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Meinung

#Girlboss: Zu nett, zu solidarisch: Sollten Karrierefrauen sich mehr wie Männer verhalten?

Frauen haben es in der Arbeitswelt schwer genug. Jetzt sollen sie auch noch aufhören, sich gegenseitig zu unterstützen und ihre moralischen Werte und emotionalen Fähigkeiten bei der Beförderung in den nächstbesten Mülleimer kicken. Was für ein Unsinn, findet unsere Autorin.

Eine junge Frau mit roten Haaren

Sollten Frauen in Chefpositionen sich mehr wie "typische Chefs" verhalten?

Unsplash

Es ist schon eine Weile her, dass ich im "Spiegel" einen Artikel las, einen relativ kleinen, in dem die Autorin Ann-Kathrin Nezik sich kritisch über die Art und Weise äußerte, wie Frauen heute ihre Karriere und besonders die Arbeit in Führungspositionen planen. Darin wird der momentan sehr beliebte Begriff "Girlboss" ebenso kritisiert wie der Ansatz, dass sich Frauen in der Arbeitswelt gegenseitig unterstützen sollten. Es bringe ja niemandem etwas, wenn Frauen auch als Chefinnen das täten, was ihnen in den vergangenen Jahrhunderten schon genug Ärger eingebracht hat – nett sein.

Ich habe mich geärgert über diesen Artikel, auch wenn das natürlich eine Ansicht ist, die man haben kann. Denn ist die Aussage dahinter nicht, zusammengefasst: Frauen, seid mehr wie Männer?

Können Frauen manche Sachen nicht besser?

Zuerst muss man dazu aber natürlich sagen: Typische Frauen und typische Männer mit klischeehaften Eigenschaften gibt es natürlich nicht, auch wenn Mario Barth uns etwas anderes erzählen will. Es gibt sensible männliche Führungskräfte (denen dann mitunter zum Verhängnis wird, dass sie nicht genug rumschreien würden) und es gibt knallharte Chefinnen. Aber es gibt anerzogene und erlernte Verhaltensweisen, die bei Frauen und Männern eben noch immer oft verschieden sind. Die Frage ist: Sind die Verhaltensweisen, die viele Frauen unbewusst mitbringen, immer schlecht?

Was spricht denn dagegen, auch als Chefin nett zu sein? Fair, offen und höflich zu agieren bedeutet ja nicht, keine harten Entscheidungen treffen zu können oder für die Mitarbeiter keine Respektsperson zu sein. Man kann auch schlechte Nachrichten ehrlich und menschlich vermitteln. Und dass Lob den Mitarbeitern in einem Team, Betrieb oder Megakonzern schaden würde, ist ja eine völlig absurde Idee. Diese Härte, die man männlichen Führungskräften nachsagt und die oft – aus welchen Gründen auch immer – lobend erwähnt wird, ist die a) wirklich zu irgendetwas gut und b) förderlich?


Dass Frauen, die die nötigen Qualifikationen, den Ehrgeiz und das Talent mitbringen, Führungspositionen auszufüllen, sich permanent auf die Brust trommeln sollen, am besten nur noch im Hosenanzug zur Arbeit kommen und überall nur Schlechtes wittern müssen, halte ich für Unfug. Warum sollten Frauen nicht manche Sachen auch einfach besser können als Männer? Dafür sorgen, dass alle im Team bestmögliche Ergebnisse bringen, jeder mit seinen ganz eigenen Stärken, und dafür ihre ganze Energie und – sorry, schlimmes Wort: emotionale Intelligenz – einsetzen, anstatt 80 Prozent ihrer Power darauf zu verschwenden, nach außen oder vor Kollegen und Vorgesetzten wie der große Macker dazustehen?

Souveränität statt Selbstdarstellung

Frauen wurde lange beigebracht, dass sie Harmonie verbreiten sollen, und in vielen Lebensbereichen ist das schlecht. Sie machen sich klein, sie sagen Ja, wenn sie Nein meinen, sie lassen Menschen den Vortritt, die keinen Vortritt verdient hätten. Aber als Chefin ist es womöglich alles andere als verkehrt, auch auf Harmonie zu achten. Wer sich in seinem Umfeld wohl fühlt, arbeitet besser und effektiver – eine Tatsache, die vielen Chefs vom Typus "Harter Hund" scheinbar oft egal ist.

