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Selbstgemachte Kosmetik: DIY-Wahnsinn: Bunte Badebomben sind nur der Anfang

Wer einmal auf die Idee kommt, ein Kosmetikprodukt einfach selber zu machen, gerät schnell in einen DIY-Strudel, der viel Geld und Nerven kostet – und einen auch so schnell nicht wieder loslässt. Ein Hobby wie eine gut duftende Hassliebe.

Von Wiebke Tomescheit

Auf dem Torso einer Frau liegen vereinzelte Blätter

Kosmetik selber zu machen, ist nicht so leicht, wie man sich das vorstellt. Macht aber großen Spaß.

Mein Freund geht einmal die Woche bouldern und hat jetzt außerdem eine Band. Freundinnen nähen, stricken oder reiten. Ich komme nach der Arbeit nach Hause und schalte wahlweise den Fernseher oder den Hahn der Badewanne an und das war's. Diese traurige Erkenntnis setzte mir sehr zu: Ich brauchte ein cooles Hobby!

Das mit dem Gitarrespielen hatte ich vor Jahren mit viel Enthusiasmus, aber mäßigem Erfolg mal versucht. Yoga überkommt mich quartalsweise, dann rolle ich für ein paar Wochen jeden Morgen meine Matte aus, aber vergesse es irgendwann einfach wieder und lasse sie für die nächsten Wochen ungenutzt in der Ecke stehen. Ich brauchte etwas, das gleichzeitig produktiv, spaßig und irgendwie kreativ ist. Leider mag ich außer Kaffee und meiner Badewanne so wenige Dinge.

Aber hey, vielleicht ließ sich daraus etwas machen. Ich beschloss, mich mit der Herstellung von Badezusätzen zu beschäftigen. Vielleicht ließ sich da ja sogar etwas mit Kaffee fabrizieren ...

Wenn man einmal anfängt, sich mit der Herstellung von zu beschäftigen, tut sich sofort ein mächtiger Strudel auf und zieht einen in seinen tiefen Schlund. Nach der Idee, lustige Badekugeln zu basteln, stellte ich fest, dass ich dann ja theoretisch sogar selbst ein Shampoo mixen könnte. Eines, das im Vergleich zu Kaufshampoos wirklich gut zu meinen kaputten Haaren ist. Oder eine Body Butter, die so angenehm ist wie die vom Body Shop, aber nicht so teuer. Alles mit Wirkstoffen, wie sie zu mir passen. Dafür ohne unnötige Chemie. Und alles kann so riechen, wie ich das möchte! All diese Möglichkeiten! Ich war infiziert. Gute Hobbywahl.

Ist Kosmetik selber machen ein sinnvolles Hobby?

Gute Hobbywahl? Naja. Meine anfängliche Vorstellung, dass Naturkosmetik aus ein paar guten Ölen, Kräutern, Wasser und ätherischen Düften besteht, platzte ziemlich schnell. Wenn man es ernst meint, schreibt man bald Dinge wie Tenside, Emulgatoren oder Konservierungsstoffe auf seinen Einkaufszettel. Eigentlich Sachen, die man doch gar nicht wollte. Aber, Spoiler: ohne geht es nicht. Oder zumindest kaum. Immerhin hat man so die Wahl, natürliche und gut verträgliche Produkte auszuwählen.

Und überhaupt, die Einkaufsliste: Bei jedem Kosmetik-Rezept, das verlockend aussah, fehlten mir mindestens drei Zutaten. Cetylalkohol? Lanolin? Brokkolisamenöl? Hatte ich noch nie gehört, schien für das jeweilige Produkt aber offenbar zwingend nötig zu sein. Somit gab ich in den ersten Wochen einen Haufen – oh ja, einen Haufen! – Geld für Rohstoffe aus und orderte mehrere Großbestellungen in diversen Naturkosmetik-Onlineshops.

Das DIY-Business, in das sich viele unschuldige Anfänger mit der Idee stürzen, so doch bestimmt Geld sparen zu können, ist – naja, ein echtes Business eben. Shops haben sich darauf spezialisiert, den angefixten Rührern und Rührerinnen obskure Zutaten und hübsche Tiegel zu gepfefferten Preisen zu verkaufen. Und auch Rezepte bekommt man gratis im Netz nur sehr vereinzelt – auch damit wollen die Profis natürlich Geld verdienen und geben sie in Buchform raus.

