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Buch "Durch Manhattan": Wie am Schnürchen durch Manhattan: Warum New York immer noch die Stadt der Städte ist

Gibt es Geschichten über New York, die noch nicht erzählt wurden? Ja, und zwar unzählige. Niklas Maak und Leanne Shapton versammeln einige davon in ihrem Buch "Durch Manhattan" und liefern den Beweis: Wer die Stadt ernsthaft zu kennen glaubt, hat nichts kapiert.

New York Manhattan

Eine Skyline, 1000 Geschichten: Zwei Touristen in New York beim Blick auf Lower Manhattan

Jeder kennt , auch wenn er noch nicht da war. Er kennt die Stadt als Kulisse berühmter Filme und Videoclips, als Schauplatz von Romanen, als Blaupause für so ziemlich jeden Trend der Welt. Aber die Vertrautheit der Stadt ist trügerisch, denn es ist doch so: Selbst Bewohner oder regelmäßige Besucher dieser Metropole werden sie nie komplett entdecken, zu viele Facetten und Mikrokosmen befinden sich hier in ständigem Wandel. Trotzdem eint alle Freunde der Stadt der berühmte state of mind: dieses ganz spezielle New-York-Gefühl.

Das New-York-Gefühl ist ein Moment, den jeder kennt, der schon mal dort war. Der Moment, in dem man denkt, dass man so etwas noch nie erlebt hat. Der Moment, in dem man sich in die Stadt verliebt. Zum Beispiel der Moment, in dem der nackte Transvestit plötzlich neben dir in der U-Bahn sitzt, oder der Moment, in dem ein Dutzend Kindergartenkinder am Fuße der Brooklyn Bridge zu "Beat It" von Michael Jackson breakdancen wie die ganz Großen (beide Beispiele durfte der Autor dieses Textes selbst erleben, beide sind nur zwei Momente von vielen).

"Durch Manhattan": Denkmal für das New-York-Gefühl

Der Journalist Niklas Maak und die Künstlerin Leanne Shapton haben jetzt ein Buch vorgelegt, das dem New-York-Gefühl ein liebevolles Denkmal setzt: "Durch Manhattan" ist voll von besagten Momenten. Maak und Shapton bedienen sich dafür eines so einfachen wie genialen Tricks: Sie treffen sich an der Südspitze Manhattans, am Staten Island Ferry Terminal, und ziehen auf einer Karte die Linie längs bis ganz in den Norden. Dieser Linie folgen sie über zwei Tage, wie am Schnürchen geht es durch die Straßenschluchten der lärmenden Insel.

Allein dieser Ansatz unterscheidet das Projekt vom üblichen Touri-Führer. Erstens verläuft der Weg automatisch immer wieder abseits der ausgetretenen Pfade, zweitens führt er viel weiter nach oben als üblich - wie beschreibt Maak im Gespräch mit dem "Deutschlandfunk Kultur" den Moment, als er das realisierte: "Mensch, da kommen ja noch 120 Straßen oberhalb von Central Park."

Und auf dieser Strecke von Süd nach Nord - seit jeher auch die Richtung der Immigranten, die mit dem Schiff in New York ankommen - findet Maak die Menschen und Momente dieser Stadt. Hier sieht der Halal-Verkäufer aus wie Will Smith und die Obdachlose gepflegter als anderswo. Mitten in der Nacht brennt im Notfall-Store von Apple noch Licht, damit verzweifelte Handy-Besitzer ihre kaputten Handys wie in einer Notaufnahme im Krankenhaus "behandeln" lassen können. Und im Museum für Naturgeschichte steht eine Dame schon seit 50 Jahren vor den Gorillas und erklärt den Besuchern die Besonderheiten des Primaten.

New York: Farbe und Form, Gefühl und Geräusche

Parallel zu Maaks kleinen Anekdoten erzählt Shapton in Skizzen ihre eigenen Geschichten der Stadt und packt Farbe und Form, das Gefühl und die Geräusche von New York in Bilder. Text und Illustration lassen gemeinsam ein Sittengemälde unserer Zeit entstehen. Das funktioniert natürlich nur, weil New York immer noch die Stadt ist, die den Takt vorgibt, politisch, wirtschaftlich, kulturell. Von hier aus nehmen die Dinge ihren Lauf. Das pulsierende Herz der westlichen Welt, im guten wie im schlechten.

Dass die Stadt der Städte aber immer noch vor allem ein Gefühl ist, das sich nur über Momente definieren lässt, davon erzählt "Durch Manhattan". Und dass sich das eigentlich unbeschreibliche Gefühl beim Blättern im Buch tatsächlich einstellt, können Maak und Shapton als großen Erfolg ihres Projektes verbuchen.

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