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Leitfaden von Studenten: 8 Mythen über Millennials - und wie sie wirklich sind

Über kaum eine Generation wird so viel diskutiert, wie über Millennials - also den Geburtenjahrgang von 1980 bis Ende der 90er-Jahre. Acht Studenten aus Boston haben einen Leitfaden entwickelt, der mit gängigen Mythen aufräumen will.

Junge Menschen sitzen in einem Café

Millennials: Alle zu faul zum Arbeiten und haben keinen Bock aufs Eigenheim? Weit gefehlt, meinen einige junge Studenten aus Boston

Millennials - hierzulande auch gern als Generation Y bezeichnet - machen in Deutschland rund ein Fünftel der Bevölkerung aus - in den USA ist ihr Anteil noch größer. Manche Sozialforscher streiten sich noch um eine einheitliche Defintion, in der Regel ist damit aber der Geburtenjahrgang von 1980 bis Ende der 90er-Jahre gemeint. Die Menschen also, die um die Jahrtausendwende ihr Erwachsenenleben begannen oder erwachsen wurden. Der Kampfbegriff Millennials wird mit allerlei Vorurteilen verbunden. Acht Studenten aus Boston im US-Bundesstaat Massachusetts haben nun einen Leitfaden entwickelt, der mit einigen davon aufräumen will, wie der "Boston Globe" berichtet. Acht Mythen und fünf Wahrheiten über diese Generation aus US-Studentensicht.

Mythos 1: Alle wollen Unternehmer sein

Den jungen Erwachsenen von heute wird gerne nachgesagt, sie alle wollten Unternehmer werden, wollten die künftigen werden, um keinen "echten Job" haben zu müssen und dann jeden Tag mit dem Lieblings-T-Shirt zur Arbeit kommen können. Die Statistiken aber sprächen eine andere Sprache: So sei die Selbstständigen-Quote unter Millennials besonders gering und seit Jahren auf dem Rückzug. Den Grund haben die Studenten auch gleich parat: Geld. Für ein eigenes Unternehmen benötigt man Kapital, dass der jungen Generation in der Regel fehle. Im Gegenteil: Die meisten stotterten erst einmal ihre Studienkredite ab.

Mythos 2: Millennials wollen nicht heiraten und keine Kinder

Ebenfalls ein weitverbreiteter Mythos: Millennials würden sich strikt gegen Heirat und wehren. Zwar stimme es, dass das durchschnittliche Alter für Hochzeit und das erste Kind sich nach hinten verschiebe, von früher 22 auf heute eher 28 Jahre. Die junge Generation warte halt nur auf den besten Zeitpunkt dafür. In vielen Befragungen würden sie aber angeben durchaus heiraten und Kinder kriegen zu wollen.

Mythos 3: Alle sind ständig am Feiern

Entgegen breiter Annahmen seien junge Menschen heute deutlich weniger wild als die Generationen davor. So würde bei durchschnittlich 2.7 Stunden Streamvergnügen am Tag womöglich die Zeit für Sex knapper bemessen sein. Zudem bevorzugten drei Viertel der Millennials es, am Wochenende zu Hause zu bleiben. Und wenn sie denn mal ausgingen, würden sie, Studien zufolge, sehr moderat trinken.

Mythos 4: Sie kaufen gerne Dinge

So materialistisch, wie von vielen dargestellt, seien Millennials gar nicht, sagt der . Zwar habe Shoppen in jungen Jahren noch auf der Tagesordnung gestanden. Mit dem Eintritt ins junge Erwachsenenalter würde das Konsumverhalten aber überdacht. Umfragen zufolge würden die meisten lieber ihr Geld für Events oder Erlebnisse ausgeben als für Dinge.

Mythos 5: Eigenheim kein Wunschziel mehr

Deutlich weniger junge Erwachsene würden heute in einem Eigenheim leben als das früher der Fall war. Doch das liege nicht daran, dass die Generation das nicht möchte. Zum einen lebten viele länger bei ihren Eltern als früher, zum anderen sei der Wunsch durchaus vorhanden, wie Studien belegten.

