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Interview

Leila Lowfire und Ines Anioli : Die Mädels von "Sexvergnügen" über erfolglose Befriedigungsversuche und Emojis beim Sexting

Zu Beginn einer Beziehung läuft alles noch unter Experiment. Die beste Zeit also, sich zu sagen, was im Bett nicht so funktioniert! In ihrem Podcast "Sexvergnügen" reden Leila Lowfire, 24, und Ines Anioli, 31 gegen unsere Sprachlosigkeit an - von Analverkehr bis zu vergeblichem Zungeneinsatz.

Hat euch schon mal ein Mann, den ihr eigentlich gar nicht besonders toll fandet, ins Bett gequatscht?

Leila: Das passiert uns dauernd. Es gab neulich einen, den ich zwar mochte, aber als Sexpartner überhaupt nicht auf dem Schirm hatte. Und dann redete er plötzlich so extrem überzeugend über seine Bettqualitäten und fragte irgendwann einfach, wann wir denn nun zu mir gehen würden da dachte ich: Okay, klingt einleuchtend, jetzt mit ihm abzuhauen.

Ines: Für mich wäre das nichts, ich brauche immer so ein bisschen Vorlauf. Aber wenn die Basis stimmt und er so dominant ist, kann es schon passieren, dass ich mitgehe.

Leila Lowfire, 24 (r.), und Ines Anioli, 31

Leila Lowfire, 24 (r.), und Ines Anioli, 31 standen auf der letzten NEON-Party mit ihrem Sextalk live auf der Bühne. Ihren Podcast kann man nachhören unter: mitvergnuegen.com/podcastsexvergnuegen.


Und dann seid ihr mit ihm zu Hause, und er macht etwas, das ihr nicht besonders angenehm findet oder worauf ihr einfach nicht steht. Sprecht ihr das direkt an, auch wenn dann vielleicht die Stimmung hinüber ist?

I: Ich lasse die Dinge leider oft über mich ergehen. Auch wenn ich merke, ich komme einfach nicht, täusche ich lieber einen Orgasmus vor, als abzubrechen und zu sagen: Du, das wird heute nichts mehr.

L: Aber du bestärkst doch die Typen dann in dem, was sie falsch machen.

I: Das muss ja gar nicht für alle Frauen falsch sein, nur weil ich damit nichts anfangen kann. Zumal ich in den letzten Jahren gemerkt habe, dass mir am Anfang häufig Dinge nicht gefallen, weil ich gedanklich noch an der Art Sex hänge, die ich davor hatte. Aber nach einer Weile, wenn ich mich mehr drauf einlasse, gefällt es mir dann doch.

L: Ich finde Frauen, die Orgasmen vortäuschen, richtig schlimm. Mir ist das direkte Ansprechen viel lieber, als da rumzuliegen und Spaß vorzutäuschen. Das ist doch auch dem Mann gegenüber respektlos.

Wie genau sprichst du es an?

L: Erst mal körperlich, indem ich mich, wenn der Typ mich zum Beispiel leckt oder fingert, leicht abwende, wenn etwas nicht gut ist, oder lauter werde, wenn ich’s toll finde. Und wenn das nicht hilft, kann ich’s schon auch ansprechen. Meist versuche ich es mit Humor. Wenn mich zum Beispiel jemand fragt, ob wir’s nicht spanisch machen wollen, sag ich zum Beispiel: Ja, voll gern, das ist ja genau mein G-Punkt, diese Stelle zwischen den Brüsten.


Es wird ja auch nicht gerade unkomplizierter, wenn man am Anfang aus Unsicherheit oder Höflichkeit so tut, als würde man alles toll finden, Wochen später aber plötzlich sagt: Hör mal, was du da die ganze Zeit mit der Zunge machst, ist ja lieb gemeint, bringt mir aber leider gar nichts.

L: Eben. Klar ist es eine Überwindung, aber am Anfang kann es gar nicht so verletzend sein, weil doch beide wissen, dass man eh erst in der Experimentierphase ist.

