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Von wegen "Der Teufel trägt Prada": Mythos Fashion-Branche: Neun Fragen, die eine Modejournalistin ständig hört

In kaum einer anderen Branche kursieren mehr Klischees als in der Mode. Unsere Autorin ist selber Modejournalistin und glaubt, dass da dringender Klärungsbedarf besteht!

Von Ann-Charlott Karsten

Was macht eigentlich eine Modejournalistin?

Es gibt manchmal Tage, an denen ich von einem Termin zum anderen flitzen muss. Dabei ist ein schickes, bequemes Outfit (besonders in Sachen Schuhe!) ein Muss! Den Komplett-Look versuche ich entspannt zu halten und kombiniere zum Karo-Blazer eine schlichte Jeans.

Ich liebe meinen Job. Wirklich! Aber ich frage mich ernsthaft, ob in anderen Berufsgruppen auch ständig so absurde Fragen gestellt werden? Ich würde niemals auf die Idee kommen, in der Autowerkstatt nachzuhaken, ob mit jedem reparierten Auto eine vernünftige Spritztour gemacht wird. Oder habt ihr schon mal in eurer Stamm-Bäckerei fallen lassen, dass ihr euch fragt, wie oft sich die Mitarbeiter am Tag die Hände waschen? Nein? Ich nämlich auch nicht!

Anscheinend ist mein Job als Modejournalistin für alle anderen wirklich so crazy. Oder abstrakt! Vielleicht ist er überhaupt nicht greifbar und deshalb ploppen immer wieder die gleichen Fragen auf? Mal unter uns: Meine eigene Familie nehme ich da überhaupt nicht aus. Bis meine Omas meinen Beruf (und "was ich da den ganzen Tag überhaupt mache") geschnallt haben, sind Monate vergangen. Aus purem Selbstschutz teile ich deshalb und an dieser Stelle meinen Best-of-Fragenkatalog samt Antworten.

1. Herrscht in den Redaktionen Bitch-Fight unter den Kolleginnen?

Die meisten von euch kennen sicherlich den Film "Der Teufel trägt Prada". Aber diesen Zahn muss ich euch ziehen. In keiner Redaktion, in der ich jemals gearbeitet habe, gab es permanent Zickereien. Wenn man den ganzen Tag zusammenhockt, dann ist nicht immer eitel Sonnenschein vorprogrammiert. Wir sind doch alle nur Menschen und verbringen mehr Zeit im Leben mit unseren Kollegen als mit der Familie oder dem Partner. Dass man ab und zu mal seinen Dampf ablassen muss, steht außer Frage. Auch in einer Moderedaktion. Aber das klischeebehaftete Bild einer Modejournalistin, die "von Natur aus" zickig sein muss (!), ist absolut überholt und alt. Ganz im Gegenteil – ich habe das Glück, einige meiner besten Freundinnen im Job und in diversen Redaktionen kennengelernt zu haben. Wir supporten uns, kegeln uns Jobs hin und her. Dafür brauchen wir nicht mal einen "Girlpower"-Anstecker oder einen T-Shirt-Aufdruck. Das ist für uns selbstverständlich.

2. Lackierst du dir den ganzen Tag lang die Fingernägel?

Genau, und der Krankenwagen mit Blaulicht wird mit Füßen gelenkt. Wie in jedem anderen Job sitzt auch mir permanent die Zeit im Nacken. Eine Abgabe hier, ein Termin dort. Da kommt die Nagelpflege im Office natürlich zu kurz. Aber warum sollte ich das auch im Büro erledigen? Wenn ich denke, dass eine Maniküre oder Pediküre von Nöten ist, mache ich mir in der Mittagspause, nach Feierabend oder am Wochenende einen Termin. Oder habt ihr in der Bank schon mal die Mitarbeiterin am Schalter mit der Nagelfeile erwischt? Hm, mal scharf nachdenken. Übrigens tippt es sich mit frisch lackierten Fingernägeln ziemlich schlecht …

