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Warum Frauen fremdgehen: Sechs persönliche Geständnisse

Trauer, Schmerz und Zorn fühlt der gehörnte Ex-Partner nach einer gescheiterten Beziehung. Doch wie geht es eigentlich den "Treulosen" selbst? 

Von Refinery29-Autorin Christine Stulik

Kristen, 30: "Wir sprachen oft am Telefon und hatten wirklich guten Sex."

"Das Fremdgehen war schon immer Teil meiner Beziehungen. Ich weiß nicht, ob es das heutige Zeitalter ist, die Gesellschaft oder einfach meine fehlende Moral. Ich habe schon meinen ersten Freund auf dem Gymnasium betrogen. Damals habe ich das aber nicht als Betrug wahrgenommen, wir waren schließlich .

Jahre später ging ich wieder fremd. Dummerweise betrog ich damit den einzigen Mann, den ich je geliebt habe. Ich wollte mein ganzes Leben mit ihm teilen, ich wollte ein gemeinsames Haus und auch ein Kind. Er trennte sich irgendwann, weil er lieber unabhängig war, aber später kamen wir wieder zusammen. Die ganze Zeit versuchte ich, mich mit der neuen alten Situation zurechtzufinden, aber es fühlte sich anders an.

Irgendwann fing ich wieder eine Affäre an – erst nur emotional, dann auch physisch. Er war einer meiner Vorgesetzten und wir waren beide in festen Beziehungen, das war schon mal ein Limit, was mir gedanklich sehr gut tat. Wir verstanden uns großartig, man könnte sagen, er war eine Art bester Freund. Wir sprachen oft am Telefon und hatten wirklich guten Sex.


Das ging zwei Jahre, bis er es herausfand. Ich hatte aufgehört, ihn zu lieben. An einem war ich nicht zuhause und hatte meinen Computer offen liegen lassen. Er las E-Mails von ihm. Wir trennten uns und ich merkte, dass ich eine erfüllendere Beziehung brauchte. Zwar nicht mit meinem Vorgesetzten, aber eben mit jemand anderem.“


Mackenzie, 25: "Ich tat es immer wieder, weil es wie ein Fangspiel war. Ich wollte erwischt werden, aber ich wurde einfach nie erwischt."

"Ich habe in diesem Spiel schon die unterschiedlichsten Rollen übernommen. Ich war oft die andere Frau und habe Beziehungen zerbrechen lassen. Das war zwar nie meine Absicht, aber ich kann die Schuld nicht von mir weisen. Mit meiner Ex-Freundin war ich drei Jahre lang zusammen und habe sie sieben Mal mit sieben Leuten betrogen.

Wir lebten uns einfach immer mehr auseinander. Und je weiter wir voneinander entfernt waren, desto mehr Bedürfnisse blieben unbefriedigt. Wann immer ich also die Möglichkeit hatte, sie zu erfüllen, tat ich das auch.

Es wurde zu einer Art Fangspiel. Ich dachte mir immerzu, 'Fang mich! Erwisch mich!', aber dazu kam es einfach nie. Ich wurde nie erwischt, es wurde nicht einmal etwas hinterfragt. Und so kam es zu einer Spirale: Je länger ich nicht erwischt wurde, desto öfter ging ich fremd, desto aufregender und gleichzeitig eintöniger wurde es alles. Ich brauchte immer mehr, um dieselbe Bestätigung zu bekommen.


Irgendwann merkte ich, dass unsere Beziehung nicht mehr funktionierte. Und dann, ein paar Monate später, begriff ich erst, wie schlimm das alles war, was ich getan hatte. All diese Leute, von denen sie nichts wusste. Warum?!

Mittlerweile bin ich mir sicher, dass ich so etwas nicht noch einmal tun sollte. In so einer Beziehung möchte ich nicht noch einmal stecken. Man sollte nur Dinge tun, auf die man stolz ist, mit denen man eher angeben möchte, als sie zu verheimlichen. Integrität ist sehr viel wichtiger als ein schneller, kurzlebiger Kick."


Lisa, 26: "Ich brauchte körperliche Nähe. Und ich brauchte ganz einfach Sex."

"Meine Freundin war vier Jahre lang schwer alkoholabhängig. Immer wieder versagten bei ihr die Organe, bis sie irgendwann im Krankenhaus landete. Ich versuchte, die Krankheit mit ihr durchzustehen, aber es kam mir irgendwann so vor, als hätte ich gelernt, ihren Körper quasi zu recyceln, so makaber das auch klingt. Ich hörte nie auf, sie zu lieben, aber in Wahrheit war es so, dass ich 26 Jahre alt war und mich fühlte, als sei ich mit einer quasi 80-Jährigen zusammen.

Ich besuchte sie jeden Tag im Krankenhaus, aber ich war wirklich einsam in dieser Zeit. Und plötzlich erzählte mir ein alter Freund, der einige Jahre zuvor weggezogen war, dass er wieder in der Stadt wohnte. Wir trafen uns zum Abendessen, gingen noch zu ihm auf ein Glas Wein und landeten im Bett.


Als ich am nächsten Tag seine Wohnung verließ, habe ich mich komischerweise gar nicht schäbig gefühlt. Ich hatte keine Schuldgefühle und kein schlechtes Gewissen. Aber das änderte sich, als ich bei meiner Freundin im Krankenhaus ankam.

