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USA: Schüler demonstrieren für strengere Waffengesetze - und werden bedroht, ausgelacht und bestraft

Jeder Amoklauf ist einer zu viel: In den USA riefen Jugendliche im ganzen Land zu Demonstrationen für härtere Waffengesetze auf. Der Protest bedeutete für viele Schüler ein Risiko - es kamen trotzdem Tausende.

Was tun, wenn die Politik sich nicht ändert aber du nicht so weitermachen willst? In den USA werden Jugendliche jetzt laut. Einen Monat nach dem verheerenden Amoklauf an einer Schule in Parkland, Florida, haben US-Schüler im ganzen Land gegen die laschen Waffengesetze protestiert. Allein in Washington nahmen tausende Jugendliche an der Demonstration teil, versammelten sich vor dem Weißen Haus. "Wir marschieren um unser Leben!", "Wir werden die Veränderung sein!" oder "Wenn Waffen nicht sterben, sterben Kinder" hieß es auf vielen Plakaten. Doch nicht überall wurde es den Schülern leicht gemacht, ihren Protest zu zeigen.

In den sozialen Netzwerken berichten zahlreiche Jugendliche von Drohungen und Schikanen seitens der Schulen, denn die Demo sollte landesweit in allen Zeitzonen um 10 Uhr morgens stattfinden - also mitten im Unterricht. Wer protestiert, fliege aus den Sportmannschaften, dürfe nicht zum Abschlussball oder werde sogar vom Unterricht ausgeschlossen, hieß es an manchen Schulen. Vereinzelt sollen sich Lehrer sogar über die Ernsthaftigkeit der Schüler lustig gemacht haben.

Teilweise mussten Schüler regelrechte Barrikaden überwinden, etwa durch geschlossene Schultore brechen, wie hier in Kalifornien:

Besonders berührend ist auch die Geschichte von Justin Blackman. Der 16-Jährige war der einzige an seiner Schule in North Carolina, der den Unterricht verließ. Er stand 17 Minuten alleine draußen - eine Minute für jedes der 17 Todesopfer des Amoklaufs in Parkland.Sein Twitter-Video davon wurde mittlerweile über vier Millionen Mal angesehen, zahlreiche Menschen dankten ihm für seinen Mut. "Ein Mensch wird nicht daran gemessen, wie er sich in bequemen Momenten verhält, sondern daran, was er bei Kontroversen und Herausforderungen tut", zitierte die Hollywood-Regisseurin Ava DuVernay den Bürgerrechts-Aktivisten Martin Luther King als Reaktion auf Blackmans Einsatz.

Die Politik in den USA reagiert - nur zögerlich

Und auch wenn die Schülerinnen und Schüler noch nicht wählen dürfen - ihr Protest zeigt trotzdem erste Wirkung. Das Repräsentantenhaus im US-Kongress stimmte gestern mit überwältigender Mehrheit für die Einrichtung eines Fonds, mit dem Präventionsmaßnahmen und anonyme Meldesysteme für Schüler finanziert werden sollen. Immerhin. Die Debatte über umstrittenere Fragen wie Altersgrenzen für Waffenkäufe, die Ausweitung von Hintergrundüberprüfungen und Restriktionen für bestimmte Waffen steht noch aus.

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sst