Die DIY-Szene ist vor allem eins: ein Business

Ich habe mir jetzt ein entsprechendes Buch gekauft. Ich bin ganz froh, dass mir darin viele Fragen beantwortet werden, mit denen ich mich sonst an entsprechende Foren hätte wenden müssen, denn entweder sind die Online-Selbstmacher dermaßene Profis, schon seit Zeiten der "Hobbythek" dabei, dass sie dich zerfleischen, wenn du Aloe Vera in eine Körperbutter mischen willst. Oder sie posten zwar wunderschöne Fotos von glitzernden, rosa Massage-Bars, haben aber eigentlich keine Ahnung von nix und geben ihren Lesern ausschließlich Rezepturen, die aus nichts als Öl bestehen, an die Hand. Zwischen zickigen Experten und ästhetischen Ahnungslosen gibt es nicht viel im Netz.

Aber jetzt bin ich ausgestattet, jetzt habe ich (hoffentlich!) alle nur denkbaren Zutaten daheim und kann loslegen. Die Badebömbchen, mit denen der ganze Trubel angefangen hatte, habe ich übrigens inzwischen perfektioniert. Sowohl die Herstellung als auch die Benutzung machen jede Menge Spaß.

Und so kam ich in den vergangenen Tagen dann doch recht häufig von der Arbeit nach Hause, müde, und ließ erstmal Wasser in die Wanne. Wofür macht man denn den Kram, wenn man am Ende nix davon hat?

Eine selbstgemachte Badebombe

Relativ schnell und einfach selbstgemacht: Einer meiner ersten Badebomben-Versuche

Rezept für selbstgemachte Badebomben:

200g Natronpulver
60g Zitronensäure (in Pulverform)
40g Weinsäure (in Pulverform)
50g SLSA
30g Speisestärke
30g Sheabutter

Hübsch werden die Kugeln, wenn man entsprechende runde Förmchen aus Metall oder Kunststoff benutzt.

Natronpulver und Zitronensäure bekommt man problemlos in Drogerien. Weinsäure und SLSA – ein mildes, natürliches Tensidpulver aus Kokosnüssen – sowie die Sheabutter findet man eher in Naturkosmetik-Geschäften bzw. in entsprechenden Online-Shops. Auch die runden Förmchen habe ich für kleines Geld online bestellt.

Und so geht's:

Alle pulvrigen Zutaten abwiegen und in eine große Schüssel geben. Einweg- oder Haushaltshandschuhe anziehen und mit den Händen sanft, aber gründlich durchmischen. Wenn ihr das SLSA verarbeitet, bindet euch besser kurz einen Schal oder ähnliches um Mund und Nase: Das weiße Pulver, das in den Badebomben für den Schaum zuständig ist, ist sehr fein und staubt schnell, es kann die Atemwege reizen.

Dann die Sheabutter abwiegen und in eine Müslischüssel geben. In der Mikrowelle flüssig schmelzen, aber nur bei mittlerer Temperatur, bitte, damit die guten Inhaltsstoffe nicht kaputtgehen. Die sind nämlich hitzeempfindlich.

Die warme, flüssige Sheabutter dann über die Pulvermischung gießen und alles mit den behandschuhten Händen durchmischen, bis der Mix die Konsistenz von feuchtem Sand hat. Der Teig darf nicht klebrig oder geschmeidig sein. Zu trocken ist besser als zu feucht! Sollte eure Mischung zu feucht sein, hilft etwas mehr Speisestärke.

Dann gebt nach Belieben Lebensmittelfarbe und Duftöl dazu. Seid beim Duftöl ruhig etwas großzügiger, denn eine Badebombe muss ja literweise Wannenwasser beduften.

Jetzt wischt ihr, wie beim Kuchenbacken, die Kugelformen mit etwas Öl aus. Dann stopft ihr den Teig fest in die Halbkugeln und füllt sie, bis sie etwas zu voll sind. Das ist wichtig, denn wenn ihr sie nicht voll genug packt, gibt es nachher unschöne Bruchkanten in der Mitte. Dann drückt ihr zwei vollgefüllte Halbkugeln aufeinander, schubbert sie energisch zurecht und presst sie fest zusammen. Jetzt legt ihr sie für etwa zwei Stunden in den Kühlschrank.

Nach den zwei Stunden holt ihr sie wieder raus, wärmt Ober- und Unterseite kurz mit den Händen an und klopft dann kräftig mit den Handflächen auf jede Seite, um die Kugel innen zu lösen. Jetzt solltet ihr die Form mit etwas Feingefühl abziehen können und habt eine schöne, kugelförmige Badebombe.

Die fertigen Kugeln lasst ihr für zwei bis drei Tage auf etwas Küchenkrepp an einem kühlen, trockenen Ort aushärten. Dann sind sie bereit zum Verwenden oder Verschenken.

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