Davor hatte ich die ganze Zeit Angst. Angst davor, dass ich meine Freundin nicht mehr lieben würde, weil sie mir irgendetwas nicht geben konnte. Manchmal frage ich mich noch immer, was damals eigentlich in mich gefahren war und ob sie es jemals bemerkt hat.“


Alison, 34: "Manchmal habe ich ein schlechtes Gewissen, aber nur wegen der Lüge, nicht wegen des Sex."

"Es fing gar nicht körperlich an. Wir trafen uns bei einer Konferenz und es hat unmittelbar gefunkt. Es war gar nicht unbedingt romantisch, aber es gab sofort eine Verbindung. Er hat mich mit anderen Augen gesehen.

Einen Monat später trafen wir uns wieder. Ich hatte ihm die ganze Zeit noch gar nicht gesagt, dass ich einen Freund hatte, diesen Moment wollte ich solange wie möglich hinauszögern. Ich wollte es verzögern, weil ich so viel Spaß mit ihm hatte. Und das war anderer Spaß. Es war nicht besser oder schlechter als mit meinem Freund, es war einfach anders.

Als wir uns an diesem Abend trennten, wusste ich, ich will ihn wiedersehen. Er hatte mir in kürzester Zeit so viel gegeben, ich fühlte einen Boost. Er zeigte mir neue Sachen, weckte mein Interesse für die unterschiedlichsten Dinge und eben auch für ihn selbst.


Mittlerweile ist er ein fester Bestandteil meines Lebens. Wir haben gar nicht immer Sex. Manchmal knutschen wir nur rum, einmal sind wir im Sommer auch einfach schwimmen gegangen und lagen die ganze Nacht redend beieinander.

Zwischendurch, wenn ich darüber nachdenke, fühle ich mich schlecht, weil ich meinen Freund belüge. Aber das war es auch schon. Ich habe kein schlechtes Gewissen weil da noch jemand anderes ist. Auch, wenn ich weiß, dass es aus und vorbei wäre, wenn mein Freund alles herausfinden würde. Darüber hatte ich nämlich auch schon nachgedacht: Vielleicht mache ich das alles, weil ich eigentlich meine Beziehung beenden will? Aber das möchte ich gar nicht. Ich liebe ihn. Wir haben uns gerade verlobt. Ich will aber auch meine zweite Beziehung aufrechterhalten, weil sie mir einfach gut tut.“


Jenni, 31: "Er versagte als Ehemann, aber auch ich versagte als Ehefrau. Ich war kein Opfer; denn dazu gehören immer zwei.“

"Die Leute in meiner Heimatstadt sind der Meinung, mein Ehemann und ich hätten uns scheiden lassen, weil ich mich neu verliebt hätte. Sie schauen deshalb noch immer auf mich herab. Es ist traurig, und es war auch gar nicht so, wie sie denken, aber im ganzen damaligen Kontext war es verständlich.


Unsere Beziehung war schrecklich; mein Leben war schrecklich. Daran war nicht nur er schuld, aber die Verantwortung trage auch nicht ich allein. Ich war krank, hatte Angststörungen. Jeden Tag, über sechs Monate hinweg, wachte ich mit Panikattacken auf. Wir waren arm und einer von uns hat immer gearbeitet.

Ich brauchte es, gebraucht zu werden. Auf einer bürointernen Feier betrank ich mich irgendwann ganz klassisch mit einem Kollegen und am Ende des Abends landeten wir im Bett. Er kannte meine Situation, wir haben uns den ganzen Abend über sehr gut verstanden und hatten Spaß. Das legitimiert natürlich nichts; ich war kein Opfer. Aber es gehören immer zwei dazu: Es war eine schlechte Ehe; er hatte als Ehemann versagt, ich als Ehefrau."


Beth, 29: "Ich habe ihn zwar körperlich betrogen, aber nicht emotional."

"Ich traf ihn als ich wirklich bereit war für eine feste Beziehung. Ich war einige Zeit mit ein paar Männern ausgegangen, aber da war nie wirklich etwas Ernstes dabei. Er war der perfekte Mann für mich. Er war nett, zärtlich, gutaussehend; ein Typ, den man direkt den Eltern vorstellen will. Wir verliebten uns schnell und alles lief großartig – außer im Bett.

Er hatte vor mir nur eine Frau gehabt und das merkte man. Ich versuchte lange Zeit, dies als unsere ganz eigene Form von Intimität anzunehmen. Aber schon ein paar Monate nachdem wir zusammen gekommen waren, besuchte mich ein alter Freund, der zu dem Zeitpunkt in einer anderen Stadt wohnte. Die Spannung zwischen uns war kaum auszuhalten – am Ende des Abends schliefen wir miteinander.

Ich habe es meinem Freund nie erzählt. Es war unehrlich, aber wir befanden uns sexuell einfach an komplett unterschiedlichen Punkten in unserem Leben. Und ich wusste nicht, wie ich mit ihm darüber reden sollte.

Irgendwann trennten wir uns, jedoch aus anderen Gründen. Wir waren einfach zwei sehr unterschiedliche Menschen mit zwei sehr verschiedenen Auffassungen von Sexualität. Es hätte früher oder später sowieso enden müssen."

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