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Besuch beim Urgroßonkel : Lebensweisheiten und lauwarmer Kaffee: Warum ich so gerne im Altersheim abhänge

Seit drei Jahren besucht unsere Autorin regelmäßig ihren Urgroßonkel im Altersheim – und führt Gespräche, die ihr hinterher keiner glaubt: Wie einen ein alter Mann regelmäßig in Schweißausbrüche versetzt und was einen 104-Jährigen so richtig zum Lachen bringt.

Ein älterer Herr hält einen Gehstock

Seniorenheim muss nicht gleich Langeweile bedeuten. Es gibt Skat-Runden, Schachclubs und Faschings-Partys.

"Ja bitte?", krächzt es ins Telefon.

"Ich bin's", brülle ich.

"Halloooo?", bekomme ich als Antwort.

"Hier ist Juuuuleeee", die Leute an der S-Bahn-Station beginnen doof zu gucken.

"AAAACH JULE, gut, dass du anrufst! Bist du schon fast hier? Es ist dringend!"

Eigentlich habe ich meinen Urgroßonkel angerufen, um ihm zu sagen, dass ich ein paar Minuten später komme. Er und seine Kumpels aus dem Altersheim sind zwar alle fast blind, aber wenn das Kleid nicht gebügelt ist, sehen sie das irgendwie trotzdem immer.

"Ist alles in Ordnung?" Ich mache mir Sorgen. Immerhin ist der Mann 104, da kann schon ein Gang zur Toilette mit Knochenbrüchen enden.

"Es wäre wirklich gut, wenn du schnell hier sein könntest!" Vor meinem inneren Auge sehe ich ihn unter Schmerzen auf dem Badezimmerboden liegen. Oder vielleicht hat er sich verschluckt. Oder er hat Brustschmerzen. Oder er wurde überfallen!

Ich springe ins nächstbeste Taxi. Am Liebsten würde ich brüllen: "Folgen Sie dem Wagen!", aber das wäre albern. Und kontraproduktiv. Wer weiß, wo die hinwollen. Aber eilig habe ich es trotzdem! Jede Minute zählt!

Wir haben unterschiedliche Auffassungen von Dringlichkeit, mein Urgroßonkel und ich

Am Seniorenstift angekommen, schmeiße ich dem Fahrer das Geld entgegen und sprinte Richtung Eingang. Als ich an der Wohnungstür bin, steht sie offen. Mein Urgroßonkel sitzt bester Laune im Wohnzimmer. "Ach du bist hier, das ist ja prima! Dann können wir ja schon runter zum Essen."

Wir haben unterschiedliche Auffassungen von Dringlichkeit, mein Urgroßonkel und ich. Beispielsweise ruft er mich gern ein paar Tage vor unserem verabredeten Treffen bei der Arbeit an, um mir alles vorzulesen, was an diesem Tag auf der Mittagskarte steht. Das dauert, schließlich holt er dafür extra die dicke Lupe raus. Und auch wenn es total unnötig ist, weil wir eigentlich beide wissen, dass ich kein Fleisch esse und daher eh nur die vegetarische Option übrig bleibt, unterbreche ich ihn nicht – denn irgendwie ist es auch süß.

Wir sind definitiv die coolste Gang auf dem Kantinenflur

Wenn ich ihn auf dem Weg in den Speisesaal durch den Flur schiebe, kann ich seine Brust förmlich vor Stolz schwellen sehen und muss immer den Impuls unterdrücken, "They see me rollin'" anzustimmen. Ich hab sogar schon ein paar Freunde gefunden im "Restaurant", wie die Bewohner die Kantine optimistisch nennen. Da wäre das nette Pärchen, das immer die neuesten Sneaker trägt, schräg gegenüber, oder die Dame vom Tisch hinter uns, gegen die ich mal im Schach verloren habe und der letztens vor versammelter Mannschaft die Hose runtergerutscht ist. Hätte sie nicht weniger scheren können. Mein Großonkel hingegen hat sich beinahe scheckig gelacht.

Nach dem Essen gehen wir hoch und spielen eine Runde Schach. Er macht das jeden Tag. Seit fast 100 Jahren. Trotzdem gibt er mir das Gefühl, echte Konkurrenz zu sein und nennt mich ein "kleines Luder", wenn ich einen völlig unwichtigen Bauern schlage. Wenn er mich dann zum zighundersten Mal geschlagen hat, plaudern wir ein bisschen. Über sein Leben ("Ich war beim Frisör, ich sehe mindestens zehn Jahre jünger aus, hat die Frau gesagt") und über meins. Ob ich denn jetzt mal einen Freund habe, will er wissen. "Ich hab da wen kennengelernt", sage ich. "Schön", meint er, "aber sei vorsichtig, Männer sind alle Strolche" – die übelste Beleidigung in seinem Wortschatz – "erst bringen sie dir jeden Tag eine Rose und halten dir die Tür auf und dann müssen sie auf einmal beruflich wegfahren, aber eigentlich fahren sie zu Roswitha, denn die Roswitha, die ist feurig!" Wenn er ein paar Jahre jünger wäre, würde er mich mal "zum Tanzen ausführen". Soso. Später zu Hause frage ich meinen Freund, ob er eine Roswitha kennt. Kennt er nicht. Glück gehabt!

Die Sache mit der Technik

Als wir uns verabschieden, erwähne ich noch kurz, dass ich in den nächsten paar Tagen kein Handy haben werde, das muss in die Werkstatt. Aber wenn er etwas braucht oder mich erreichen will, soll er meine Mutter anrufen, die informiert mich dann. "Ah ja, mit diesem neuen Dings", sagt er mit wissendem Blick. Ich kann mir kaum vorstellen, dass er Facebook Messenger meint. "Was meinst du?", frage ich. "Das wo man das auf der einen Seite reinschreibt und dann kommt das sofort auf der anderen wieder raus." "E-Mail?" "Nein, das heißt anders …" Er meint doch wohl nicht … "Fax?", frage ich unsicher. "JA! GENAU! FAX!" Manchmal könnte ich ihn knutschen.

Süßes Rentnerpaar im Restaurant: Fürs Rumalbern ist man nie zu alt
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(