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Grundsatzfrage: Sollte man mit einem Trump-Wähler schlafen?

Der Mensch, mit dem man ein Bett teilt, stellt sich plötzlich als Amok-Wähler heraus. Erster Impuls: Bestrafung durch Liebesentzug. Aber müssen wir im Sex echt politisch sein?

Donald Trump

US-Präsident Donald Trump: Was tun, wenn der Schwarm ihn wählt?

"Der Feind in meinem Bett" ist ein Film, der mich lange beschäftigte, nachdem ich ihn in meiner zum ersten Mal gesehen hatte. Ein Mann namens Martin, gespielt von Patrick Bergin, schlägt seine Frau Laura, Julia Roberts. Die versucht dem Martyrium ihrer Ehe zu entrinnen, indem sie ihren Tod vortäuscht. Natürlich kommt Martin ihr auf die Schliche, die beiden liefern sich einen schrecklichen Kampf, an dessen Ende Laura ihn erschießt. Meiner Freundin nun passierte neulich eine Geschichte, die sie auch mit "Der Feind in meinem Bett" anteaserte, auch wenn sie nicht mit einem Mord endete, höchstens einem emotionalen.

Lisa hatte einen Mann kennengelernt. Und obgleich sie sich nicht direkt in ihn verliebte, passte vieles: Sie hatte ihn gerne um sich, sie konnte gut mit ihm lachen und über sprechen, er mochte die gleichen Serien wie sie, und als sie schließlich miteinander schliefen, lief auch das sehr gut, weshalb die beiden eine Affäre begannen mit unklarem Ausgang zwar, aber es gab regelmäßige Treffen, wachsende Vertrautheit, das ganz normale, moderne Kennenlernzinnober eben. Lisa war glücklich.

Donald Trump: Lisa hielt es für einen Scherz

Dann stand die US-Wahl an, der Mann, von dem Lisa uns immer häufiger erzählte, ist Amerikaner und trotz aktuellem Deutschland-Wohnsitz wahlberechtigt. Lisa lachte, als er eines Morgens erzählte, er habe sich für ausgesprochen, im Gegensatz zum deutschen Medienkonsens gebe es aktuell für die USA keine bessere Alternative. Lisa lachte noch einmal, sie vermutete einen Scherz, als sie aber den ernsten Blick des Mannes sah, hielt sie fortan nur noch ihn für einen Witz.

Ein paar Wochen später sitzen wir in einem Café. Lisa erzählt, sie habe den Mann nach dem Wahldebakel nicht mehr getroffen, auch Anrufe und SMS verweigere sie seither. "Wie soll ich denn mit einem Trump-Wähler schlafen? Das wäre politisch unkorrekt." Ich gebe zu bedenken, dass sie das ja längst getan hat. Sie verdreht die Augen. "Es macht einen Unterschied, ob du mit einem Mann vögelst, der heimlich Babykatzen ertränkt, oder ob du es mit einem tust, der dir Videos davon zeigt. In einem Fall hast du bloß eine Scheiß-Menschenkenntnis, im anderen bist du Mitwisser." Wenn sie weiter mit ihrer Affäre schlafe, so Lisa, würde sie sich über Eck mit Trump solidarisieren.

"... dann geht man besser gleich, und zwar weg"

Natürlich kann sich jemand durch seine politische Haltung disqualifizieren. Wenn er oder sie beim zweiten Date fragt, ob man am Wochenende nicht vielleicht zusammen zu einer AfD-Demo gehen wolle: Dann geht man, sofern man anderer politischer Meinung ist, besser gleich, und zwar weg. Aber zwischen Lisa und dem Mann war ja schon viel mehr passiert. Er war nicht generell dumm, er sagte, im Gegenteil, ziemlich clevere Dinge und brachte sie zum Lachen.

Vielleicht war er gerade nur verwirrt. Vielleicht hätte es ihm geholfen, mit einem aufgeräumten Geist wie Lisa über die politische Weltlage zu sprechen. Ich schickte ihr nach unserem Treffen einen Link zum Ärzte-Song "Schrei nach Liebe" , sie antwortete mit einem kotzenden Emoji und dem Hinweis, sie habe nicht vor, eines Tages eine Biografie mit dem Titel "Ficken für den Weltfrieden" zu veröffentlichen. Ich fand das verständlich, aber auch schade. Denn so gefährlich-verrückt Trump ist, wird man doch den Eindruck nicht los, seine Anhänger unterstützten ihn vor allem aus dem Gefühl heraus, benachteiligt zu werden, zu kurz zu kommen, ungeliebt zu sein. Vielleicht könnte man dagegen ja zumindest anknutschen.