I: Na ja, ich finde, da muss man schon unterscheiden. Ich werde zum Beispiel gerne geleckt. Wenn sich jemand beim ersten Mal nicht so übergeil anstellt, finde ich es besser, ihm beim nächsten Mal zu sagen: "Übrigens, ich fänd’s toll, wenn du noch das und das machen könntest", als direkt abzubrechen. Wenn man aber, wie du, Leila, generell nicht darauf steht, ist es natürlich schlauer, das schon beim ersten und nicht erst beim fünften Mal anzusprechen.

L: Es gibt schon Leute, bei denen ich es cool finde, aber das ist eben die Ausnahme. Und ich will den anderen keine Zeit verschwenden lassen. Ich habe ja ab und an auch was mit Frauen und weiß, wie superanstrengend das Lecken ist.

I: Was für mich mittlerweile viel wichtiger ist als dieses "Bin ich jetzt gekommen oder nicht?" ist der hygienische Aspekt. Hab ich früher gar nicht besonders drauf geachtet. Wenn mir heute jemand seinen Finger in den Arsch steckt, sage ich sofort: "Okay, mit dem Finger kannst du jetzt nicht mehr in meinen Truthahn" - so nenne ich meine Scheide. Oder wenn ich merke, er will mir gerne das Arschloch lecken, sag ich halt auch: "Ey Digga, ich war heute noch nicht scheißen, ich fühl das jetzt gerade gar nicht." Oder, harmloseres Beispiel, ich bin beim Sex nicht so gerne oben, weil ich das anstrengend finde. Da bin ich schon recht straight.

Es ist leichter, über sich zu sprechen als über die Fähigkeit des anderen.

L: Ist ja auch nicht so, dass wir keine Angst hätten, den anderen zu verletzen. Die habe ich total, schon weit vor dem Sex. Ich lasse mich regelmäßig aus ersten Dates retten.

I: War das nicht gestern erst wieder so?

L: Ja! Richtig klassisch mit einer Freundin auf dem Klo schreiben, sie solle 20 Minuten später anrufen. Und dann der typische Monolog: "Was sagst du? Oh Gott, das klingt ja schlimm. Nee klar, ich mach mich sofort auf den Weg."

I: Das wäre mir peinlicher, als einfach nach dem Date zu sagen: Du, das war wirklich schön, aber von meiner Seite aus passt es eher nicht.

L: Zumal genau dieses Gespräch ja trotzdem noch geführt werden muss. Er will sich nämlich jetzt wieder treffen. Und so ist das mit allen Sachen, die man nicht ausspricht: Man schiebt sie nur auf. Oder muss für immer mit ihnen leben.

Würde es vielleicht helfen, direkt beim ersten Date von seinen Vorlieben zu erzählen, also eine Art Gebrauchsanweisung von sich zu liefern?

L: Nee, das wäre ein totaler Leidenschaftskiller. Man verbaut sich dadurch doch alles. Ich mag mit manchen Männern Sachen, die ich mir mit anderen gar nicht vorstellen kann.


I: Ich hatte das in letzter Zeit leider häufig, dass ich mit Typen, mit denen ich noch gar nicht geschlafen habe, sehr viel über Sex gesprochen habe. Man baut eine so große Fantasie und damit natürlich auch Erwartung auf, dass man eigentlich nur enttäuscht werden kann. Plus: Mich setzt das total unter Druck. Ich hab dann diesen ganzen Katalog von Dingen im Kopf, die er geil findet, und das Gefühl, das alles abarbeiten und gut performen zu müssen.

L: Das ist ja auch das große Missverständnis, dass wir, weil wir in unserem Podcast dauernd über Sex reden, auch sonst nur dieses eine Thema haben.

I: Ich habe damit regelrecht enttäuscht. Die dachten, ich hab alle Tricks der Welt drauf. Und dann lieg ich da und sage: "Du, anal ist nicht, und auf Obensitzen hab ich auch keinen Bock. "

Was waren die merkwürdigsten Sätze, die ihr im Sex-Kontext bisher gehört habt?

