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Hohe Lebenshaltungskosten: Wie man eine Woche als Studentin in Paris mit gut 100 Euro (über-)lebt

Paris zählt in puncto Lebenshaltungskosten zu den teuersten Städten der Welt. Auch und gerade für Studierende. Unsere Autorin rechnet vor, wie sie mit knappem Budget dennoch über die Runden kommt.

Von Refinery29 (anonym)

Wie man eine Woche als Studentin in Paris mit 900 Euro netto (über-)lebt

(Über-)leben im teuren Paris: "Zu Mittag besuche ich meinen Freund bei seiner Arbeit, wir gehen zusammen in die Kantine. Ich esse Kabeljau mit Erbsen und Kartoffeln und einer merkwürdigen weißen Soße für zwölf Euro." (Symbolfoto)

Sprechen wir über eines der letzten Tabus unseres Zeitalters: Geld. Eine Studentin der Erdgas- und Erdöltechnik in , die über ein Jahresbruttoeinkommen von knapp 11.000 Euro verfügt, rechnet uns vor, wie es sich damit in Paris leben lässt.

: Studentin, Sprachlehrerin

Branche: Erdgas- und Erdöltechnik, nebenbei gebe ich Kurse in "Business-Englisch"

Alter: 24

Ort: Paris 

Jahresgehalt (brutto): 7.200 Euro

Monatsgehalt (netto): 880 Euro (680 Euro plus 200 Euro, die meine Eltern mir jeden Monat überweisen)

Miete:  480 Euro inklusive Nebenkosten – ich hatte als Auslandsstudentin das , ein Zimmer in einer staatlich geförderten Studierenden-WG zu bekommen. Sonst ist die Unterkunft in Paris recht teuer.

Öffentlicher Nahverkehr: 75,20 Euro für den Metro-Pass

Studienkredit: 67 Euro/monatliche Ratenzahlung

Telefonrechnung: 19,90 Euro

: 7,99 Euro

Krankenversicherung: durch meinen Studentenjob gezahlt 

Tag 1, Montag in Paris

Ich schlafe aus – es ist August, ich habe Semesterferien und muss heute nicht einmal arbeiten. Jackpot! Dafür muss ich nach einem Praktikum suchen, denn ich habe noch keine Antwort erhalten.

Zu Mittag besuche ich meinen Freund bei seiner Arbeit, wir gehen zusammen in die Kantine. Ich esse Kabeljau mit Erbsen und Kartoffeln und einer merkwürdigen weißen Soße für 12 Euro.

Danach laufe ich nach Hause, schnappe mir meinen Laptop und setze mich zum Abarbeiten meiner E-Mails und Schreiben meiner Bewerbungen in ein Café – 6 Euro.

Gegen 17.30 Uhr fahre ich nach Hause. Ich fange schon mal an zu kochen, mein Freund kommt heute Abend vorbei, es gibt Gemüsepfanne mit Reis.

Gesamtsumme: 18 Euro

 

Tag 2, Dienstag

Heute muss ich früh raus, weil ich zwei Stunden lang Englischunterricht gebe. Also stehe ich um Punkt sieben Uhr auf, mache mir Tee, gehe schnell duschen. Bevor ich das Haus verlasse, mache ich mir noch schnell ein Brot und packe eine Banane ein.

Gegen elf Uhr ist mein Sprachunterricht vorbei und ich fahre zur Arbeit. Das Institut, in dem ich arbeite und auch für die Uni forsche, hat auch eine Kantine, also gehe ich hier mit ein paar Kolleginnen und Kollegen zu Mittag essen: Reis, Avocado und Lachs für 6 Euro.

Kurz vor Feierabend erzählt mir eine Kollegin von einem neuen Geschäft in der Nähe der Arbeit. Auf dem Weg dorthin bin ich aber schon viel zu abgelenkt vom Laden davor. Ich habe eine Schwäche für Basics und habe gerade erst mein liebstes weißes T-Shirt zu einem Putzlappen verarbeiten müssen, weil ein riesiger Fleck nicht mehr rausging. Also kaufe ich mir neue T-Shirts, ein weißes, ein blaues und ein schwarzes für insgesamt 36 Euro.

Zu Hause angekommen, falle ich erschöpft auf mein Bett. Ich esse die Reste von gestern Abend und gucke eine Folge "New Girl".

Gesamtsumme: 42 Euro

Tag 3, Mittwoch

Mittwochs gehe ich morgens immer schwimmen. Ich kaufe mir 20er-Karten, je nachdem wie oft ich es schaffe, hält sich so eine Karte bis zu fünf Monate. Nach dem Schwimmen gehe ich einkaufen: frisches Gemüse, ein paar Äpfel und Pflaumen, Chips, Sojamilch, Brot, Spülmittel, Toilettenpapier – 37,82 Euro.

Zu Hause angekommen, mache ich mir schnell einen Tee und ein Brot mit Käse. Ich packe einen Apfel ein und fahre mit der Metro zur Arbeit. Mein Freund überredet mich, wieder in seiner Kantine zu Mittag zu essen – er lädt mich ein, ich esse wieder den Kabeljau mit Kartoffeln und Erbsen.

