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Einer gegen Alle

Verkehrssicherheit: Lieber uncool als tot: Ich trag jetzt Fahrradhelm - und ihr?

Fahrradhelme, das internationale Zeichen für Uncoolness? Von wegen. Warum wir alle über unseren Schatten springen und trotzdem einen tragen sollten.

Von Flavia Klingenhäger

Blondes Mädchen mit Fahrradhelm

Lange kam ich mir mit meinem Fahrradhelm super spießig vor, jetzt sehe ich das anders.

neon.de

Heute Morgen auf dem Weg zur Arbeit konnte ich nicht anders, als zu denken: Was läuft eigentlich falsch bei uns? Überall um mich herum andere Fahrradfahrer, aber keiner von ihnen hatte einen Helm auf. Kein einziger. Dafür aber jeder von ihnen entweder mit hübsch gedrehten Locken, Kopfhörern oder Caps auf dem Kopf. Ohne den Zeigefinger schwingen zu wollen, sondern einfach mal ganz realistisch betrachtet  –  was ist schlimmer? Auszusehen wie ein Pilz, aber lebendig sein, oder eine schöne Frisur haben und tot sein? Eben.

Zugegeben – ich finde den Mushroom-Look auch nicht sonderlich schön, wirklich nicht. Ich fühle mich mit Helm sogar immer so endlos uncool, dass ich ihn nur in Kombination mit einer Sonnenbrille trage – um wenigstens nicht ganz so albern auszusehen. Vom Rumschleppen von diesem unästhetischen Stück Plastik ganz zu schweigen. Dadurch sieht man nämlich sogar, wenn man gerade nicht Fahrrad fährt, irgendwie awkward aus. Wohler fühle ich mich definitiv ohne, keine Frage. Und trotzdem. Trotzdem fahre ich seit einigen Jahren nicht mehr ohne Helm. Ich musste mir schon mehr als einmal selbst in den Hintern treten, wenn ich fast wieder ohne losgegangen wäre, "weil es ja nur kurz zum Bäcker ist".

In der Stadt fährt es sich anders

Erst seitdem ich nach Hamburg gezogen bin, ist mir wirklich bewusst geworden, wie wichtig es ist, einen Helm aufzuziehen. Ich bin in einer beschaulichen Kleinstadt aufgewachsen, in der sich der  Verkehr immer in Grenzen gehalten hat – außerdem gibt es dort  überwiegend ältere Radfahrer, die die Verkehrsregeln mit ganz großer Strenge beachten. Den Arm beim Abbiegen nicht rausgestreckt? Ein ganz schlimmes Vergehen. Hier in der Stadt herrscht jedoch eine etwas andere "Fahrrad-Mentalität": Erstens fahre ich so gut wie nie alleine, sondern immer in einer Kolonne von mindestens zehn Menschen, die noch dazu meistens ziemlich in Eile sind. Da ist der ein oder andere Zusammenstoß bei zu wenig Vorsicht garantiert. Und egal, an wem es im Fall des Falles dann gelegen hat – ein Helm kann schon bei einem leichten Zusammenstoß vor schwerwiegenden Verletzungen schützen.

Function over Fashion? Diese Entscheidung fällt inzwischen weg

Je älter ich werde, desto mehr folge ich dem Motto "Function over Fashion", so spießig das auch klingen mag. Ich trage beim Wandern Wanderschuhe  und keine Converse, obwohl die vielleicht besser zu meinem Outfit passen würden. In Sri Lanka bin ich in oberhässlichen Zip-Pants  durch den Urwald marschiert – die sind echt super praktisch, vor allem wenn man platzsparend packen muss ­– anstatt in meinem Lieblingskleid.

Um mal kurz beim Thema Eitelkeit zu bleiben: Die Tage der unästhetischen Liebeskiller für den Kopf sind gezählt.  Es gibt nämlich tatsächlich inzwischen das ein oder andere Modell, in dem man sich zwar wie ein Pilzkopf, aber immerhin wie ein stylischer Pilzkopf fühlt. Ganz clean aus mattem, grauen Plastik ohne irgendwelchen Schnickschnack zum Beispiel oder im Melonen-Look. Du stehst mehr auf den Retro-Stil? Kein Problem, es gibt auch Fahrradhelme, die zwar aussehen, als ob man sie bei der Tour De France 1965 geklaut hätte, deinen Kopf aber dank neuer Technologien schützen. Bei der Recherche nach aktuellen Modellen habe ich ganz schön große Augen gemacht: Manche Helme haben sogar eine integrierte Diebstahlsicherung. Ausreden wie "Das Rumschleppen ist mir einfach zu nervig" ziehen ab heute also auch nicht mehr.

