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Liebe: Das hat mein Sexleben gerettet: „Ich hatte Schüttelfrost vor Aufregung“

Judith, 28, konnte nie verstehen, was an Sex aufregend sein soll. Bis sie Oliver traf.


„Mein erstes Mal hatte ich mit 15 Jahren. Mein Freund war damals 19. Ich fand es kurz aufregend und danach okay, aber mir blieb unklar, was meine Freunde so geil daran fanden. Warum sprachen alle davon, fieberten dem nächsten Mal entgegen? So prickelnd war es wirklich nicht. Das änderte sich auch nicht bei den folgenden Malen, die wir miteinander schliefen. Mein Freund und ich waren danach zwölf Jahre zusammen, unser Sex dauerte jedes Mal maximal fünf Minuten. Doch meine Freundinnen schwärmten von stundenlangem Sex und intensiven Orgasmen, von verrückten Positionen, die sie ausprobierten. Ich dachte: Ihr übertreibt. Ich habe mit meinem Freund geschlafen, weil es halt dazugehörte. Aber stattdessen hätte ich auch fernsehen können.

Dann habe ich Oliver kennengelernt, einen neuen Kollegen. Acht Jahre älter, große Hände, breit gebaut, verheiratet. Er sah weniger gut aus als mein Freund, aber etwas an ihm zog mich wahnsinnig an. Ich konnte nicht aufhören, an ihn zu denken. Ein schlechtes Gewissen hatte ich nicht, das blendete ich total aus. Ich wusste nur: Ich will mit Oliver ins Bett. Wenige Zeit später trafen wir uns auf einem Betriebsfest. Es war spät, alle waren leicht angetrunken. Oliver zog mich auf die Tanzfläche und grinste mich an. Ich hatte fast vor Aufregung. Wir sahen uns in die Augen, und in dem Moment war alles klar.

Eine halbe Stunde später standen wir in seinem Hotelzimmer. Als wir uns küssten, kapierte ich endlich, was meine Freundinnen meinten. Ich spürte, wie viel Lust ich haben konnte. Beim Sex mit meinem Freund hatte ich mich ständig konzentrieren müssen, um etwas zu empfinden. Mit Oliver ging alles wie von selbst. Als wir miteinander schliefen, hätte das Haus um uns herum abbrennen können, ich hätte es nicht mitbekommen. Danach konnte ich nicht mehr mit meinem Freund schlafen. Als ich Schluss machte, war es für ihn ein totaler Schock. Weil ich ihn nicht verletzen wollte, sagte ich, wir hätten uns auseinandergelebt. Ich habe ihm nie gestanden, wie schlecht ich unseren Sex zwölf Jahre lang gefunden hatte.

Nach der Trennung fühlte ich mich völlig frei. Ich hoffte auf viele aufregende Erlebnisse. Aber wenn ich mit meinen Freundinnen ausgehe, zieht mich kein Mann an. Ich will nur Oliver. Unsere erste Nacht ist jetzt ein Jahr her, und unsere Affäre läuft immer noch. Ich habe mich in ihn verliebt und keine Ahnung, wie es weitergehen soll. Aber ich will es nicht beenden. Wenn wir miteinander schlafen, ist es jedes Mal noch besser als vorher. Im Moment bin ich einfach nur froh, das erleben zu dürfen.

Theresa Bäuerlein fragt jeden Monat Menschen, was ihr Liebesleben verbessert hat.
Erzählt uns eure Geschichte. Schreibt an: sexrettung@neon.de


Dieser Text ist in der Ausgabe 01/2017 von NEON erschienen. Hier können Einzelhefte nachbestellt werden. NEON gibt es auch als eMagazine für iOS & Android. Auf Blendle könnt ihr die Artikel außerdem einzeln kaufen. 


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Von:

Theresa Bäuerlein