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So wird das nix: Das ist der endgültige Beweis, dass wir alle bald keinen Sex mehr haben werden

Bevor wir uns hier falsch verstehen: Unsere Autorin findet das Thema Einvernehmen in Sachen Sex unheimlich wichtig. Aber sie ist auch der Ansicht: So langsam nimmt das Ganze schräge Ausmaße an.

Keine Lust auf Sex.

Tote Hose im Bett? Das könnte bald traurige Realität werden. 

Stellen wir uns folgende Situation vor: Du befindest dich auf einem Date. Alles läuft gut. Ihr habt nett gegessen, geplaudert, vielleicht ein bisschen getrunken. Die Funken fliegen und die Luft zwischen euch brodelt nur so vor sexueller Energie. Schließlich entschuldigt sich dein Date, um mal kurz auf die Toilette zu verschwinden. Wie man das so macht, holst du dein Handy heraus, um die Zeit zu überbrücken und bekommst eine Nachricht: "XY möchte mit dir Geschlechtsverkehr haben. Stimmst du dem zu?" CHLURP. Das ist das Geräusch, mit dem sich deine Geschlechtsorgane so tief in den Körper zurückziehen, wie es nur irgend möglich ist. Richtig? Kaum etwas ist weniger sexy als eine Sex-Anfrage per App. Und doch hat eine holländische Firma genau das erfunden.

App bietet den Vertrag zum Sex

"LegalFling" heißt die App. Ihre Erfinder suchen zur Zeit im Internet nach Spendern für ihr Projekt, um sie dann auf den Markt bringen zu können. Mit der App können potenzielle Sexualpartner eindeutige Zustimmung zum Akt voneinander bekommen. Und damit nicht genug: Sogar genaue Vorlieben können schriftlich festgehalten werden. Ja, Fotos sind für mich okay. Nein, BDSM ist nicht so mein Ding. Das Ganze wird betitelt mit: "Vertragsübersicht. Unten siehst du eine Übersicht der Bedingungen, die dein Gegenüber hat. Bitte bestätige diese vor dem Akt." SEXY!

Screenshot aus der Legal Fling App

"Jake hätte gern dein Einverständnis für den Geschlechtsverkehr" – sexy geht anders.

 

Screenshot aus Legal Fling

Das Layout hat ein bisschen was von Tinder. Mit einem Kreuz, oder einem Herz, kann der Nutzer entscheiden, ob er mit Jake schlafen möchte.

Bevor wir uns hier falsch verstehen: Ich finde das Thema Einvernehmen in Sachen Sex unheimlich wichtig. Niemand sollte jemals zu etwas gezwungen werden, was er oder sie nicht machen möchte. Niemals. Aber eroddisch geht eindeutig anders.

Die schwedische Regierung hatte Ende 2017 einen eigenen Lösungsvorschlag: Vor dem Verkehr müssten beide Parteien eindeutige Zustimmung ihres Gegenübers einholen. Eindeutige Zustimmung könne hierbei sowohl eine "verbale Abmachung, als auch offensichtliches Bezeugen von Lust" sein, so der Gesetzesentwurf. Hiermit sollten nicht nur Missverständnisse verhindert, sondern auch, im Falle einer Vergewaltigung, die Beweispflicht von den Schultern des Opfers genommen werden. An sich ein lobenswerter Ansatz, aber wie viel "offensichtliches Bezeugen von Lust" ist offensichtlich genug?

Sollte Sex nicht analog bleiben?

Eine Lösung für diese Problematik zu finden, ist wichtig. Zu häufig nehmen Menschen Alkohol und Drogen als Ausrede, um Einvernehmen vorzutäuschen. Zu häufig fallen die Worte: "Ich dachte du wolltest es auch." Aber eine App, über die alle Details bereits im Vorhinein vertraglich festgehalten werden, die zwei Menschen eigentlich miteinander entdecken sollten, scheint mir nicht die Lösung zu sein.

Digitalisierung hin oder her, aber ich enthalte mich lieber ganz, als über Push-Notifications darüber informiert zu werden, dass jemand mit mir in die Kiste will. 

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