3. Trägst du jeden Tag High-Heels?

Wer mich kennt, wird jetzt derbe lachen. Wenn ich von zu Hause aus arbeite – was ich fast 80 Prozent der Zeit mache – sieht man mich mit Asi-Palme, Jogginghose und gemütlichen Flausch-Puschen rumlaufen. Ich weiß, dass es viele Ratgeber für Selbstständige gibt, die einem sagen, wie wichtig es ist, sich auch im Home Office schick zu machen und vor allem etwas Make-up für das Selbstwertgefühl zu tragen. Mein morgendliches Ritual hingegen ist alles andere als glamourös. Während die Kaffeemaschine angeschmissen wird, setze ich mich mit Zahnbürste an den Rechner und checke den Mail-Eingang. Erwischt, im Bademantel. Allerdings gibt es natürlich Pressetermine, Dinner und Veranstaltungen, bei denen ich nicht mit meinem Schlafi oder meiner Yoga-Hose auftauche, sondern mich entsprechend schick mache. Und schminke. Auf klassische High-Heels verzichte ich meistens trotzdem einfach aus Bequemlichkeit und weil sich ein guter Look in meinen Augen nicht durch die Höhe des Absatzes definiert.

Was macht eigentlich eine Modejournalistin?

Wenn ich zu Hause oder im Café arbeite, ist ein gemütlicher Look das A und O. Ich will im Schneidersitz sitzen, einen Purzelbaum schlagen können und beim Mittagessen richtig zulangen. Ein kneifender Hosenbund oder ein enges Shirt haben da nichts verloren. Und auf ein Accessoire kann ich auf keinen Fall verzichten: meinen Kaffee.

4. Knabbert ihr mittags an einem Salatblatt und seid dann, ähm, satt?

Ich muss zugeben, das ist eine meiner absoluten Lieblingsfragen. Es gab in den vergangenen Jahren sicher ein paar Anlässe, an denen ich mit meinen Kolleginnen mittags einen Salat gegessen habe. Ansonsten hieß es in einer bestimmten Mode-Redaktion spätestens um 11.30 Uhr: "Wer hat heute Bock auf Burger und Pommes?" Und das drei Mal die Woche. So viel dazu.

5. Mh, Modejournalistin – du kannst bestimmt gut nähen und zeichnen, oder?

I wish! Bei meinen Nähkünsten hält kein Knopf länger als fünf Sekunden. Und meine Zeichnungen sehen so aus, als würde ich einen Kindermalkurs besuchen. Aber das muss ich auch nicht können. Ich schreibe über Mode und bin nicht für ein Design oder die Produktion zuständig. Mit Zeichnen und Nähen hat mein journalistischer Beruf ungefähr so viel zu tun wie ein Schreiner mit der Herstellung von Magerquark. In der Tat gibt es viele Quereinsteiger, die zum Beispiel Modedesign studiert haben und nun im Journalismus arbeiten. Und ja, die sind bestimmt Näh- und Zeichen-Profis. Aber ich habe im Redaktionsalltag oder beim Tippen noch keinen dieser besagten Kollegen davon schwärmen hören, wie sehr es doch hilft, eine Naht versetzen zu können. Das Gespür für Schnitte und Materialien kann man entwickeln und lernen, ohne jemals eine Nähmaschine berührt zu haben.

6. Wie sind Anna Wintour und Karl Lagerfeld so?

Kennt ihr das, wenn man auf einmal wie selbstverständlich über die Ehe von Justin und Hailey spricht oder eine Meinung zum neuen Song von Gaga und Bradley hat? Ich muss in den Momenten immer wahnsinnig laut lachen, weil es absurd nach einer vertrauten Freundschaft klingt. Und genau so fühlt sich die Frage nach den beiden Mode-Ikonen für mich an. Ich hatte vor Jahren das große Glück, Karl Lagerfeld aus der Ferne bei einem Parfum-Event in Paris gesichtet zu haben und durfte das Pariser Fotostudio – aka den Ort, an dem seine überwältigende Buchsammlung zu finden ist – besuchen. Das war ein absolutes Highlight für mich! Zum Talk über Choupette, dem Austausch der Handynummern und einer Runde Kniffel sind wir leider nicht mehr gekommen. Sehr schade, ich hätte gerne mal mit ihm geklönt. Was Anna Wintour betrifft? Mit ihr hatte ich das Vergnügen bisher leider noch nicht – aber vielleicht sichte ich sie ja auch irgendwann mal in naher Zukunft. Wer weiß.

