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Es braucht ein bisschen Mut: Unzufrieden mit dem eigenen Leben? Diese Psychologin weiß, was zu tun ist

Unser Autor fühlt sich manchmal, als würde sein Leben in tausend Sackgassen enden – also hat er sich mal informiert und ein paar wichtige Informationen gesammelt. 

von Sebastian Goddemeier

Leben heißt Entscheiden. Wenn das doch nur ein bisschen einfacher wäre …

Es heißt: viele Wege führen nach Rom. Aber welcher ist deiner?

Der amerikanische Autor John Strelecky fragt in seiner berühmtesten Erzählung "Das Café am Rande der Welt" explizit nach dem Zweck der eigenen Existenz: Warum bist du hier? Hast du Angst vor dem Tod? Führst du ein erfülltes Leben?

Drei Fragen, die den Leser an seine innersten Wünsche und seine "Bestimmung" führen sollen. Klingt nach viel Arbeit – ist es zugegebenermaßen auch. Nicht nur für die Protagonisten seines Romans, auch für den Leser von Streleckys Werk verändert sich so einiges. Beim Lesen beschäftigt man sich zwangsläufig mit sich selbst und dem eigenen Werdegang.

Diese drei Fragen nach dem Zweck der Existenz, sind Fragen, um die ich persönlich gerne einen großen Bogen geschlagen habe. Mit 24 Jahren holten mich meine eigenen Wünsche jedoch ein – und die hatten nicht viel mit meinen bisherigen wirtschaftlichen Zielen zu tun und warfen meine ganzen, schön zurechtgelegten Pläne über den Haufen. Na toll!


Was mir John Strelecky über mein eigenes Leben beibrachte

Die Erzählung kurz zusammengefast: John Strelecky beschreibt in "Das Café am Rande der Welt", dass die meisten Menschen nicht das tun, was sie wirklich wollen, sondern das, was von ihnen erwartet wird. Kurz gesagt: Wir gehen den einfachsten Weg. Wer nicht aneckt, der muss auch keinen Widerstand leisten. Dazu kommt noch, dass viele Menschen einen omnipräsenten Wunsch nach Konsum verspüren, um sich für die geleistete Arbeit zu belohnen. Je mehr wir dieser Arbeit, die wir nicht wollen, nachgehen, desto mehr konsumieren wir – quasi als Ausgleich, um die eigentliche Unzufriedenheit nicht zu spüren.

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Trau dich, mehr zu wagen. Das ist häufig leichter gesagt, als getan. 


"Bringt es Sie Ihrer Erfahrung nach Ihrem Zweck der Existenz näher, wenn Sie tun, was die meisten Menschen tun?", fragt der Autor beispielsweise. Natürlich nicht. Aber es ist verdammt schwer, immer auf sich selbst zu hören und genau zu fühlen, was sich gut anfühlt. Immerhin gehört dazu auch, dass man sich Schwächen eingestehen muss und auf Konfrontationen stößt. "Nein, ich möchte dieses Projekt nicht mehr machen. Dieser Job macht mich unglücklich, ich brauche was anderes." Mit einer Veränderung geht jedes Mal auch ein Abschied und eine Ungewissheit in der Zukunft einher. Außerdem locken an jeder Ecke süße Versuchungen, die einfache Wege und Abkürzungen versprechen – die allerdings in enden.

Du bist ein Sohn, ein Student, ein Arbeitnehmer, ein Freund, ein , ein Enkel, ein Kollege …

Mit dieser Aussichtslosigkeit hat sich Psychologin Anne Brandenburg beschäftigt: "Wenn man merkt, dass man etwas tut, das einen nicht glücklich macht, führt das oft zu einer Identitätskrise. Bezogen auf die Frage 'wer bin ich' kann die Rollentheorie aus der Soziologie helfen. Als Mensch erfüllt man meist viele verschiedene, entweder selbst gewählte oder vorher bestimmte Rollen, zum Beispiel bist du ein Sohn, ein Student, ein Arbeitnehmer, ein Freund, ein Bruder, ein Enkel, ein Kollege und so weiter. Zu jeder Rolle hat man seine eigenen Vorstellungen, wie man sich selbst als Sohn, Freund, Arbeitnehmer verhalten und sein sollte. Dann geht es darum, in all diesen Rollen einen gemeinsamen Nenner zu finden. Und das ist dann das 'Ich'."

Bin ich auf mich gestellt?

Das ist oft jedoch leichter gesagt als getan. So ziemlich jeder Mensch hat jemanden in seinem Leben, der es mit seinen Tipps und Ratschlägen gut meint, die allerdings vom eigentlichen Ziel wegführen. Das können Eltern, Freunde oder Kollegen sein. Oft vergisst man als Individuum, dass Außenstehende gar nicht wissen können, was wirklich das Beste für einen ist, dass der einfache oder scheinbar beste Weg nicht auch der richtige ist. Man ist mit solchen Entscheidungen letzten Endes auf sich selbst gestellt. Oder?


"Das kommt ganz darauf an, welche Ziele man hat. Wenn da jemand im eigenen Umfeld ist, den man bewundert, und dem man nacheifern möchte, kann schon imitiert werden. Ansonsten ist das Leiten lassen von anderen eher nicht ratsam", erklärt Anne Brandenburg. Dafür hat die Psychologin selbst drei Fragen formuliert, mit denen man seine Ziele und Wünsche erkennen kann.

1. Schreibe dir einen Brief aus der Zukunft: Wo möchtest du in deinem Leben sein? Lasse ruhig deine Fantasie spielen, diese kann mehr über deine Wünsche verraten, als dir vielleicht bewusst ist.

2. Suche dir positive Vorbilder, die dort sind, wo du einmal sein möchtest. Wie sind sie dort angelangt?

3. Werde dir aussichtsloser Situationen in deinem Leben bewusst und versuche sie zu ändern (Job, Beziehung, etc.). Stell dir vor, dir werden keine negativen Konsequenzen widerfahren. Was würdest du tun?


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