
"Manchmal, ja. Manchmal wäre das einfacher gewesen – aber diese Gedanken gingen immer wieder vorbei."

Wie hast du deine Befreiung erlebt?
Katies Ehemann:
"Sie hat gedacht, John würde Freunde mitbringen, andere Männer, die sie missbrauchen wollten. Sie hat zunächst nicht geglaubt, dass es die Polizei war."

Katie Beers mit ihrem Buch "Buried Memories"
Inzwischen hat Katie Beers ein Buch über ihre Erfahrungen veröffentlicht, es heißt "Buried Memories"
© Matthew Peyton/Getty Images

Wie hat dieses Erlebnis deine Beziehung zu neuen Menschen beeinflusst?
Katie:
"Ich bin sehr vorsichtig – besonders, wenn diese Menschen meine Kinder kennenlernen. Ich versuche immer das Gute im Menschen zu sehen, aber wenn es um meine Kinder geht, muss ich eben vorsichtig sein. Aber ich versuche mich durch meine Erfahrungen nicht allzu sehr beeinflussen zu lassen."

Hast du noch Kontakt zu deiner biologischen Mutter und deiner Patentante?
Katie:
"Nachdem ich bei der Pflegefamilie war, wurde jeglicher Kontakt zu meiner Patentante abgebrochen. Ich habe versucht, eine Beziehung zu meiner Mutter und meinen Brüdern aufrechtzuerhalten, aber es war einfach zu belastend. Meine Mutter lebt gern in der Vergangenheit und mein Bruder hat seine eigenen Dämonen zu bekämpfen. Für die Stabilität meiner Familie habe ich den Kontakt abgebrochen. Das Telefon funktioniert in beide Richtungen und ich habe noch immer die gleiche Nummer – bislang hat keiner von beiden versucht, mich zu kontaktieren."

Was wolltest du in deinem Buch auf jeden Fall vermitteln?
Katie:
"Der wichtigste Teil in 'Buried Memories' ist nicht die Misshandlung, die mir widerfahren ist, sondern die Unterstützung, die ich hinterher bekommen habe. Dass ich es geschafft habe, all das hinter mir zu lassen und eine relativ normale Kindheit zu führen, ein normaler Teenager und Erwachsener zu werden."

Wie geht es dir jetzt?

Katie: "Ziemlich großartig. Mein Mann behandelt mich wie eine Prinzessin, ich habe zwei wundervolle Kinder, ein Haus, einen Hund und zwei Katzen."


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