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Aldi, Rewe und Co.: Für das Tierwohl: Wie Verbraucher den Durchblick beim Fleischkauf behalten sollen

Deutschlands größte Lebensmittelhändler haben sich auf eine gemeinsame Kennzeichnung auf Fleischprodukten geeinigt. Doch es gibt auch Kritik am Logo für das Tierwohl.

Kriterien für die Tierwohl-Kennzeichung sind die Haltungsbedingungen der Tiere

Kriterien für die Tierwohl-Kennzeichung sind die Haltungsbedingungen der Tiere

Getty Images

“Isst du Fleisch?“ Diese Frage schlägt einem auf Familienfesten oder bei Dates mittlerweile nahezu panisch entgegen. Je nachdem, wie die Antwort ausfällt, stößt man auf Ablehnung oder Erleichterung. Doch ob Veganer oder Omnivor, für die meisten Menschen steht mittlerweile das Tierwohl bei ihrer Kaufentscheidung im Vordergrund. Ob das nun heißt, komplett auf tierisch Produkte zu verzichten, oder bewusst einzukaufen, kann dabei sehr unterschiedlich sein. Aber woran beim Fleischkauf orientieren, wenn man nicht den Metzger des Vertrauens um die Ecke hat? Denn Bio- und Qualitätssiegel für Fleisch sind aktuell sehr unterschiedlich.

Das neue Siegel

Das soll sich nun ändern: Sieben große Supermarktketten haben sich zusammengeschlossen und wollen noch in diesem Jahr ein gemeinsames Tierwohl-Kennzeichen einführen. Damit sind sie schneller als die deutsche Politik, die ein übergreifendes Siegel erst für 2020 plant.

Edeka, Rewe, Aldi, Lidl und andere große Supermärkte wollen ab 1. April auf der Verpackung von Rinder- und Schweinefleisch sowie Geflügel über die Haltungsbedingungen der Tiere informieren. Die "Haltungsform" soll in vier Kategorien eingeteilt werden:

1. Stallhaltung: Diese Form entspricht lediglich den gesetzlichen Anforderungen

2. Stallhaltung Plus: Hier haben die Tiere unter anderem mehr Platz und Möglichkeiten sich zu beschäftigen

3. Außenklima: Neben mehr Platz kommt bei dieser Stufe noch Kontakt zu Frischluft hinzu

4. Premium: In dieser Klasse soll auch Biofleisch eingeordnet werden – die Tiere haben Auslaufmöglichkeiten im Freien

Bisher hatten einige Unternehmen eigene Kennzeichnungen, die aber für die Verbraucher oft unübersichtlich waren. Diese sollen jetzt abgeschafft werden. Alle teilnehmenden Supermärkte gehören zudem der "Initiative Tierwohl" an. Das Prinzip dahinter: Pro Kilogramm verkauftem Fleisch führen die teilnehmenden Unternehmen knapp sechs Cent an die Initiative ab. Diese Gelder fließen dann in Projekte zum Schutz des Tierwohls. Ein Konzept, das teilweise in der Kritik steht: Verbraucherschützer bemängelten unter anderem die Idee, mit dem Verkauf von Billigfleisch beim Discounter Tierwohl zu finanzieren.

Kritik am Projekt

Mit ihrem Vorstoß sind die Supermärkte auch der Politik voraus. Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) plant ein staatliches Tierwohlkennzeichen erst für 2020. Das Bundesagrarministerium begrüßte die Initiativen des Handels für eine tiergerechtere Haltung, machte aber klar, dass die eigenen Pläne darüber hinausgehen sollen. Die staatliche Kennzeichnung solle “die gesamte Lebensspanne des Tiers“ in den Blick nehmen, also von der Geburt bis zur Schlachtung. Hier sind drei Stufen zur Kennzeichnung geplant, allerdings soll das Ganze freiwillig sein.

Auch der Deutsche Tierschutzbund findet den Vorstoß der Lebensmittelkonzerne begrüßenswert, aber nicht ausreichend genug. Fleisch, bei dem nur Mindeststandards eingehalten würden, sollte ganz aus den Regalen verschwinden. "Der gesetzliche Standard ist aus Tierschutzsicht ungenügend“, sagte Präsident Thomas Schröder der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Wenn der Handel es wirklich ernst meine, müsse er auch Billigpreiswerbung für Fleisch beenden. Die Verbraucherorganisation "Foodwatch" kritisierte außerdem, dass formale Bedingungen wie mehr Platz nicht unbedingt ein besseres Leben für die Tiere bedeuten würde.

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