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Generation Y: Eure Party kotzt mich an! – Warum ich lieber studiere, statt zu feiern

"Warum stehen Studenten um sieben auf? Weil um acht der Getränkemarkt schließt."– Klischees, rund ums Studentenleben, langweilen unsere Autorin. Sie möchte nur studieren, ganz klassisch. Für sie selbst ist das unproblematisch, nur leider nicht für ihre Kommilitonen.

Von Refinery29-Autorin Janet Kinnert

Mein Studentenleben ist nicht spießig, nur weil ich nicht feiern gehe!

"Mein Studentenleben: Nebenjob, feste Beziehung, Basilikumpflanze"

Ich bin alt geboren, könnte man meinen. Ich bin Benjamin Button, nur ohne den Twist, dass ich jünger werde. Ich war quasi schon als Kind eine 50-jährige Weltenretterin, die Müll in den Gebüschen der Nachbarschaft aufsammelte und mit der Freundin Anfragen an den Bürgermeister schrieb, wieso die großen, alten Bäume gefällt wurden und warum in der Nachbarschaft eigentlich kein Kinderspielplatz existierte, obwohl unzählige Kinder davon profitieren würden. Was ein Bürgermeister war, wusste ich zu diesem Zeitpunkt nur dank .

Als ich mich vor einer Weile mit ehemaligen Schulfreundinnen traf, bemerkte ich plötzlich, dass man mich und dieses Leben, das ich seit Jahren führe, sehr langweilig finden könnte. Während sich die Gespräche um witzige Anekdoten zu Sex und Dating drehten, oder darüber gesprochen wurde, welche man schon einmal ausprobiert hatte, fühlte ich mich plötzlich wieder in die Pubertät zurückversetzt: "Sind alle cooler als ich? Sind alle weiter?" Ich hatte nichts zu den Gesprächen beizutragen, da ich nicht wusste, ob ein bestimmter Begriff, der gerade fiel, eine venezolanische Stadt, oder ein Club war.

Mein Studentenleben: Nebenjob, feste Beziehung, Basilikumpflanze

Ich bin nie pleite, habe etliche Pläne und Ziele und jobbe nebenbei. Ich bin seit fünf Jahren in einer Beziehung, die zwar das ein oder andere überstehen musste, aber letztlich all das überstanden hat. Ich trinke nur noch selten, schlafe genug und habe einen sortierten Ordner, mit allen wichtigen Unterlagen. Mein Basilikum in der Küche gedeiht bereits seit über einem Jahr und trägt sogar Blüten. Ich würde fast sagen, ich habe mein Leben im Griff und schäme mich trotzdem, da ich das Gefühl habe, ich müsste in meinem Alter ganz andere Dinge tun. Einmal zumindest das Studium abbrechen, MDMA nehmen, auswandern wollen, oder all mein Geld für etwas verprassen, was mir nur für einen kurzen Moment Freude bringen wird.

"Das 'Y' in 'Generation Y' steht doch schließlich für 'Yolo!'", heule ich in meine selbstgemachte Kürbiscremesuppe und lege mich um 23 Uhr ins Bett. Ich fühle mich unnormal: "Bin ich die Einzige, die kein Abenteuer braucht? Bin ich zu vernünftig?"

Nach dem Abitur herrschte Aufregung unter meinen Freunden. Alle waren neugierig. Auch mir selbst ging es so. Was würde man jetzt nur tun? Was macht man mit all dieser Freiheit plötzlich? Man erwartete nie von mir, eine Sparkassenausbildung zu machen oder Jura zu studieren. Man erklärte mir von klein auf, dass das nichts wert sei, wenn es nicht das ist, wofür ich einstehen kann, oder brenne. Während nicht wenige meiner Freunde auf Weltreise gingen, wovon sie mit Tattoos nach Hause kamen, hatte ich bereits ein Jahr Studium hinter mir.

Stattdessen war ich zu neugierig auf das, was mich an der Uni erwartete. Ich schrieb mich für Philosophie ein. Das Paradebeispiel einer unvernünftigen Wahl. Das Fach, von dem alle glaubten, es würde mich letztlich zur Taxifahrerin machen. Ich liebe es. Ich liebe Verstehen, ich liebe Denken, liebe Lernen und Reflektieren. Zwar merkte ich, dass es auch andere gab, die ihr Leben an der Uni mochten, aber ich verstand schnell, dass das klischeehafte Bild eines wilden mit Dauerkater nicht meines war.

"Ich fühlte ich mich wie eine unglaubliche Spießerin"

Ich zog in eine WG und ging auf Ersti-Parties, weil "man das so machte." Natürlich stellte sich heraus, dass ich meine Mitbewohner und mein WG-Leben hasste. Trotz aller Bemühungen und Hoffnungen hatte ich auch keinen Spaß an den Ersti-Parties.

Jahre später hat sich daran kaum etwas geändert. Nach Treffen mit meinen Freundinnen befürchtete ich ängstlich, dass es mein nächster Schritt sein würde, mir einen Thermomix zu kaufen, während sie auf einer Swinger-Party "Magic Mushrooms" nähmen. Ich fühlte mich auf einmal wie eine unglaubliche Spießerin. Ich dachte, ich müsste mich dafür rechtfertigen, an Dingen Spaß zu haben, bei denen andere gähnen.

"Man muss doch mal gelebt haben!", sagen sie, doch ich verstehe nicht, wieso gerade ich nicht richtig leben sollte. Ich fühle mich nicht so, als würde ich etwas versäumen, sondern eher, als würde man manche Dinge und Ausbrüche von mir erwarten. Dieses zweifelnde Gefühl, dass vielleicht etwas mit mir nicht stimmen könnte, bekomme ich immer, wenn ich mich mit anderen vergleiche.

Die einzigen Erwartungen, die ich spüre, kommen von anderen Menschen

Dabei bin ich nicht auf der Suche nach einem Kick. Zum einen, weil ich schon gegen Duftstoffe in Waschmitteln allergisch bin, und zum anderen, weil ich schlicht nicht das Gefühl habe, etwas zu verpassen. Vielleicht bin ich bereits irgendwie angekommen. Angekommen auf dem Weg, der sich bisher als richtig erwies. Der mich herausfordert und manchmal zum Umkehren zwingt, da das Leben oft genug nicht so läuft, wie man es sich vornimmt. Ich bin lieber in der Bibliothek, mit Freundinnen in einem Café, oder bei einer Diskussionsveranstaltung, als etwa auf einem Festival.

Die einzigen Erwartungen, die ich spüre, kommen von den Menschen, die glauben, ich müsste mit diesem Leben doch unzufrieden sein. Vielleicht habe ich ja bloß das Glück, recht schnell auf den Pfad gestolpert zu sein, der sich gut für mich anfühlt. Im Zweifel ist es doch der rebellischste Akt, einfach genau das zu tun, was man selbst tun will. Party on!

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