Auf dem Weg nach Hause laufe ich an einem echt süßen Unterwäscheladen vorbei. Ich zögere, überlege mir fast, einen neuen BH zu kaufen, aber bändige mich im letzten Moment. Das Geld ist faktisch zu knapp und der Monat ist zu lang (ich HASSE Monate mit 31 Tagen).

Ich bin gegen 19 Uhr zu Hause und warte mit dem Essen auf meinen Freund. Er übernachtet heute bei mir und vorher kochen wir noch zusammen. Wenn er da ist, ist es zwar eng (mein Zimmer hat ungefähr zwölf Qaudratmeter), aber es ist trotzdem schön, ihn da zu haben.

Wir schauen einen Film auf Netflix und dösen beide ein. Gegen kurz vor zwölf stehen wir auf und putzen uns die Zähne. Ich checke noch ein letztes Mal meine Mails, um nach einer Antwort auf meine Bewerbungen zu schauen – nichts. Morgen ist ein neuer Tag.

Gesamtsumme: 37,82 Euro

Tag 4, Donnerstag

Immer wenn mein Freund da ist – was nicht ganz so häufig passiert, weil der Hausmeister keine Gäste mag – muss ich auch früher aufstehen, weil er schon um 7.30 Uhr zur Arbeit muss und ich nicht noch einmal einschlafen kann. Heute passt es mir allerdings ganz gut, denn so habe ich noch Zeit, mir Mittagessen vorzubereiten, bevor ich mich mit meinen Sprachschülern treffe.

Nach dem Sprachunterricht fahre ich mit der Metro direkt zur Arbeit. Als die Kolleginnen und Kollegen gegen 14 Uhr Mittag essen gehen, nehme ich mein Essen einfach mit und setze mich zu ihnen an den Tisch. Zehn Euro gespart!

Am Nachmittag habe ich ein Gespräch mit meinem Chef, wir gehen meine Arbeitszeiten für den Rest der Semesterferien durch und sprechen über mein geplantes Praktikum. Leider sind die Ölpreise in der letzten Zeit gesunken, sodass nur noch wenige Unternehmen ihre Praktikantinnen und Praktikanten auch wirklich gut bezahlen.

Ich mache um Punkt 17 Uhr Feierabend und gehe noch eine Runde Pokémon Go in den Tuileries spielen – don't judge, ich bin noch nicht darüber hinweg!

Zu Hause angekommen gibt es das, was es auch schon zu Mittag gab: Linsen, Salat und Fetakäse.

Gesamtsumme: 0 Euro

Tag 5, Freitag

Heute schaffe ich es noch mal zum Schwimmen, bevor wir mittags zu den Eltern meines Freundes fahren, bei denen wir bis übermorgen Abend bleiben. Zu Hause mache ich mir einen grünen Tee und packe eine kleine Tasche, dann laufe ich zu meinem Freund. Auf dem Weg kaufe ich noch etwas Schokolade für seine Eltern: 14 Euro.

Seine Schwester holt uns mit dem Auto ab, sie ist aus dem Norden angereist, weil ein katholischer Feiertag ansteht und sich die gesamte Familie bei den Eltern versammelt.

Bei den Schwiegereltern angekommen, essen und trinken wir. Abends schauen wir noch etwas fern. Danach fallen wir alle hundemüde ins Bett.

Gesamtsumme: 14 Euro

Tag 6, Samstag

Die große Feier ist erst morgen, deshalb können wir heute ausschlafen und verbringen den halben Tag damit, im Garten zu liegen und Bücher zu lesen.
Nachmittags helfen alle bei den Vorbereitungen für das morgige Essen mit.

Am frühen Abend machen wir mit der Schwester meines Freunds und ihrem Freund eine kleine Radtour entlang der Loire – es ist wirklich wunderschön!

Als wir zurückkommen, steht das Abendessen schon bereit. Wir essen und trinken und fallen wieder erschöpft ins Bett.

Gesamtsumme: 0 Euro

Tag 7, Sonntag 

Der große Tag ist da. Heute ist nichts mit ausschlafen, weil noch viel vorbereitet werden muss und nach der Messe noch einige Gäste erwartet werden. Wir fahren in zwei Autos zur nächsten Kirche, doch hier findet gar keine Messe statt. Sichtlich irritiert steigen alle wieder in die Autos und wir fahren zur nächsten Kirche, in der noch nicht einmal die Eltern meines Freundes waren. Hier findet jedenfalls eine Messe statt und alle sind am Ende doch noch happy.

Nach der Messe, gegen halb zwölf, fahren wir schnell wieder nach Hause, denn ab 14 Uhr sollen die Gäste kommen. Es werden Tische zusammen gerückt und dekoriert, die Saucen angerührt, die Gläser poliert. Hier geht wirklich alles nach Plan zu, ein bisschen wie bei den Gilmores. Zum Glück ist die Schwester meines Freunds so locker, sie nimmt mir über das ganze Wochenende wirklich viel von dem Druck, den man hier schnell verspüren kann.

Als es dunkel wird und die letzten Gäste weg sind, helfen wir noch etwas beim Aufräumen und fahren dann zu viert wieder Richtung Paris.

Gegen Mitternacht falle ich todmüde ins Bett und bin froh, dass ich meine zwölf Quadratmeter wieder ganz für mich habe.

Gesamtsumme: 0 Euro