HOME

Spitznamen von früher: Was wurde eigentlich aus Ken?

Während der Schulzeit oder in der Ausbildung treffen wir auf neue Leute. Und von denen bekommen wir mitunter neue Spitznamen. Oder wir geben ihnen welche. Manchmal sind die ziemlich albern. Was aber wird aus diesen Namen, wenn wir älter werden?

Von Wiebke Tomescheit

Eine Gruppe jugendlicher Freunde liegt sich in den Armen

In der Zeit ums Abi haben viele von uns alberne Spitznamen. Verschwinden die irgendwann?

Es begann in der elften Klasse und es betraf vor allem die Jungs. An unserer Schule mischten sich damals die Schüler der verschiedenen Parallelklassen neu zusammen und Leute aus anderen Schulen kamen frisch dazu. Und während sich unsere Stufe so neu fand, entstanden sie: kreative  .

Das ist übrigens etwas anderes als die Kosenamen, die man sich im Kindergarten einfängt und die für immer kleben bleiben: Susanne wird womöglich immer Susi bleiben, Manuel für immer Manu. Aber die "Oberstufennamen" oder die, die man während der Ausbildung verpasst bekommt, kommen aus dem Nichts. Verschwinden sie dorthin auch irgendwann wieder?

"Oberstufenspitznamen" kommen aus dem Nichts

Plötzlich hieß Hannes für uns alle nur noch Speedy. Aus Kornelius wurde Ken und Michael wurde zu Ferris, weil er so wilde Locken hatte wie die gleichnamige Filmfigur. Konrad wurde zu Burns, weil ihm eine Klassenkameradin wenig charmant ein Gesichtsprofil unterstellte, wie es Mr. Burns aus den "Simpsons" hat.

Drei Jahre lang ersetzten diese Namen die eigentlichen, einst von den Eltern sorgsam ausgewählten, Vornamen der Betroffenen. Das schien für die auch völlig okay zu sein. Selbst nach dem Abi hielt der Kontakt noch länger – und damit die Spitznamen.

Aber, wie es so ist, verteilten wir uns alle nach und nach in ganz Deutschland. Oder auch in Finnland, England oder Australien. Und der Kontakt wurde sporadischer, tröpfelte zunehmend dahin, bis er irgendwann ganz abbrach.

Zum Glück gibt ja die sozialen Medien. erinnerte mich kürzlich daran, dass Ken Geburtstag hatte. Einst hatten wir den wild im Keller seines Elternhauses gefeiert, bis morgens um sechs. Dieses Mal schrieb ich nicht einmal eine Nachricht. Aber ich fragte mich, mit wem er wohl inzwischen seine Zeit verbringt, wer dieses Mal mit ihm feiert – und ob diejenigen überhaupt wissen, dass er eigentlich Ken heißt? So, wie er in meinem Gehirn eben für immer abgespeichert sein wird. Oder ob alle stattdessen Kornelius gratulieren?

Gratulieren heute alle Kornelius statt Ken zum Geburtstag?

Mit Ferris hingegen habe ich heute noch regelmäßig Kontakt. Er hat sich die Locken inzwischen kurz geschnitten und ist glücklich mit seiner Freundin verheiratet, die er damals kennengelernt hat. Er lebt in Berlin, und ihm gratuliere ich selbstverständlich zum Geburtstag, auch auf Facebook.

Und ja, ich gratuliere noch immer Ferris – während jedes Jahr mehr und mehr Menschen Grüße an Michael hinterlassen. Und auch in unserem engeren Freundeskreis ist er längst öfter Michael als Ferris. Ich weiß nicht, wie ich das finde. Ich mag keine Veränderungen.

Das zeigt: Irgendwann verschwinden die albernen Spitznamen der Abizeit. Irgendwann werden wir alle auch namentlich erwachsen. Ein bisschen nostalgisch stimmt mich das, aber es ist wohl unvermeidlich. Und für alle unter euch, die ihre jeweiligen neuen Rufnamen nicht so doll finden – tröstet euch. Irgendwann sind sie vergessen.

PS: Hey Ken, ich hoffe, du hattest einen feinen Geburtstag!

Themen in diesem Artikel