7. Ah, dann bist du wohl ein echter Trendsetter, oder?

Natürlich gehört es in meinem Job dazu, immer auf dem Laufenden zu bleiben. Ich muss mich mit aktuellen Trends aus der Modebranche auskennen, neue Labels aufzuspüren und Strömungen aus Gesellschaft, Kunst und Kultur miteinander verknüpfen. Übersetzt ist das aber auch nichts anderes als ein Jurist, der sich mit neuen Gesetzgebungen auskennen muss. Trotzdem ist das Wort Trendsetter meist negativ behaftet und wird mit folgender Frage ergänzt: "Du rennst doch sicher jedem Trend hinterher und kaufst dir ständig neue Mode, oder?" 

Im Gegenteil: Ich finde es schön, ein Bewusstsein dafür entwickelt zu haben, was mir steht und was nicht. Privat versuche ich seit einigen Saisons weniger zu konsumieren und wenn ich etwas entdecke, was ich unbedingt in meiner Garderobe haben muss, dann sind es zeitlose, hochwertige Teile, auf die ich spare. In meinen Augen ist ein bewusster Umgang mit Mode und unseren Ressourcen der wahre Trend. In diesem Sinne bin ich dann wohl ein Trendsetter. Obwohl die meisten meiner Kollegen haargenau so denken und handeln.

8. Das kann man wirklich "studieren"?

An dieser Frage gefallen mir vor allem die Anführungszeichen, die mit zwei Fingern während des Wortes "studieren" in die Luft gekniffen werden. Ja, es gibt einen "Modejournalismus"-Studiengang. Und ja, genau das habe ich studiert. An einer Privat-Uni. Hui, Klischee, ich höre dich im Hintergrund kichern. Das heißt aber noch lange nicht, dass jeder, der Modejournalist werden will, diesen einen Weg einschlagen muss. Ich kenne viele Kollegen, die etwas anderes gelernt oder studiert haben und mit Hilfe von redaktionellen Praktika, Volontariaten oder Assistentenstellen in die Position des Moderedakteurs gekommen sind. Ich bin der Meinung, dass es ganz egal ist, was man studiert oder gelernt hat. Wenn man für etwas brennt, gibt es immer einen Weg, um an seinen Traumjob zu kommen.

9. Du bist für die Fotos in dieser Geschichte verantwortlich, oder wie?

Nein, da ich keine Fotografin bin, bin ich nicht für die Fotos in einer Mode-Geschichte verantwortlich. "Häh, und was genau ist dann dein Auftrag?" Für alle, die es wirklich brennend interessiert, kommt hier ein knapper Aufriss meines Alltags: Weil ich als freie Autorin arbeite, bespricht ein Auftraggeber (zum Beispiel ein Magazin oder eine Agentur) mit mir ein Thema, das ich vorgeschlagen habe oder sie wollen, dass ich eine Geschichte übernehme, die sie sich wünschen. Ich recherchiere das Thema an, schreibe ein Konzept und überlege mir, wie man das Ganze sinnvoll aufbauen kann. Natürlich immer mit dem Hintergedanken, was den Leser wirklich interessieren könnte. Dann spreche ich mit der Bildredaktion, das sind diejenigen, die die Fotos recherchieren oder ich suche mir auf Bildplattformen selber mein Bildmaterial zusammen.

Danach connecte ich mich mit PR-Agenturen und hake nach, ob sie passendes Foto-Material zur Verfügung stellen können. Wenn ich alles zusammengetragen habe, bespreche ich mich mit einem Grafiker und erarbeite ein Layout. Im besten Fall segnet der Chef dieses ab und dann geht es ans Texten. Wenn es keine Rückfragen gibt und ich keine Änderungswünsche aus der Redaktion erhalte, kann ich den Job abhaken und neue Aufgaben angehen.

Was? Euch brennen nach diesem Artikel immer noch offene Fragen zum Modejournalismus auf der Seele? Kein Problem: Egal, wie verrückt die Fragen auch sind, ihr könnt sie mir unter mail@ackarsten.de jederzeit schicken.

Philipp Büttner steht als Aladdin auf der Bühne des Theaters "Neue Flora" in Hamburg

kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(