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Ist es okay, neidisch auf seinen Partner zu sein?

Eifersucht? Ja. Wut? Hin und wieder. Misstrauen? Manchmal okay. Die Beziehung ist immer auch Nährboden ärgster Gefühle. Nur eines ist tabuisiert: Neid auf den Menschen, den man liebt.

Neo Kolumne Neid

Neid meint den anderen direkt, greift ihn an für das, was er ist

Es war nach einer Party. Die beiden stolperten beschwipst nach Hause. Sie griff nach seinem Arm, Kopfsteinpflaster, Pumps und Sekt, wacklige Kombination, er hielt ihn ihr steif, irgendwie widerwillig hin. "Ist was?", fragte sie. "Nee, was soll sein?" Der Lügensatz Nummer eins. In der Wohnung zog er sich stumm um. Als sie nebeneinanderlagen, versuchte sie es erneut. "Irgendwas ist aber doch. Nach solchen Abenden bist du jedes Mal seltsam. Ist es wegen der anderen Typen? Bist du eifersüchtig, wenn ich mich mit denen gut verstehe?" "Quatsch." Er löschte das Licht. "Du könntest das ruhig sagen, ist ja nicht schlimm." "Ich bin nicht eifersüchtig auf diese Spackos." "Sondern?" "Oh Mann, ey… Es ist bescheuert." "Nichts ist bescheuert. Sag's einfach!" "Ich bin eifersüchtig auf dich."

Sie verstand nicht gleich. "Du kannst dich mit all diesen Leuten immer so leicht unterhalten, so witzig. Ihr redet über dieses ganze Arbeitszeug, von dem ich nichts verstehe, und selbst wenn ihr euch über Käse unterhaltet KÄSE! und du irgendeinen Kommentar abgibst, lachen alle. Du strahlst. Dich hat jeder gerne dabei. Mich nehmen sie so hin. Ich weiß, es ist schrecklich. Aber ich fühle mich an solchen Abenden schlecht neben dir. Ich bin neidisch."


Kannst Du nicht stolz auf mich sein?

Alles war falsch jetzt. Sich zu ihm drehen und ihn umarmen, komm mal her, armer schwarzer Kater, ich tröste dich. Mitleid war falsch, Wut aber auch. Sie hatte Angst. Sie fand das alles unangenehm. Sie wurde, bei genauerem Nachdenken, jetzt doch ärgerlich. "Mal ganz abgesehen davon, dass überhaupt nicht jeder über mich lacht und dass da heute Abend genug Leute waren, die mindestens innerlich die Augen verdreht haben, sobald ich meinen Mund aufgemacht habe: Kannst du in den Momenten, in denen es gut läuft für mich, nicht einfach stolz darauf sein, dass ich deine Freundin bin? Hättest du lieber eine, die stumm in der Ecke sitzt, die alle langweilig finden?" "Mir wär einfach lieber, ich wäre derjenige, auf den sie sich freuen."

Neid ist pure Innenwelt

Es gibt in Beziehungen Tausend erlaubte Negativgefühle. Kein anderer emotionaler Ort ist Schauplatz solch arger Abgründe unseres Charakters, nirgendwo sonst gehen wir so hart mit uns und anderen ins Gericht. Wir misstrauen einander, wir empfinden Besitzansprüche oder verraten uns, wir kämpfen darum, in der Beziehung nicht derjenige zu sein, der schlechter wegkommt, der mehr aufgibt oder schlimmer verletzt wird. Alles ist erlaubt dabei, jedes noch so unsympathische Gefühl. Aber ? Entsteht ja nicht im Innen-außen-Kontext, bezieht sich nicht auf einen anderen Menschen oder eine Situation, die zur Bedrohung werden könnte. Neid ist pure Innenwelt, Zweierwelt. Neid meint den anderen direkt, greift ihn an für das, was er ist. Es ist ein ätzendes, peinliches Gefühl, das in Liebe und Freundschaft tabuisiert ist. Hat da einfach nichts verloren, denkt man. Mein Kumpel bekommt die tolle Wohnung mit Mega-Dachterrasse zur Mini-Miete? Freue ich mich für ihn. Meine beste Freundin trägt das Kleid, das ich mir nicht leisten kann? Ist doch schön! Oder? Ja klar. Trotzdem ... gar kein Neid?

Vielleicht, dachte sie, als sie ein paar Wochen später wieder mit Freunden in einer Bar rumstanden, ist der entscheidende Punkt die Unterscheidung zwischen Neid und Missgunst. Vielleicht ist es okay, dass er manchmal gerne etwas hätte, das sie hat oder das ihr passiert ist. Er darf das für sich sogar als Verlust empfinden. Solange er ihr den Gewinn gönnen kann.


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