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Rap: Wie Kendrick Lamar Macklemore indirekt zum Nischen-Rapper machte

Macklemore ist zurück. Am Freitag hat der Rapper seine neue Platte "Gemini" herausgebracht. So wirklich mitbekommen haben es die wenigsten. Unser Autor glaubt zu wissen, woran das liegt.

Die Rapper Macklemore und Kendrick Lamar auf einem Bikd

Macklemore (l.) hat am Freitag sein Album "Gemini" veröffentlicht. So wirklich hat es aber kaum jemand mitbekommen. Der Grund ist indirekt Kendrick Lamar.  

Es ist Track zwei des neuen Albums. Die US-amerikanische Sängerin Skylar Grey singt, begleitet von Klavierakkorden und Chor, gefühlvoll den Ohrwurm-lastigen Refrain: "Ich fühle mich prächtig/ Habe eine Chance noch einmal neu anzufangen/ Dafür bin ich geboren." "Glorious", so heißt die Nummer im Original, war Anfang Juni die erste Single-Auskopplung aus Macklemores neuem Album "Gemini". Ein typischer Song des Rappers aus Seattle – Hitpotienzial und tanzbar. Doch so wirklich weit oben landete er damit nicht in den weltweiten Charts. Auch das Release seines Albums am Freitag ging irgendwie unter. Man hat das Gefühl, als sei er nicht mehr der Jedermannsrapper.

Instagram-Post von Bow Wow mit seinem angeblichen Privatjet


Dabei ist es gar nicht so lange her, da war es völlig egal, welchen Radiosender man gehört hat. Es klang immer gleich: "Alright. Okay. Alright. Okay.", "What. What. What. What." oder "Ooh, leah, ooh, leah, ooh, leah". Vor vier, fünf Jahren liefen diese Songs rauf und runter. Ohne Witz. Denn genau so beginnen die großen Hits von Rapper Macklemore: "Can't Hold Us ("Alright. Okay. Alright. Okay."), "Thrift Shop" ("What. What. What. What.") und "And We Danced" ("Ooh, leah, ooh, leah, ooh, leah").

Der Mann aus Seattle schaffte es Ende 2012 zusammen mit seinem Kumpel und Produzenten Ryan Lewis, jeden mit seiner Musik zu begeistern. Der Mainstream fand Rap auf einmal cool und selbst die Anti-Mainstream eingestellte Hip-Hop-Szene feierte Ben Haggerty, wie Macklemore mit bürgerlichem Namen heißt. Haggerty war plötzlich jener Jedermannsrapper. Die Songs verkörperten Zeitgeist und hatten dazu noch eine Message. Die Folge: Millionen Radioplays, Millionen Streams bei YouTube und Spotify und Millionen verkaufte Tonträger.

Als die beiden dann noch Anfang 2014 vier Grammys abstaubten, waren sie endgültig am Höhepunkt ihres Schaffens angekommen. Zumindest dachten das viele. Schließlich ist der Grammy die wichtigste musikalische Auszeichnung, die ein Künstler gewinnen kann. Im Nachhinein stehen die Grammy Awards von 2014 aber für den Wendepunkt einer Karriere, die eigentlich gerade erst begonnen hatte.

King Kendrick Lamar – und dann gewinnt dieser Weiße aus Seattle

In der Kategorie "Best Rap Album" war Macklemore mit seinem Album "The Heist" einer von fünf Nominierten. Im Vergleich zu seinen Konkurrenten war er ein Unbekannter. Denn seine Mitnominierten waren keine Geringeren als Jay-Z, Kanye West, Drake und der aufsteigende Kendrick Lamar. Letzterer galt als der große Favorit. Schließlich wurde sein Album "Good Kid, M.a.a.d. City" von allen Fachblättern der Musikwelt mit positiven Bewertungen gelobt. Doch am Ende gewann Mack zusammen mit Ryan Lewis.

Auf einmal war er nicht mehr Everybody's Darling, sondern derjenige, der King Kendrick Lamar seinen Grammy geklaut hat. Das konnte und wollte Macklemore natürlich nicht auf sich sitzen lassen. Deswegen schrieb Macklemore eine SMS an Lamar, in der er unter anderem behauptete, dass dieser ihn beklaut habe. Anschließend veröffentlichte er sie bei Instagram. Womit er sich allerdings noch unbeliebter machte. "Diese beschissene Nachricht war richtig Wack", sagte Drake vom "Rolling Stones Magazine" darauf angesprochen. Was Haggerty dabei völlig vergaß, war, dass er ihm seinen Award nicht geklaut, sondern einfach nur gewonnen hatte.


Macklemore – ein Pop-Rapper, der auf einmal Nische ist

Ein Jahr lang zog er sich zurück. Dann kam sein Album "This Unruly Mess I've Made" heraus – das er wieder zusammen mit seinem Kumpel Ryan Lewis produziert hatte. Aber im Gegensatz zum Vorgänger wirkte es nicht mehr so frei, so zeitgemäß, stattdessen behandelte er in seinen Songs Themen wie Rassenkonflikte oder systematische Bevorzugung von Weißen. Er rappte über jenes Thema, das bei den Grammys in den Fokus rückte. Schlecht war's nicht, dennoch gewann man den Eindruck, dass er sich dadurch verlor – also seinen eigenen Stil. Das sahen die Fans ebenso, aus kommerzieller Sicht floppte das Album.

Nun ist Macklemore zurück – mit seinem neuen Album "Gemini". Nur ist dieses Mal alles anders. Er arbeitete nicht mit seinem Kumpel Ryan Lewis zusammen. "Ryan ist einer meiner besten Freunde. Aber ich wollte mal was Neues machen", nannte er dem "Rolling Stone Magazine" als Grund für sein Solo-Projekt. Und wenn man das Album hört, ist es genau das – etwas Neues. "Ich wollte einfach mal Musik machen, die man hört. Nicht politisch oder gesellschaftskritisch", so Haggerty. Egal ob in "Marmalade", wo es ums Durch-die-Stadt-Cruisen geht oder in "Firebreather", in dem er seinen Kritikern den literarischen Mittelfinger zeigt. Es bringt wieder Spaß Macklemore zuzuhören, weil es mehr um die Musik geht als um politische Themen. Die Deutsche Presse Agentur trifft es ganz gut, wenn sie schreiben: "Rap, um des Raps willen."

Macklemore hat zu sich gefunden. Nur kriegt es kaum jemand mit, weil er  es aufgab, der Jedermannsrapper zu sein. Indirekt ist Kendrick Lamar daran Schuld. So bleibt der Mack erst einmal ein Nischen-Rapper. 

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