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Meinung

Schokoladenwerbung: Keine Rothaarigen und Dicken, bitte: Milka bekommt Shitstorm für Casting-Ausschreibung

Für einen Weihnachtswerbespot sucht das Schokoladenimperium Milka ein hübsches kleines Mädchen – doch leider auf unschöne Art. Die Ausschreibung liest sich wie eine Kontaktanzeige für ein 11-jähriges Kind und verursacht nicht nur deshalb einen Shitstorm auf Twitter.

Milka castet für einen Weihnachtsspot und auf Twitter bricht ein Shitstorm aus

Milka castet für einen Weihnachtsspot und auf Twitter bricht ein Shitstorm aus

Getty Images

"Sie muss hübsch und engelsgleich sein" – so startet die Ausschreibung der Schauspiel-Agentur "Spotlight" in Großbritannien. Gesucht wird ein Mädchen für einen Weihnachtswerbespot von Milka. Doch die Anforderungen sind erstaunlich unsensibel formuliert,  das Gesuch sei diskriminierend, schreiben deshalb viele auf Twitter.

Schauen wir es uns einmal genauer an.

 "Sie muss süß und unschuldig sein. Immer noch ein kleines Mädchen", heißt es in der Ausschreibung in Versalien. Engelsgleich, mit einem ansteckenden Lächeln soll Mia (wie das Kind wohl im Spot später heißen soll) sein. Und auf den ersten Blick nichts Besonderes aber dann: "Klein aber anmutig, fragil aber elegant." Viele Twitter-User stören sich am sexualisierenden Unterton des Gesuchs, es geht immerhin um ein neun- bis elfjähriges Mädchen, das hier objektiviert wird. 

Augen- und Haarfarbe seien nicht wichtig, nur rothaarig dürfe sie nicht sein, heißt es weiter. Moment mal – was soll das mit den roten Haaren? Können diese Eigenschaften also nicht auf Rothaarige zutreffen? Doch es geht noch weiter: Nachdem die Agentur wohl einige unpassende Bewerber bekommen hatte, legten sie mit einem Memo nach. "Ich wundere mich langsam, ob einige von euch absichtlich dumme Vorschläge machen, die genau das Gegenteil unseres Gesuchs sind", schreibt "Spotlight". Und fügt dann denkbar unsensibel hinzu: Übergewichtig sollte sie natürlich auch nicht sein, es geht ja um eine Schokoladen-Werbung.

"Unerhört, ekelhaft und unmoralisch"

Fairerweise muss man sagen, dass es sich um eine Modellagentur handelt, die eine klare Vorstellung von ihrem Protagonisten hat. Doch hier läuft in der Außenkommunikation etwas gehörig schief, denn zahlreiche Twitter-Nutzer stören sich an den diskriminierenden Vorgaben. 

"Wunderschön? Noch unschuldig? Seidiges Haar? Alles, was ich raus lese ist, dass hier Frauen von Geburt an objektiviert werden", heißt es zum Beispiel. Außerdem bemerken einige, dass sich die Anzeige liest, als würde ein Pädophiler eine neue Freundin suchen.

Auch einige britische Stars melden sich auf Twitter zu Wort. Schauspielerin und Comedian Rachel Parris schreibt: "Oh mein Gott. So seltsam. [...] Sie könnten genauso gut sagen 'Fit, aber nicht nuttig. Als würdest du sie wollen, aber definitiv nicht haben können.'" Auch ihre Kollegin Kacey Ainsworth ist äußert sich enttäuscht: "Nichts hat sich geändert, seit ich in dieser Branche in den 70ern angefangen habe. Harte, stereotype Infantilisierung von jungen Mädchen". Viele der Kommentierenden wollen Milka nun boykottieren. Nachdem die Agentur als Reaktion auf den Shitstorm, die Anzeige zuerst ausbesserte (allerdings nur "sie darf NICHT in der Pubertät sein" herausnahm), folgte auch eine offizielle Entschuldigung. "Casting-Aufrufe wie dieser sind unakzeptabel und wir hätten nie erlauben dürfen, diesen zu veröffentlichen", schreiben sie. Es sei ein gravierender Fehler gewesen und sie hätten es viel, viel besser machen können.

Das sieht auch ihr Auftraggeber so. "Mondelēz International", die Firma, der Milka gehört, äußerte sich entsetzt auf Twitter. "Wir nehmen unsere Verantwortung sehr ernst und diese Punkte stimmen nicht mit dem Briefing überein, welches wir der Agentur gegeben haben und es erfüllt unsere hohen Anforderungen nicht. Wir würden diesen Aufruf niemals genehmigen und prüfen gerade den Sachverhalt mit 'Spotlight UK', um zu verstehen, wie und warum dies passiert ist."  Doch die Distanzierung könnte zu spät kommen. Viele User sind trotzdem erbost. Dieser "Fehler" sei nur ein Beispiel dafür, was in der Branche alles schief laufe, heißt es.

ivy