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7 Klischees, die Bisexuelle nicht mehr hören können

Trotz aller gesellschaftlichen Fortschritte gucken die viele Menschen immer noch wie ein Auto, wenn man erklärt, dass man sich nicht nur zu einem Geschlecht hingezogen fühlt. Unsere Autorin räumt mit den hartnäckigsten Vorurteilen zur Bisexualität auf.

Von Refinery29-Autorin Sophie Saint Thomas

Vorurteile: 7 Klischees, die Bisexuelle nicht mehr hören wollen

Bisexualität heißt, man fühlt sich einfach zu beiden Geschlechtern hingezogen; das eine schließt das andere nicht aus (Symbolfoto)

Das "B" in LGBTQI wird meist ignoriert. Wahrscheinlich liegt es daran, dass die "Bisexualität", für die das "B" steht, für Nicht-Bisexuelle ein Konzept ist, das man nur schwer durchdringt. Deswegen möchte ich ein wenig für Klarheit sorgen. Das fängt schon damit an, dass nicht jeder, der sich zu mehr als einem Genderkonzept hingezogen fühlt, notwendigerweise bisexuell sein muss – vielleicht ist er auch pansexuell oder einfach queer. Manche bezeichnen sich auch als queer und bisexuell – ich zum Beispiel.

Man fühlt sich einfach zu beiden hingezogen, das eine Geschlecht schließt das andere nicht aus.

1. Bisexualität = Promuskuität

Natürlich verdoppeln sich dadurch rechnerisch die Optionen, was sich in der Realität ganz und gar nicht in einer Vervielfachung der Sexpartner ausdrückt. "Nur weil mehr Menschen in Frage kommen, heißt das noch lange nicht, dass man sich auf alle einlässt", sagt die Sextherapeutin Dr. Kelly Wise

2. Bisexuelle können nicht monogam leben

Ähnlich absurd ist die Annahme, alle Bisexuellen seien polygam. "Es ist ein bisschen so, als würden die Leute Bisexualität mit Polyamorie verwechseln", erklärt Dr. Wise. Dabei ist es so: Die Begriffe Polyamorie und Polygamie beziehen sich auf Menschen, die mit mehr als einer Person in einer Beziehung sind. Das kann aber grundsätzlich jeder, dazu muss man nicht bisexuell sein.

3. Bisexuelle wollen Aufmerksamkeit

Es gibt diesen stereotypen Traum von zwei knutschenden Teeniemädchen, der einen Rattenschwanz von Konsequenzen nach sich zieht: Das machen die nur, um die Blicke von Typen auf sich zu lenken. Was natürlich vollkommen falsch ist. Die knutschen einfach, weil sie es gerade wollen, was aber nicht bedeutet, dass sie an einem anderen Ort an einem Tag nicht auch mit einem Typen knutschen würden. Das gilt im Übrigens auch für Jungs. Bisexuelle fühlen sich zu mehr als nur einem Geschlecht hingezogen. Punkt. Aus. Ende. Sie wollen nicht mehr und nicht weniger Aufmerksamkeit als jeder andere auch.

4. Bisexualität ist nur eine Phase

Ist sie nicht. Bisexualität ist eine reale, valide sexuelle Orientierung. Es ist kein Experiment, keine Phase und keine Vorstufe zur Homosexualität, keine Tür, die man sich zur Heterosexualität offen hält. Natürlich kann sich die sexuelle Identität auch entwickeln, deshalb jedoch pauschal anzunehmen, alle Bisexuellen befänden sich "auf dem Weg" ist schlicht nicht wahr.

5. Bisexuelle lieben Dreier

Oh Mann, was für ein Klischee! Man erzählt jemandem, man sei bisexuell und hört als erstes: "Wow, das ist hot! Bock auf einen Dreier?" Auch wenn ernüchternd klingen mag, aber Bisexuelle sind nicht ständig auf Dreier aus, womit wir aber gegen die sexuelle Praxis des Dreiers nichts gesagt haben wollen.

6. Wenn man eine monogame Beziehung führt, ist man nicht mehr bisexuell

Noch einmal: Bisexualität bedeutet nicht, dass du mit zwei Menschen gleichzeitig zusammen sein musst. Du kannst, aber du musst nicht. Das heißt abschließend eben auch, dass meine Bisexualität nicht einfach Vergangenheit ist, wenn ich mit einem Menschen des anderen Geschlechts zusammen bin. "Die Identität ändert sich nicht anhand des Partners", sagt auch Dr. Wise noch einmal klipp und klar.

7. Bisexuelle denken nur in binär-geschlechtlichen Strukturen

Nur weil in "bisexuell" auch "bi" steckt, heißt das nicht, dass ich als bisexuelle Cis-Frau nur mit Cis-Männern und -Frauen schlafen würde. Das "bi" bezieht sich nämlich nicht nur auf binär, sondern ist ein lateinisches Präfix für zwei. Ohnehin stammt der Begriff ja aus einer Zeit, als man es noch nicht für eine gute Idee hielt, Leute mit einer Dur-Tonart zu bezeichnen. Je mehr man über die Sache nachdenkt, desto klarer wird, dass Begriffe in dieser Angelegenheit sowieso nie zufriedenstellend greifen. Doch als Merksatz gilt: Wer sich von mehr als einem Geschlecht angezogen fühlt, muss dadurch nicht automatisch seine eigene Identität mitdefinieren.


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