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Plädoyer fürs Aktivwerden: Du da in dieser unglücklichen Beziehung: Mach zuerst Schluss!

Beide sind nicht glücklich, einer beendet die Beziehung – eigentlich für alle Beteiligten vernünftig, oder? Doch den Partner, den die Trennung überrumpelt, packt schnell die "Was wäre wenn"-Falle ... Ein Plädoyer fürs Aktivwerden.

Von Wiebke Tomescheit

Wenn beide unzufrieden sind, ist es mitunter gut, den ersten Schritt zu machen.

Wenn beide unzufrieden sind, ist es mitunter gut, den ersten Schritt zu machen.

Manchmal träume ich von krähenden Hähnen. Das ist ohne jeden Kontext schon skurril genug, im Zusammenhang wird es nicht unbedingt besser.

Ich hatte vor vielen Jahren einen Freund - die Beziehung hielt keinen Monat. Er wohnte in der Stadt, aber aus irgendeinem Grund hielt einer seiner Nachbarn Hühner im Hinterhof, die man aus seinem Zimmer hören konnte. Es war eine von Anfang an relativ verkorkste Beziehung, da wir uns irgendwie gut fanden, aber es nicht hinbekamen, miteinander zu reden wie normale Menschen. Er machte Schluss, ich fand das vernünftig. Ungefähr eine Woche lang. Dann war ich plötzlich ohne plausiblen Grund der unglücklichste Mensch der Welt.

Weil ich mich fragte, ob mit etwas mehr Zeit nicht noch was draus hätte werden können - aber mir die Chance genommen wurde, das rauszufinden. Eine absurde Situation: Ich hatte mich ausführlich bei Freundinnen beklagt, wie unzufrieden ich mit der Beziehung war. Und plötzlich sehnte ich mich zurück, mit der Frage, ob da nicht noch Potenzial gewesen wäre. Eine Frage, die ich mir vermutlich nicht gestellt hätte, wenn ich selbst aktiv geworden wäre und das Ganze beendet hätte. Wenn es meine Entscheidung gewesen wäre. Wäre, wäre, Fahrradkette.

Bye Beziehung? Die Entscheidung wird dir aus der Hand genommen

Es gibt Beziehungen, die beginnt man ungefähr mit 16, mit dem Ziel, dass sie für immer halten. Sie halten ungefähr bis zum Abi. Dann gibt es Beziehungen, die beginnt man mit 26 – und mit ein bisschen Glück halten sie für immer.

Alle Romanzen zwischen diesen Eckpunkten haben zwar jedes Potenzial. Aber wenn man mal reflektierend zurückdenkt, dienen die amourösen Verbindungen, auf die man sich mit Anfang 20 einlässt, vor allem dazu, herauszufinden, was man eigentlich mag und möchte. Das ist dir natürlich in dieser Situation nicht bewusst – du hältst jeden Partner für die ganz große Liebe.

Aber wenn von Anfang an Zweifel bestehen, wenn es einfach nicht anläuft, wenn die Verbindung nicht stimmt – dann ist es vermutlich schlau, frühzeitig die Situation zu überdenken, bevor es der andere tut.

Realistisch sein und nicht abwarten

Unfair? Klar, optimal wäre, wenn man miteinander über die Probleme spricht und sich gegenseitig die Chance gibt, daran zu arbeiten. Aber wenn die Beziehung dieses "ernste" Level vielleicht noch gar nicht erreicht hat, dann sei realistisch und werde aktiv. In der Liebe und im Krieg geht es ja bekanntlich nicht zuletzt um Selbsterhaltung, und da ist alles erlaubt.

Lass dich nicht von einer verkorksten Romanze dazu bringen, noch Jahre später von Hühnern zu träumen. Es hat ja durchaus eine Bedeutung, dass es die gackernden Federviecher sind, die mir im Kopf geblieben sind, und nicht der Typ.

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