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Abtreibungsgesetz Alabama: #youknowme: Frauen teilen aus Protest ihre Abtreibungs-Geschichten auf Twitter

Unter dem Hashtag #youknowme berichten Frauen über ihre Abtreibungen. Und Busy Philipps ist die Frau, mit der alles angefangen hat.

Busy Philipps

Die Schauspielerin Busy Philipps startete den Hashtag auf Twitter und berichtete in ihrer Late-Night-Show von ihrer eigenen Abtreibung

Am Dienstag stimmte der Senat in Alabama für ein strenges Gesetz, das Abtreibung verbietet - auch nach Vergewaltigungen oder Inzest. Einzige Ausnahme: Die Gesundheit der Mutter ist in Gefahr. Bestraft werden Frauen, die dagegen verstoßen zwar nicht, aber den durchführenden Ärzten droht bis zu 99 Jahre Haft. Das ist die bislang härteste Variante eines Abtreibungsverbots in den USA.

Für Schauspielerin Busy Philipps war das Anlass zum Handeln. Nur eine Woche zuvor hatte sie in ihrer Late-Night-Show "Busy Tonight" von ihrer eigenen Abtreibung erzählt. Damals sei sie 15 Jahre alt gewesen. "Laut Statistik hat eine von vier Frauen vor ihrem 45. Lebensjahr eine Abtreibung", sagte sie, und bezog sich dabei auf eine Studie aus dem "American Public Health Journal". "Diese Statistik überrascht Menschen und vielleicht sitzt du jetzt da und denkst‚ 'Ich kenne niemanden, der eine Abtreibung hatte', aber du kennst mich." Den Tränen nahe erzählte sie von ihrer Abtreibung und sagte, wie sehr sie sich um junge Frauen sorge.

Du kennst mich

Mit genau diesem letzten Satz startete sie einen Hashtag auf Twitter: #youknowme. "Wenn du auch die eine von vier Frauen bist, dann teile deine Geschichte und lass uns das Schamgefühl beenden", schrieb Philipps auf Twitter. Und tausende Frauen hörten auf ihren Ruf.

"Ich war nicht jung und nicht schlecht informiert über Verhütungsmittel. Ich hatte eine selbstdestruktive Phase und einen Loser als Freund. Meine Mutter hatte eine sehr gefährliche Hinterhof-Abtreibung, als sie sehr jung war und war immer laut, wenn es um Frauenrechte ging. Ich habe nicht zweimal drüber nachgedacht. #youknowme", schreibt eine Userin.

Eine andere erzählt davon, dass die Entscheidung zu einer Abtreibung für sie damals nicht leicht war, es jedoch für sie zu dieser Zeit die richtige Entscheidung war.  

 

"Ich war 12 ... muss ich mehr sagen? #youknowme" 

Tabuthema: Abtreibung

Die Erfahrungen der Frauen sind teilweise sehr emotional und nicht leicht zu verdauen, aber so extrem wichtig, wie auch der Tweet dieser Userin zeigt:

"Nachdem ich meiner Mutter von meiner Abtreibung erzählte, gestand sie mir, auch eine gehabt zu haben. Sie hat es nie meinem Vater erzählt", schreibt sie.

"Ich schäme mich nicht"

Seit dem Start des Hashtags bekommt Busy Philipps auch viele negative Kommentare, in denen sie gefragt wird, wie sie stolz auf so etwas sein kann. Gegenüber der "New York Times" sagte sie dazu, dass sie nie stolz darauf gewesen sei, es aber etwas sei, das viele Frauen auf der ganzen Welt erlebt und durchgemacht haben. "Ich weigere mich, in Schande zu leben, und ich weigere mich, über etwas Stillschweigen zu bewahren, für das ich mich nicht schäme", sagte sie in dem Interview.

Auch Stars wie Milla Jovovich oder Jameela Jamil gehen aus Protest an dem neuen Gesetz in Alabama mit ihrer Abtreibungsgeschichte an die Öffentlichkeit.

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I don’t like to get political and I try to only do it if a really have to and this is one of those times. If someone doesn’t want to continue reading, you have been warned. Our rights as women to obtain safe abortions by experienced doctors are again at stake. Last Tuesday, Georgia Governor Brian Kemp signed a draconian bill into law that outlaws all abortions after six weeks — before most women even realize they’re pregnant — including in cases of RAPE OR INCEST. This makes Georgia the sixth state to pass such a restrictive six-week abortion ban, joining Ohio, Mississippi, Kentucky, Iowa, and North Dakota. These laws haven’t been passed yet, but lawmakers in these states are trying. Abortion is hard enough for women on an emotional level without having to go through it in potentially unsafe and unsanitary conditions. I myself went through an emergency abortion 2 years ago. I was 4 1/2 months pregnant and shooting on location in Eastern Europe. I went into pre term labor and told that I had to be awake for the whole procedure. It was one of the most horrific experiences I have ever gone through. I still have nightmares about it. I was alone and helpless. When I think about the fact that women might have to face abortions in even worse conditions than I did because of new laws, my stomach turns. I spiraled into one of the worst depressions of my life and had to work extremely hard to find my way out. I took time off of my career. I isolated myself for months and had to keep a strong face for my two amazing kids. I started gardening, eating healthier and going to the gym everyday because I didn’t want to jump into taking anti depressants unless I had tried every other alternative. Thank God I was able to find my way out of that personal hell without turning to medication, but the memory of what I went through and what I lost will be with me till the day I die. Abortion is a nightmare at its best. No woman wants to go through that. But we have to fight to make sure our rights are preserved to obtain a safe one if we need to. I never wanted to speak about this experience. But I cannot remain silent when so much is at stake. #prochoice #prochoicegeneration

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In der Debatte über Abtreibung, wird immer wieder eines auffällig: Meist sind es Männer, die über die Entscheidungsfreiheit von Frauen entscheiden.

So ist die Situation in Deutschland

In Deutschland dreht sich die Abtreibungsdebatte vor allem um den Paragrafen 219a, der Ärzten das Werben oder Informieren über Abtreibungen verbietet. Erst vor kurzem wurde eine Reformation des Paragrafen beschlossen. Generell sind auch in Deutschland Abtreibungen verboten, das Strafgesetzbuch sieht allerdings unter Artikel 218ff zahlreiche Ausnahmen vor. Alles dazu könnt ihr hier nachlesen

Eine Frau in pinker Klinik-Kleidung hält einen Draht-Kleiderbügel als Werkzeug für eine "Heim-Abtreibung" in der rechten Hand