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Jeden Tag gute Laune? Nö!: Gefühle möchten gefühlt werden - warum man vor ihnen nicht weglaufen kann

Jeden Tag gute Laune zu haben - das schafft niemand. Trotzdem lassen viele Menschen Frust oder schlechte Laune nur ungern zu. Dabei brauchen auch diese Gemütszustände ihren Raum, damit wir sie schnell wieder hinter uns lassen können.

Von Christina Grübl

Eine Frau liegt angezogen im Bett und schlägt die Hände vors Gesicht

Niemand kann jeden Tag gute Laune haben. Auch schlechte Gefühle müssen mal sein.

Gefühle regieren die Welt. Denn alles, was wir tun, tun wir deshalb, weil wir uns auf bestimmte Art und Weise fühlen wollen. Dabei gibt es keine Ausnahme. Auch wenn der romantische Teil unseres Ichs hier vermutlich gleich laut aufschreien wird, sind Gefühle - rational betrachtet - erst einmal nichts anderes als Energie in Bewegung. Und diese Energie möchte durch unseren Köper bewegt werden. Gefühle bleiben dir nur dauerhaft erhalten und belasten dich, wenn du an ihnen festhältst oder dich gegen sie wehrst. Die Natur von Gefühlen ist, dass sie kommen und gehen. Wenn du diesen Prozess nicht unterdrückst oder verdrängst, ist im wahrsten Sinne des Wortes alles im "Fluss". Wir kriegen erst Probleme, wenn wir Gefühle nicht fühlen (wollen), sie verdrängen und damit Impulse unterdrücken und Energie blockieren.

Hast du schon einmal versucht einen Ball unter Wasser zu drücken? Ich schon. Und ich musste dabei immer wieder zwei Dinge feststellen: 1. Es kostet mich ungeheuer viel Kraft, den Ball dauerhaft unter Wasser zu halten. Und 2. Sobald ich den Ball loslasse, kommt er an einer anderen Stelle des Wassers mit doppelter Kraft wieder hoch.

Genauso wenig, wie ich also einen Ball (dauerhaft) unter Wasser drücken kann, kann ich meine Gefühle (dauerhaft) unterdrücken. Denn genau durch dieses Verdrängen entstehen Krankheiten wie Ängste, Süchte oder Ähnliches.

Nach der letzten schmerzhaften Trennung machten sich in mir beispielsweise immer wieder Gedanken breit, die sich gegen die traurigen Gefühle und gegen den Schmerz der Trennung wehren wollten. Das waren zum Beispiel Gedanken wie "Warum passiert mir das (schon wieder)?", "Wieso musste es soweit kommen?", "Ich will das nicht (schon wieder) erleben". All diese Gedanken hatten jedoch nur einen Zweck: sich gegen die Realität (die Trennung) zu wehren. Dabei ist mir klar geworden, dass aber genau durch diesen Abwehrmechanismus, durch diesen "Kampf" gegen das, was passiert ist, eigentlich das größte Leid entsteht. Als ich die Situation aber einfach so hingenommen habe, wie sie war - sehr schmerzhaft und sehr traurig, aber trotzdem nicht das Ende der Welt -, ging es mir sofort besser.

Gefühle zulassen

Es gibt bestimmte Situationen und Zeiten in unserem Leben, in denen wir den negativen Gefühlen Raum geben müssen. Sie dürfen von Zeit zu Zeit da sein, und es ist enorm wichtig, sich auch diese negativen Gefühle zuzugestehen. Meistens geht es uns sofort besser, wenn wir die negativen Gefühle einfach fühlen dürfen, anstatt uns dafür zu verurteilen. Das konnte ich an mir selbst bereits des Öfteren feststellen. Wäre da nur nicht unser Verstand, der etwas sofort "verurteilen" und "bewerten" will. Denn er gaukelt uns nur allzu gerne vor, dass etwas mit uns nicht stimmt, wenn wir negative Gefühle haben. Und dann denken wir fälschlicherweise, dass wir immer gut gelaunt, dankbar und fröhlich sein müssten. Das müssen wir jedoch nicht - und das ist in der Realität auch niemand.

Es ist also völlig ok, ab und an einmal schlechte Laune und schlechte Gefühle zu haben. Das Leben besteht immer aus Freude und Leid, aus Licht und Schatten. Ich persönlich denke, dass jedes Gefühl seinen Wert hat. Und ich finde, dass auch in "schlechten" Gefühlen etwas Schönes liegen kann. Sie haben mir in der Vergangenheit nämlich schon oft gezeigt, was mir in meinem Leben wichtig ist und was für mich Bedeutung hat. Wenn ich nämlich weiß, was mich traurig, wütend oder schlecht gelaunt macht, weiß ich im Gegenzug automatisch auch, was mich glücklich, friedvoll und fröhlich macht.

Eckhart Tolle – den Widerstand auflösen

Folgendes Video des Bestsellerautors Eckhart Tolle zeigt sehr anschaulich, warum man den Kampf gegen die Realität niemals gewinnen kann. Widerstand gegen ein Gefühl oder gegen eine Situation zu leisten, ist völlig sinnlos und bewirkt im Endeffekt genau das Gegenteil. 


Wir können nur durch das bewusste Wahrnehmen einer Situation, und zwar ohne diese zu bewerten, aus diesem Dilemma aussteigen und inneren Frieden finden. Eckhart Tolle erklärt sehr anschaulich, dass negative Gefühle sich eben genau dann auflösen, wenn man sie einfach nur da sein lässt und keinen Widerstand mehr gegen sie hegt. Das erkennt man auch schön an der Verwirrung des eigenen Geistes, wenn man sich nicht gut fühlt und dann einfach mal zu sich selbst sagt: "Gut, dann bin ich eben jetzt unglücklich!" Das habe ich schon oft an mir selbst getestet und habe herausgefunden, dass sich mein Unglücklich-Sein immer dann sofort einstellt, wenn ich es vollends akzeptiert habe. Am besten beim nächsten Mal einfach ausprobieren: nicht gegen das schlechte Gefühl ankämpfen oder es "weg"haben wollen, sondern es einfach genauso annehmen, wie es ist. Und dann einfach mal schauen, was passiert.

Ein schönes Beispiel, das Eckhart Tolle im obigen Video bringt, ist der Vergleich mit dem Frosch aus einem Märchen: Sobald die Prinzessin bereit ist, den Frosch als Frosch anzuerkennen und ihn zu küssen, verwandelt sich der Frosch in einen Prinzen. Genauso ist es mit dem Unglücklich-Sein - sobald wir den Widerstand auflösen und uns erlauben, unglücklich zu sein, löst sich das negative Gefühl einfach auf.

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