Mythos 6: Die Generation Faulpelz

Ältere Generationen würden sich gerne beschweren, wie faul doch die jungen Menschen heutzutage seien. Vielmehr sei das Gegenteil der Fall, meinen die Studenten. Studien würden belegen, dass eine Vielzahl junger Erwachsener gleich mehrere Jobs bräuchte, um sich über Wasser zu halten. Als Grund sehen sie die negative Lohnentwicklung und die mangelnde Perspektive durch sinkende Altersvorsorge. Daher würden Umfragen zufolge auch viele nicht einmal ihre bezahlten Urlaubstage nehmen.

Mythos 7: Die Social-Media-Sucht

Angeblich seien junge Menschen immer und ständig an ihrem Smartphone. Eine Umfrage von Nielsen aber belege, dass die Generation X, also die Generation davor ab Mitte der 60er-Jahre, deutlich mehr Zeit pro Woche auf Facebook und Co. verbringen würden, als es die Menschen um und unter 30 tun.

Mythos 8: Millennials sind alles Kommunisten und Sozialisten

Viele junge Amerikaner präferierten im Vorwahlkampf zur US-Präsidentenwahl Bernie Sanders, einen linken Gegenkandidaten zur Hillary Clinton bei den Demokraten. Zwar stimme es, dass junge Erwachsene dem Kapitalismus kritisch gegenüberstünden und sich ein von der Regierung garantiertes Bildungs- und Gesundheitssystem wünschten. Diese Meinungen sei jedoch hauptsächlich unter Studenten verbreitet. Wenn sie dann aber ins Berufsleben einsteigen und ihr eigenes Geld verdienen, würde ihre Zustimmung für Umverteilung von Reichtümer und Steuererhöhungen für Sozialleistungen deutlich abnehmen.


Die Studenten befassten sich aber nicht nur mit den Dingen, die sie für Mythen halten. Auch fünf "Wahrheiten" brachten sie zu Papier.

Wahrheit 1: Millennials sind Sparfüchse

Vor dem Hintergrund der Finanzkrise zu Beginn dieses Jahrtausends würden viele junge Erwachsene sehr vorsichtig mit ihrem Geld umgehen. Studien belegten, dass viele bereits in jungen Jahren Rücklagen für Notfälle, Reisen und das Eigenheim bilden. Zudem würden sie sehr früh (mit durchschnittlich 22) mit der Altersvorsorge beginnen.

Wahrheit 2: Die misstrauische Generation

Lediglich jeder fünfte Millennial glaubt einer Umfrage zufolge, dass man "den meisten Menschen vertrauen kann". Bei den Generationen davor seien die Werte im Bereich von 30 bis 40 Prozent. Die Gründe sehen die Studenten auch darin, dass die Kontakte zum Umfeld durch die Allgegenwärtigkeit des Smartphones qualitativ abgenommen hätten.

Wahrheit 3: Das Fehlen von Grundfähigkeiten des Lebens

Es sei vielleicht gar nicht so schlecht, dass viele Millennials noch bei ihren Eltern lebten. Die Generation habe nämlich deutliche Probleme, zum Beispiel ihre Wäsche zu waschen, ihre Autos zu reparieren oder nur eine Karte zu lesen. Dies würden Studien belegen.

Wahrheit 4: Die Sache mit der freien Meinungsäußerung

Viele Millennials in den seien für mehr Beschränkungen der freien Meinungsäußerung, was von den älteren Generationen sehr kritisch gesehen werde. Die "Free Speech" ist in den Staaten ein hohes Gut und bietet mehr Spielraum als etwa die deutsche Verfassung. Millennials wünschten sich aber Beschränkungen, wenn es um möglicherweise Verletzendes in Bezug auf Minderheiten geht.  

Wahrheit 5: Millennials legen klassische Feiertage anders aus

Thanksgiving und Weihnachten seien für die jungen Erwachsenen von heute weniger ein religiöser oder familiärer Feiertag als eine Möglichkeit, sich mit engen Freunden zu treffen und Zeit miteinander zu verbringen. Die Verbindung zur Religion sei weniger geworden. Außerdem würden sie ihre eigenen Feiertage erfinden, wie zum Beispiel den Super Bowl Monday. An dem Montag nach dem Super Bowl würden sich laut Studien im Schnitt deutlich mehr Millennials krankschreiben lassen, als in den anderen Generationen.

fin

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