L: Da gab es schon einige, aber selbst, wenn sie komisch sind, finde ich es schön. Ich mag’s, wenn Männer beim Sex kleine Ticks haben.

I: Was denn für Ticks?

L: Ich hatte zum Beispiel mal was mit einem Typen, der dabei immer Sachen vor sich hin gemurmelt hat.

I: Im Sex-Kontext oder ganz anderes Zeug, Einkaufslisten oder so?


L: Nee, schon Sex-Vokabular, ziemlich versaut auch. Aber er war sonst eher angespannt, und wenn es so weit war, dass er angefangen hat zu reden, wusste ich: Ah, jetzt lässt er sich gehen!

Also ist Sex-Talk immer eine gute Idee?

I: Ich stöhne beim Sex gerne und laut, aber an Dirty Talk habe ich überhaupt kein Interesse. Auch wenn ich weiß, dass es viele Männer anmacht, wenn man zumindest mal ihren Namen stöhnt, weil das irgendwie noch mehr Bestätigung ist.

L: Mich kann’s auch total abtörnen. Ich hatte mal was mit einem Typen, der immer "Whose bitch are you?" gebrüllt hat und echt possessiv gegenüber meiner Vagina war. Er sagte immer wieder: "Das ist jetzt meine." Fand ich unangenehm.

Vielleicht kann man solche Sachen auch über Eck ansprechen, also nicht direkt auf den anderen bezogen?

I: Ich glaube, so viel Transferleistung bringen die meisten Menschen nicht auf, wenn es um ihr eigenes Sexleben geht. Da sind wir ja alle irgendwie sensibel, weil wir fürchten, nicht gut genug zu sein. Und trotzdem ist die Direktheit wichtig. Ich hatte das neulich mit einer Freundin, die sauer auf ihren Freund war, ihm das aber lieber durch die Blume zu verstehen geben wollte. Wir trafen uns zu dritt, und sie sagte: "Du, der Ines ist was echt Blödes passiert mit so einem Typen ..." und erzählte dann eigentlich ihre eigene Geschichte.


L: Und das hat er nicht begriffen?

I: Überhaupt nicht. Als sie fertig war, sagte er, er sei da ganz auf unserer Seite, der Typ spinne wirklich total. Und das ist doppelt doof, weil man dann ja schlecht sagen kann: "Übrigens, die Geschichte war ausgedacht, ich meinte eigentlich dich." Chance verpasst.

Wie spricht man über Verhütung?

L: Klar, direkt, ohne Umschweife.

I: Ich habe das Gefühl, dass viele Männer heute auch von sich aus auf Schutz achten. Aber es gab auch ein paar One-Night-Stands, da kam auf mein "Äh, stopp mal, wie wär’s denn mit einem Kondom?" bloß die Gegenfrage: "Nimmste nicht die Pille?"

L: Am schlimmsten ist es, wenn sie anfangen zu betteln. "Nur mal kurz reinstecken!" Da weiß man direkt: Das sagt der Typ jetzt garantiert nicht zum ersten Mal. Plus: Wenn du einmal ohne Kondom Sex hattest, ist es superschwer, beim nächsten Mal wieder auf eins zu bestehen. Verhütung ist in der Hinsicht echt eine Einbahnstraße. Das muss man durchziehen.

I: Und trotzdem kenne ich so viele schlaue, gut aufgeklärte Frauen, die’s ohne Gummi machen. Gerade, auch wenn das nach dem größten Vorurteil klingt, außerhalb der Großstadt. Ich komme ja ursprünglich vom Land, und wenn ich die Geschichten meiner Freundinnen höre, da wird vielleicht nicht so viel rumgehurt wie in Berlin, aber ...

L: ... man teilt sich so ’ne Viruserkrankung gerne großzügig untereinander auf.

I: Ja, wirklich!

L: Schweißt ja auch zusammen, irgendwie.

