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Serie "Ever fucked the company?": Wir haben uns im Job ineinander verliebt, wann sollen wir uns outen?

Jeder Dritte war schon mal in einen Kollegen verknallt. Problematisch? Ja klar. Aber ändert ja nichts. Wie also kann die Liebe im Büro funktionieren? Was macht man mit penetranten Verehrern? Teil 5 der neuen NEON-Reihe.

Von Charlott Friederich

Wie funktioniert das mit der Liebe am Arbeitsplatz und wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich zu ihr zu bekennen? (Symbolbild)

Wie funktioniert das mit der Liebe am Arbeitsplatz und wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich zu ihr zu bekennen? (Symbolbild)

Picture Alliance

Montagskonferenz. Die Sonntagslaune haben die meisten Kollegen zusammen mit dem "Tatort" ausgeschaltet, müde Gesichter, leicht genervte "Alles auf Los"-Stimmung. Und dann geht die Tür auf. Er kommt rein. Schaut irre gut aus. Schaut, das gibt’s doch gar nicht, noch besser aus als am Freitag. Nicken, lächeln. Der Chef beginnt mit der Aufgabenverteilung für den Tag, einzelne Kollegen schließen die Augen, atmen schwer. Man selbst auch, allerdings aus ein bisschen anderen Gründen. Hat es je einen besseren Tag gegeben als den Montag, diesen Startschuss zu fünf Tagen flauem Magen und Hitzewallungen? Wahrscheinlich nicht.
Klingt irgendwie vertraut? Statistisch gesehen gibt es jedenfalls bloß zwei Gelegenheiten, bei denen wir uns öfter verlieben: Nicht etwa beim Onlinedaten, sondern einzig im Freundeskreis und beim Ausgehen funkt es häufiger als im Büro. Ist ja auch kein Wunder. Mit niemandem verbringen wir so viel Zeit wie mit unseren Kollegen, mindestens 40 Stunden. Dazu der ganze Stress und die geteilten Höhen und Tiefen des Büroalltags. Wissenschaftler sagen: Je größer die Identifikation mit dem Job, desto emotionaler geht es auch unter den Kollegen zu. Und Emotionen, das weiß man ja, lassen sich nur bis zu einem bestimmten Grad bewusst kanalisieren.

Trotzdem sind Büroflirts bis heute nicht überall gerne gesehen. In den USA können Beziehungen unter Mitarbeitern sogar vertraglich verboten werden. Klingt hart, aber es gibt auch gute Nachrichten von der LoveWork-Front: Ehen, die am Arbeitsplatz entstanden sind, halten laut Statistik länger als die jener, die sich außerhalb der Berufswelt gefunden haben. Wie also funktioniert das mit der Liebe am Arbeitsplatz und wann ist der richtige Zeitpunkt, um sich zu ihr zu bekennen? Genau das fragt sich gerade auch Hannah, 25, aus Frankfurt:

Fall 5: Wir sind verliebt, wann sollen wir uns outen?

Vor fünf Monaten habe ich meinen ersten Job in einer Personalberatung angefangen. Meine Probezeit geht noch einen Monat, und bis dahin darf ich mir keine Fehler erlauben. Klappt auf der Arbeitsebene bislang bestens. Tja: Und dann ist da Max. Wir sitzen auf dem gleichen Gang. Er ist mir schon am ersten Tag aufgefallen. In den darauffolgenden Wochen hatten wir Kaffee und Kantinendates, seit zwei Monaten treffen wir uns auch nach der Arbeit. Bisher läuft aber von meiner Seite aus nicht mehr als ein paar Zärtlichkeiten. Er arbeitet schon länger in der Firma, sein Status ist gefestigt. Letzte Woche habe ich meine Bedenken angesprochen, und wir haben beschlossen, das Ganze erst mal geheim zu halten. Es fühlt sich komisch an, aber ich habe einfach zu viel Angst, dass mein professionelles Image unter unserer Beziehung leiden könnte.


"Grundsätzlich keine falsche Herangehensweise", findet Coach Meike Müller. Wer etwas mit einem Kollegen angefangen hat, sollte es nicht gleich ans Schwarze Brett hängen auch wenn potenziell mehr dahintersteckt als nur Sex. Die Faustregel: Mindestens drei Monate sollte man warten, bis man die Kollegen an den Neuigkeiten teilhaben lässt. Bis dahin gilt: "Knutschen, Händchenhalten und Getuschel sind tabu." Auch von Zweier-Mittagspausen beim Italiener oder dem Schwänzen der Kaffeepausen mit Kollegen rät die Expertin ab. "Es sollte auf keinen Fall das Gefühl entstehen, man kapsele sich ab und mache nur noch sein eigenes Ding", rät auch Arbeitspsychologe Peter Groß. Wer sich doch irgendwann outet, sollte dies am besten nach den Regeln der Salamitaktik tun: Zunächst nur den engsten Kollegenkreis einweihen. Dann erst alle anderen. "So kann sich der Flurfunk langsam und kontrolliert ausbreiten, und niemand fühlt sich übergangen."


Paare, die in derselben Abteilung arbeiten oder mit ihren Zuständigkeiten die Arbeit des anderen direkt beeinflussen, sollten auch dem Chef Bescheid geben. So haben es Angie, 28, und Philipp, 27, aus München gemacht - ihren Fall lest ihr demnächst bei uns.

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