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Anstrengend oder Alternative?: Tschüss, Pille: Wie ich per Computer verhüte

Immer mehr Frauen wollen nicht langfristig die Pille einnehmen – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Die Auswahl an alternativen Verhütungsmethoden war allerdings lange nicht so groß, wie gern behauptet wurde. Das beginnt sich gerade zu ändern.

Von Wiebke Tomescheit

Der Verhütungscomputer Daysy ist mit einem Smartphone verbunden

Der Verhütungscomputer Daysy wird zur Auswertung mit dem Smartphone verbunden

Wer nicht die Pille nehmen will und auch sonst keine Lust auf hormonelle hat, oder wem ein Kondom als alleiniger Schutz nicht reicht, der hat ein Problem. Lange waren die Alternativen überschaubar und wenig ansprechend. Denn was bleibt da übrig?

Die Spirale, die lange nur Frauen empfohlen wurde, die schon geboren hatten. Diaphragmen oder Pessare, für die man den Akt unterbrechen muss, um mit den Fingern Dinge in Richtung Muttermund zu schieben und dann auch noch spermizides Gel hinterherzuschicken. Wenn dann noch Romatik übrig ist – herzlichen Glückwunsch! Scheidenzäpfchen oder Schwämme, die nicht nur als unsicher gelten, sondern deren spermientötendes Sekret auch die Schleimhaut der Scheide angreift. Frauenkondome, sogenannte Femidome, die für alle Beteiligten deutlich sichtbar sind, knistern und leicht verrutschen können.

Bisherige Verhütungsmethoden – oft nicht alltagstauglich

Keine dieser Optionen klingt besonders attraktiv. Keine ist wirklich "alltagstauglich". Aber das schien lange niemanden zu stören, Neues entwickelt wurde in dieser Hinsicht kaum. Es gab ja die Pille, auf die Frauen zurückgreifen konnten. Und weil es die einzig sichere und bequeme Möglichkeit zur Verhütung war, erfreuten sich die kleinen runden Dinger weiterhin großer Nachfrage.

Doch in den letzten Jahren hat sich was bewegt auf dem Verhütungsmarkt – und das dank moderner Technik. Aktuell gibt es gleich mehrere handliche Verhütungscomputer, die Frauen zuverlässig ihre fruchtbaren Tage anzeigen. An diesen können sie entweder mit Kondom verhüten oder abstinent bleiben.

Was alle diese Helferlein gemeinsam haben: Sie sind leider noch sehr teuer. Neben recht komplexen Geräten wie dem Cyclotest MyWay (ca. 345 Euro) oder dem LadyComp (ca. 395 Euro) erfreut sich besonders der kleine Daysy (ca. 290 Euro) zunehmender Beliebtheit, nicht zuletzt dank geschickter Werbung in den sozialen Netzwerken durch die Hersteller, einer Firma aus der Schweiz. Auf Instagram oder Facebook erreicht man schließlich direkt die Zielgruppe: jung, körperbewusst, kritisch. Auch zahlreiche junge Bloggerinnen und Youtuberinnen widmen sich dem kleinen Ding in Weiß und Hellblau ausführlich.

Marktlücke samt kaufkräftiger Kundschaft erkannt

Man merkt, wie bewusst der Daysy auf junge Frauen zugeschnitten wurde: Das Design ist schlicht und irgendwie niedlich, die Funktionen sind auf das Nötigste reduziert, die Gebrauchsanleitung ist in einer so simplen Sprache verfasst, dass es einen fast schon wütend macht. "Pieps-pieps gibt das Ende der Messung an", steht da etwa. Genau so. Andererseits: So kapiert es wirklich jeder. Ist ja auch gut.

Den Daysy nimmt man morgens vor dem Aufstehen in den Mund (wichtig, erst hinterher ins Bad oder Kaffee kochen!) und lässt ihn die Temperatur unter der Zunge messen. Er ist dabei aber mehr als bloß ein teures Thermometer: Im Inneren schlummern Millionen von Daten und Algorithmen, die zuverlässig Aufschluss darüber geben können, wie es zyklustechnisch heute bei der Anwenderin aussieht. Dann gibt Daysy ganz wortwörtlich grünes Licht – oder rotes. Im Zweifel (oder im ersten Monat der Anwendung) auch mal orangefarbenes, das vorsichtshalber immer wie rot betrachtet werden sollte.

Die Sicherheit wird vom Hersteller mit 99,3 Prozent angegeben. Das wären 0,7 im sogenannten Pearl-Index. Die Pille punktet im Vergleich mit 0,1 bis 0,9, ein Kondom mit 2 bis 12, je nach Geschick des Anwenders. Also ein absolut akzeptabler Wert.

Unregelmäßige Zyklen sind übrigens kein Problem: Das Gerät kommt damit zurecht. Im Zweifel fällt die Auswertung eher zu vorsichtig als zu leichtfertig aus. Wenn man den Daysy mit dem Smartphone und der dazugehörigen App DaysyView verbindet, kann man die eigene Temperaturkurve und eine Prognose für die kommenden Tage sehen.

Computer – sicherer als Kondome

Ein Vorteil solcher Verhütungscomputer: Paare müssen eigentlich nur an fünf bis sechs Tagen pro Zyklus vorsichtig sein. Spermien sind nur fünf Tage überlebensfähig, die Eizelle der Frau nur etwa zwei Tage lang befruchtbar. Je länger und regelmäßiger man ein solches Gerät benutzt, desto genauer können diese Tage von ihm eingegrenzt werden. Sodass immer mehr "freie" Tage übrig bleiben, an denen man unbesorgt ohne weitere Verhütung Sex haben kann. Natürlich gilt das in erster Linie für Paare, die sich schon länger kennen und vertrauen, denn vor Geschlechtskrankheiten schützen nach wie vor nur .

Die Entwicklung neuartiger ist übrigens längst noch nicht am Ende: Aktuell erfreut sich das Zyklus-Armband Ava großen Interesses. Es ist aber offiziell noch nicht zur Verhütung, sondern lediglich zum Zyklustracking bestimmt. Man darf gespannt sein, was sonst noch kommt. Sicher ist: Viele Frauen werden aufatmen.