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Rap-Newcomer: Wer RIN hört, versteht die Jugend

Kleine Städte bringen erstaunlich oft große Talente hervor, derzeit liegt so ein Ort in Baden-Württemberg. Von dort aus startet RIN durch, der just sein erstes Album herausgebracht hat. Es ist das interessanteste des Jahres.

RIN posiert im Rapper-Stil

RIN, mit bürgerlichem Namen Renato: Rap-Newcomer aus der Vorstadt

Bietigheim-Bissingen. Eine Kleinstadt in , im Landkreis Ludwigsburg. Es ist ein eher ruhiges Örtchen im Vergleich zum 20 Kilometer entfernt liegenden Stuttgart. Ein paar Einfamilienhäuser stehen hier, umgeben von einigen Altbauten und mitten hindurch fließt die Enz, ein Nebenfluss des Neckars. Irgendwie wirkt alles beschaulich, gar ruhig. Doch in diesem Ort schlummert mehr – und zwar musikalisches Talent.

Denn ist gerade dabei, die vorrübergehende Hauptstadt des Raps zu werden. Das mag für Hip-Hop-Liebhaber wie ein schlechter Scherz klingen, aber wegen zweier Rapper ist das jetzt so. Shindy heißt der eine und hat es bei Bushidos Label innerhalb von drei Jahren vom Newcomer zu einem der größten Künstler seines Genres gebracht. Ein anderer ist gerade auf dem Weg dorthin: RIN.

RIN: "Alles ist wichtig, außer Musik"

Seit Wochen ist er mit seinen Songs bei Spotify-, Apple Music und Youtube ganz vorn in den Trend-Charts. Seine im September startende Tour ist in fast allen Städten ausverkauft. Dabei hat RIN gerade erst sein Album veröffentlicht, am 1. September. Seine Fanbase ist mit 50.000 Fans bei Facebook noch verhältnismäßig klein. Und auch sonst trumpft der Sohn bosnischer Einwanderer nicht gerade in den sozialen Medien auf, indem er ungefiltert alles aus seinem Leben bei Snapchat & Co. veröffentlicht. Ganz im Gegenteil, er macht sich rar. "Für mich ist der größte Kritikpunkt an der Rapszene, dass es um nichts anderes geht als Promophasen, die besten Videoblogs und den größten Twitterbeef. Alles ist wichtig, außer Musik. Das ist nicht mein Ansatz", sagte er im Interview mit dem Rap-Magazin "Juice". Stattdessen lässt er seine Musik für sich sprechen – mit Erfolg.

Es fing auf einer Parkbank an. "Chillen mit Jungs" war sein Motto. Gemeinsam rauchte man ein oder zwei Joints und nebenbei freestylte Renato, so heißt RIN mit bürgerlichem Namen, ein wenig. Das machte er eine Zeitlang, bis er irgendwann auf die Idee kam, die gerappten Lines aufzunehmen. Im Sommer 2015 veröffentlichte er dann sein erstes Musikvideo "Ljubav/Beichtstuhl".

Der Style war neu und so wirklich einer Musikrichtung zuordnen konnte den Track niemand. Denn im Song verschwammen Trap-, Rap- und R-'n'-B-Elemente zu einem völlig neuen Genre. Heutzutage würden die meisten dazu wohl Cloud-Rap sagen. Ganz richtig ist das allerdings nicht: "Ich verlasse mich in der nur auf mein Bauchgefühl", so der 23-Jährige. Er macht Musik, wie es ihm passt. "Leute können bemängeln, was sie wollen: Soundästhetik, Technik, Lyrik. Aber keiner kann mir sagen, dass meine Musik nicht gefühlvoll ist. Gefühl steht bei mir über allem", erklärte er der "Juice".

Auf einmal ist "der Scheiß weiß" und jeder "frägt"

RIN trifft mit dieser Art, Musik zu machen, den Zahn der Zeit. Er verkörpert den Lifestyle vieler junger Erwachsener. Ein bisschen Supreme. Ein bisschen Gin. Ein bisschen chillen. Und irgendwie auf der Suche nach Antworten: Wer bin ich? Wo will ich hin? Und was ist mit der Liebe?


Genau, das kommt an. Seine Songs werden zu Hits, ob es "Bianco" zusammen mit Yung Hurn ist oder seine Solonummer "Bros". RIN schafft es mit einer Mischung aus Autotune, weichen Synthesizern und eingängigen Refrains, einen Ohrwurm nach dem anderen zu liefern. Alles klingt dabei abgespacet, aber auch immer am Nabel der Zeit.

Auch deshalb ist sein Album "Eros" das bislang interessanteste des Jahres. Kein Rapper schafft es, den Zeitgeist der aktuellen Jugend so authentisch mit seiner Musik wiederzugeben wie Renato aus der kleinen Stuttgarter Vorstadt Bietigheim-Bissingen – dem Nabel der Rapwelt.  


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