HOME

Beischlaf im Tiefschlaf: Tom hat seine Ex-Freundin vergewaltigt – während er selber schlief

Tom hat eine Frau vergewaltigt - und kann sich selbst nicht daran erinnern. Er kann sich seine Tat nicht erklären, bis er die Diagnose Sexsomnia erhält, eine besondere Art der Schlafstörung von der besonders Männer betroffen sind.

Sex im Schlaf: Besonders Männer sind von Sexsomnia betroffen

Beängstigend. Sex-Schlafwandler können sich und andere verletzen – bis hin zur Vergewaltigung

Sarah und Tom (Namen geändert) waren noch nicht lange ein Paar, ihre Liebe noch wild und wunderbar, als es das erste Mal passierte. Sarah wachte nachts auf, weil Tom ihre Brüste knetete und sich grob an ihr rieb. Doch weil alles noch so frisch war, beschloss sie, ihn nicht darauf anzusprechen.

"Ich schätze, ich dachte damals, dass er nur ein bisschen übermütig war und habe dem weiter keine Bedeutung beigemessen", erzählt Sarah der britischen " ". Die Beziehung  der beiden wurde immer intensiver. Kino, lange Spaziergänge, Sarah und Tom machten alles zusammen und Sarah schob ihr Befremden über Toms nächtliche Annäherungsversuche erst einmal beiseite.

Sieben Jahre Haft, weil er seine Ex-Freundin vergewaltigte

Bis zu der einen Nacht. Sarah und Tom waren feiern. Beide hatten getrunken. Es war mitten in der Nacht als Sarah plötzlich aufwachte. Tom versuchte durch ihre Unterwäsche hindurch mit ihr zu schlafen. Es war schmerzhaft und verstörend, erinnert sie sich. Am nächsten Tag stellte sie Tom zur Rede. Sie habe genug und wolle die Beziehung beenden, sagte sie. Tom fiel aus allen Wolken. "Er hatte überhaupt keine Ahnung wovon ich redete und hat sich die ganze Zeit verteidigt", erinnert sich Sarah. "Mich hat es tierisch geärgert, dass er mich so aufgeweckt hatte und dann die ganze Sache abstritt." Tom konnte sich an gar nichts erinnern. Er war am Boden zerstört darüber, dass er Sarah weh getan hatte.

Sarah war vollkommen verwirrt. Diese nächtliche Gewalt passte so gar nicht zu dem zärtlichen, liebevollen Tom, in den sie sich verliebt hatte. Doch es passte zu Toms Geschichte. Denn es war nicht das erste Mal, dass Tom im Schlaf zu weit gegangen ist. Seine Ex-Freundin hatte ihn bereits wegen angezeigt. Alles gelogen, sagte Tom damals. Das Gericht gab seiner Ex-Freundin jedoch Recht. Tom wurde verurteilt. Zu sieben Jahren Gefängnis. Nun also schon wieder. Tom verzweifelte. Was war mit ihm los?

Sexsomnia: Besonders Männer sind betroffen

In einem Schlaflabor einer Londoner Spezialklinik fand er endlich die Antwort. "Tom scheint zur selben Zeit zu schlafen und wach zu sein", erklärte der Neurologe Guy Leschziner. Diese Ergebnisse, zusammen mit Sarahs Berichten und Toms grundsätzlicher Neigung zum Schlafwandeln ergeben die Diagnose: Sexsomnia, eine anerkannte, wenn auch nicht ganz unumstrittene Schlafstörung, so ähnlich wie Schlafwandeln. Männer sind rund dreimal so häufig von ihr betroffen wie Frauen, wie Wissenschaftler des University Health Networks in Toronto herausfanden.

Die Teile des Gehirns, die für die Verarbeitung von visuellen Reizen, Bewegungen und Emotionen zuständig sind, scheinen wach zu sein, sagt Leschziner der "BBC", während die Regionen des Gehirns, die für Erinnerungen, Entscheidungen und rationales Denken verantwortlich sind, in Tiefschlaf liegen. "Personen in diesem Stadium können Reden, Laufen, Kochen, Autofahren oder Sex haben ohne sich später daran zu erinnern", so der Neurologe.


So lange der Betroffene alleine schläft, ist Sexsomnia recht harmlos. Schlimmer wird es jedoch mit einer anderen Person im Bett. Der Betroffene kann sie zum Sex mehr oder weniger zwingen, ohne selbst bewusst dabei zu sein. In einer Studie der Standford University reichten die nächtlichen Aktivitäten von Masturbation und Stöhnen bis hin zu Muskelkater, Blutergüssen, Strangulationen und zwei gebrochenen Fingern, als ein Proband sich aus den Fängen eines Fixiergurtes befreien wollte.

Verbrechen im Schlaf - wer ist Schuld?

Gerichte gehen sehr unterschiedlich mit Taten um, die von Schlafwandlern begangen werden. Die Schuldfrage ist schwierig. In Toronto ist beispielsweise ein Mann, der mit dem Auto zu seinen Schwiegereltern gefahren war und sie umgebracht hat, aufgrund seiner Schlafstörung freigesprochen worden. In Arizona tötete ein Mann vor ein paar Jahren seine Frau im Schlaf und wurde dennoch verurteilt.

Im Nachhinein kann eine solche Diagnose Tom aber nicht von seiner damaligen Vergewaltigung freisprechen. Immerhin ist es für ihn selbst eine Erklärung. Bisher hatte er immer gedacht, er wäre damals zu Unrecht verurteilt worden.

Eine Heilung gibt es jedoch nicht. Doch Experten raten, nicht nackt zu schlafen, Hautkontakt, Stress, Alkohol und Schlafmangel zu vermeiden. Auch Schlaf in ungewohnter Umgebung könnte triggern. Tom hat das geholfen. Bisher übernahm die Sexsomnia alle zwei bis drei Monate die Kontrolle über ihn. Inzwischen übermannt sie ihn nur noch alle zwei Jahre.


tyr
Themen in diesem Artikel