Und Solidarität unter Frauen – was ist denn daran falsch? Noch immer haben Frauen es im Berufsleben schwerer als Männer, gerade wenn es um Jobs in höheren Ebenen geht. Die Frauenquote in den Vorständen der Dax-Konzerne liegt gerade einmal bei 12,1 Prozent. Das ist lächerlich. Wenn die wenigen weiblichen Führungskräfte dann auch noch den Einzelkämpferinnenmodus einschalten, wird sich daran wenig ändern. Und auch hier ist es wieder etwas, das Frauen vielleicht besser können als Männer: Hilfe annehmen und Hilfe anbieten, ohne dabei ans eigene Ego zu denken. Denn von etwas mehr Zusammenarbeit profitieren schließlich alle. Jeder Frau wird dabei bewusst sein, dass sie nicht unkritisch jede Kollegin in den Himmel hebt, nur weil diese zufällig eine Frau ist. Aber wenn die Grundvoraussetzungen stimmen, dann ist Kooperation doch tausendmal sinnvoller als Zickenkrieg!

Und dann der Begriff Girlboss. Auf Instagram, Twitter und Co. lobt man so besonders junge Frauen, die etwas Bewundernswertes erreicht haben. Seien sie nun Investmentbankerin oder Influencerin. Aber Girlboss bezieht sich nicht nur auf den Karrierestatus, sondern auch auf die Tatsache, dass diese Frauen ihr Ziel auf ihre Weise erreicht haben. Nicht, indem sie sich bei Männern eingeschmeichelt haben oder mit der Beförderung all ihre bisherigen moralischen Prinzipien über Bord geworfen haben. Nicht, indem sie sich einen Kurzhaarschnitt verpasst und fortan nur noch Herrenparfum verwendet haben. Girlboss bedeutet: Du kannst du selbst sein und bleiben und trotzdem etwas erreichen. Es ist vielleicht der erste Begriff, der einer großen Gruppe von Mädchen und jungen Frauen Lust und auch Hoffnung macht, es bis nach ganz oben zu schaffen, und dabei nicht nach den Regeln der Männern spielen zu müssen. 

Das Beste von beiden Seiten

Chefinnen sollten keinesfalls die Attitüde von Chefs übernehmen. Andersherum macht das vielleicht sogar eher Sinn. Der Optimalfall aber wäre etwas, das Frauen – sei es nun leider oder gottseidank – ja oft perfekt können: ein Kompromiss. Nicht der kleinste gemeinsame Nenner, sondern das Beste von beiden Seiten.

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Themen in diesem Artikel
Kindesunterhalt für volljähriges Kind ohne Zielstrebigkeit
Mein Kind ist 19 Jahre alt und lebt im Haushalt der Mutter. Es hat im Juli 2017 seine Schule nach der 10. Klasse dann mit Hauptschulabschluss verlassen. Danach wollte es auf einer Berfsfachschule Einzelhandel seinen Realschulabschluss nachholen (2 Jahre). Es besuchte die Schule im ersten Halbjahr nicht wirklich regelmäßig und im zweiten Halbjahr dann so gut wie gar nicht mehr. (zum Ende hin, ist es gar nicht mehr zur Schule gegangen) Das notwendige zweite Jahr ging es dann gar nicht mehr an. Stattdessen hat es sich für ein freiwilliges Soziales Jahr beworben und geht hier mehr oder weniger regelmäßig hin. Nun möchte es das FSJ abbrechen und wieder seinen Realschulabschluss nachholen. Dies soll in Vollzeit an der Volkshochschule geschehen. Zwischendurch ist immer wieder die Rede von verschiedenen Ausbildungen. Ein wirkliches Konzept, oder Interesse ist aber auch hier nicht erkennbar. Mal kommt es mit dem Berufswunsch Tierarzthelfer/In, mal mit Immobilienkaufmann/-Frau, oder Ähnlichem. Informationen über freie Stellen, oder Inhalte des Berufs und der Ausbildung können nicht genannt werden. Bei laufenden Bewerbungen am Ball zu bleiben liegt ihm auch nicht wirklich. Hab die Bewerbung ja hingeschickt, damit soll es dann auch gut sein. Langsam drängt sich mir der Verdacht auf, es sucht sich den bequemsten Weg heraus und verlässt sich auf meine nicht unerheblichen Unterhaltszahlungen. Frei nach dem Motto: Was soll ich mich kümmern, Väterchen muss ja zahlen, solange ich Schule oder Ausbildung mache. Um meinem Kind Anreize zu geben, endlich Zielstrebigkeit zu entwickeln, habe ich schon über die Kürzung bzw. Einstellung des Unterhals nachgedacht. Wie verhält sich das rechtlich, bzw. was kann ich tun?