Wir haben alle eine Vorbildfunktion

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich als kleines Mädchen immer gejammert habe, wenn ich einen Helm anziehen musste. Trotzdem wusste ich: Es gibt keine andere Option. Fahrradfahren bedeutete Helm anziehen, fertig. Meine Eltern hatten nämlich auch immer welche an – keine Radtour wurde ohne unternommen. Gerade das ist ein Aspekt, den viele Erwachsene außer Acht lassen: Die Vorbildfunktion, die man für andere Menschen, gerade für sehr junge Menschen, einnimmt. Natürlich verwirrt es ein Kind, wenn die Eltern darauf bestehen, dass es einen Helm trägt und es selbst nicht tun. Sobald es das Gefühl hat, ein bisschen "erwachsener“ zu sein, wird es sich vermutlich weigern.

Vorausschauend fahren genügt oft nicht

Eine Freundin von mir fährt nie mit Helm, weil sie das "Gefühl auf dem Kopf nicht so mag". Außerdem fahre sie ja "nur auf dem Fahrradweg, und dazu ganz vorsichtig und vorausschauend". Sie ist tatsächlich jemand, der sehr achtsam Fahrrad fährt. Das Problem ist nur: Das tun nicht alle Fahrradfahrer. Von Autofahrern will ich gar nicht erst anfangen. Oder von Fußgängern, die total vertieft in ihr Handy sind und gar nicht schauen, wo sie hinlaufen. Was ich damit sagen will, ist schlicht und einfach, dass man gar nicht so vorausschauend fahren kann, dass man alles und jeden die ganze Zeit im Blick hat. Ich bin mal mit dem Rennrad über eine Geschwindigkeitsschwelle gefahren, die ich einfach komplett übersehen habe und bin im hohen Bogen über den Lenker gesegelt. Zum Glück hatte ich einen Helm an, sonst hätte die ganze Aktion ein bisschen anders als nur mit ein paar hässlichen Schürfwunden enden können.

Die Krux an der Sache ist, dass eine schon oft in der Diskussion gewesene Helmpflicht die Situation vermutlich nicht besser machen würde. Helmträger könnten dem sogenannten "Risk-Compensation"-Effekt zum Opfer fallen: Weil sie sich besser geschützt wähnen, gehen sie größere Risiken im Straßenverkehr ein und haben häufiger Unfälle. Und trotzdem ist Helm-Tragen immer noch sichererer. 

Jemand liebt euch, tragt einen Helm!

Ich weiß, dass sich die Aussage, dass es Menschen gibt, denen wir wichtig sind und wir schon allein deshalb einen Helm tragen sollten, echt kitschig und wie aus einer schlechten Werbung geklaut anhört. Aber: Es ist wirklich so. Mein Papa zum Beispiel fährt seit etwa einem Jahr jeden Tag mit dem Rennrad zur Arbeit. 30 Kilometer Landstraße hin und zurück. Und allein in diesem einen Jahr hatte er schon drei Unfälle. Durch einen Autofahrer, der ihm die Vorfahrt genommen hat, eine schlecht ausgeschilderte Baustelle und durch eine vom Laub versteckte, gefrorene Pfütze. Alle dieser Unfälle sind also nicht passiert, weil er besonders unvorsichtig gefahren ist. Alle dieser Unfälle hat er relativ glimpflich überstanden – er hatte aber auch immer einen Helm an. Klar, man kann nicht zu 100 Prozent sagen, dass sein Helm ihn in allen Fällen vor tödlichen Verletzungen bewahrt hat. Trotzdem wird mir jedes Mal ganz anders, wenn ich darüber nachdenke, dass mein Papa jetzt vielleicht gar nicht mehr da wäre, wenn er keinen Helm getragen hätte. Oder mit einem Hirn-Trauma zu kämpfen haben könnte. Deshalb muss ich es einfach nochmal sagen, egal wie viele Kitschpunkte ich dadurch sammle: Ihr seid, genau wie mein Papa, zu wertvoll, um euer Leben aufs Spiel zu setzen, weil ihr auf dem Fahrrad lieber "schön" ausseht. Wie ein Freund von mir immer wieder sagt: Lieber albern aussehen, aber dafür lebendig sein und abends ein Bier trinken gehen zu können als hübsch aussehen, aber dafür eine (im schlimmsten Fall sehr gefährliche) Verletzung haben und abends kein Bier trinken gehen zu können. Und jetzt: Helm auf!

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kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(