I: "Weißt du noch, der Sommer 2008, als wir alle HPV hatten?"


Macht ihr Sexting? Und wenn ja, welcher Kanal ist da der beste? SMS schreibt man ja eigentlich nur noch mit seinen Eltern. Bei Whatsapp ist es auch schwierig, wenn parallel die ganze Zeit andere Chatfenster aufploppen.

I: Zumal es irgendwie seltsam rüberkommt, wenn der Typ gerade schreibt, er sei kurz vorm Kommen, sieht, dass du online bist aber nicht sofort blaue Haken hinter seiner Nachricht. Dann weiß er ja, dass du mit anderen schreibst.
L: Mir sind Sprachnachrichten lieber.

I: Finde ich grundsätzlich auch besser, neulich habe ich aber in der Badewanne mit einem Typen welche hin- und hergeschickt, und während er meine abgehört und eine eigene aufgenommen hat, spielte die Shuffle-Funktion plötzlich die No Angels. Das hat mich irgendwie sehr runtergebracht.

Gibt’s okaye Emojis für Sextalk?

L: Feuer und Wasserspritzer.

I: Ich benutze immer den Truthahn und die Wasserspritzer. Oder Aubergine, Maiskolben, Banane als Penissymbole.

L: Booty-Call ist bei mir: Pfirsich, Telefonhörer, Fragezeichen. Aber grundsätzlich ist mir Facetimen noch am liebsten.

Da sind wir dann beim nächsten Thema. Nacktbilder: immer eine doofe Idee?

I: Ja. Genau wie sich beim Sex zu filmen. Ich habe bis jetzt vielleicht zwei-, dreimal Nacktbilder verschickt. Das waren dann aber auch Menschen, denen ich komplett vertraut habe. Mir sind schon Fälle erzählt worden, in denen die Typen nach der Trennung die Bilder ausgedruckt und an die Väter der Frauen geschickt haben. Das bisschen Spaß und Selbstbestätigung ist es am Ende nicht wert.

L: Für mich ist das was anderes, ich bin ja seit vielen Jahren Nacktmodel, da wäre es irgendwie seltsam, wenn ich es privat total eng sehen würde.

Warum ist das nun also so, dass wir im öffentlichen Reden über Sex so locker, im eigenen Bett aber so gehemmt sind?

I: Ich empfinde es gar nicht als so unbeschwert. Natürlich habe ich Freundinnen, mit denen ich hier und da mal über Sex rede. Aber so richtig detailliert wird es nicht. Niemand spricht darüber, dass ihm ein Muschifurz rausgerutscht ist oder der Typ einen krummen Schwanz hatte.

L: Damit das normal wird, reden wir so offen und stellen uns dabei auch noch vor ein Mikrofon.

Wurdet ihr denn zum offenen Sprechen über Sex schon erzogen, oder war das in eurer Familie eher ein Tabu?

L: Ich bin früh von zu Hause ausgezogen, da war nicht viel mit sensibler Aufklärung. Umso wichtiger finde ich, dass ich heute relativ offen über das Thema spreche. Ich empfinde das als einen Akt der Freiheit. Und auch als Möglichkeit, sich näherzukommen.

I: Ich weiß noch, dass meine Mutter mehrere Anläufe genommen hat, Sex irgendwie locker einzuflechten in Gespräche. Einmal kamen wir an einer Weide vorbei, auf der ein Esel mit erigiertem Penis stand, an dem ein anderer Esel rumleckte. Ich fand das supereklig, meine Mutter sagte nur: "Ja, Ines, wenn du irgendwann mal einen netten Jungen triffst, wirst du das vielleicht auch machen." Ich: "Auf gar keinen Fall!" Tja, und heute ...


Den Podcast der beiden kann man nachhören unter: mitvergnuegen.com/podcastsexvergnuegen.


Dieser Text ist in der Ausgabe 11/17 von NEON und auch digital für das Tablet auf iOS und Android erschienen. Hier können Einzelhefte des Magazins nachbestellt werden.

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