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"Zeitenwende" ist das Wort des Jahres 2022

Olaf Scholz (SPD)
Olaf Scholz (SPD)
© AFP
"Zeitenwende", "Krieg um Frieden" und "Gaspreisbremse": Der Krieg in der Ukraine hat auch in der deutschen Sprache Spuren hinterlassen. Die Gesellschaft für deutsche Sprache (GfdS) kürte am Freitag den Begriff "Zeitenwende" zum Wort des Jahres 2022. Der Begriff bezeichne "im Allgemeinen den Übergang in eine neue Ära" - und in genau diesem Sinne habe Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) das Wort "Zeitenwende" nach dem russischen Überfall auf die Ukraine "prominent verwendet", begründeten die Sprachexperten ihre Kür.

Auf den Plätzen zwei und drei folgen für die Wiesbadener Jury die Begriffe "Krieg um Frieden" und "Gaspreisbremse" - auch sie prägten in diesem Jahr den Diskurs um den Krieg und seine Folgen. Ein weiterer von Kanzler Scholz geprägter Begriff - "Doppel-Wumms" - landete auf Platz sechs der Jury.

In ihrer Begründung wies die Jury darauf hin, dass die "Zeitenwende" in diesem Jahr gleich auf mehreren Ebenen spürbar gewesen sei. "Die deutsche Wirtschafts- und Energiepolitik musste sich völlig neu ausrichten", erklärte sie. Verhältnisse zu anderen internationalen Partnern wie China seien "gleichfalls kritisch beleuchtet" worden. Hinzu komme: "Bei vielen Menschen fand auch eine emotionale Wende statt. Angst und Sorge vor einem  Atomkrieg in Europa, gar vor einem dritten Weltkrieg waren vielfach zu spüren", erklärte die Jury.

Kanzler Scholz hatte den Begriff wenige Tage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine in einer Rede im Bundestag benutzt, um eine Neuausrichtung der deutschen Politik in Reaktion auf den Krieg anzukündigen. Auch danach griff der Kanzler das Wort immer wieder und mit großem Nachdruck auf.

Auf dem zweiten Platz der Wiesbadener Jury landete der Begriff "Krieg um Frieden", der für das politische Umdenken in Reaktion auf den russischen Angriff steht. Auch in Parteien mit pazifistischer Tradition habe sich im Zusammenhang mit dem Krieg die Ansicht verbreitet, dass die Ukraine mit Waffen unterstützt werden müsse, um ihre Integrität zu verteidigen, erklärte die Jury.

Insgesamt fünf der zehn Wörter des Jahres haben einen unmittelbaren Bezug zur Inflation. So auch der dritte Platz, die "Gaspreisbremse", auch "Gaspreisdeckel" genannt. Sie sei eine der Methoden, mit denen die Bundesregierung auf die Preissteigerungen zu reagieren versuche. Der "Inflationsschmerz", der den vierten Platz erreichte, bringe zum Ausdruck, wie sehr die Bevölkerung von den steigenden Preisen betroffen sei.  

Mit "Klimakleber" auf dem fünften Platz werden die Mitglieder der "Letzten Generation" bezeichnet. Umweltaktivisten klebten sich vielfach an Straßen und an Kunstwerken fest. Der sechste Platz, der "Doppel-Wumms" wurde erneut von Scholz geprägt. Damit meinte er die "Gaspreisbremse" und die Strompreisbremse" zur Abfederung der Inflation. Der Begriff wurde von vielen als zu flapsig kritisiert.

Die "neue Normalität", die in vielen Lebensbereichen im Zuge der Corona-Pandemie Einzug hielt, landete auf dem siebten Platz. Das subventionierte "9-Euro-Ticket" auf dem achten Platz war ebenfalls eine Maßnahme, um der Inflation Herr zu werden. Den neunten Platz erreichte die "Glühwein-WM", die die Fußballweltmeisterschaft der Herren in Katar bezeichnet. 

Platz Nummer zehn prägte Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Die "Waschlappentipps" beziehen sich auf seine Empfehlungen zum Energiesparen. 

Die GfdS kürt bereits seit 1977 Wörter und Wendungen des Jahres. Nicht die Häufigkeit eines Ausdrucks ist nach ihren Angaben für die Auswahl entscheidend, sondern seine Signifikanz und Popularität. Die ausgewählten Wörter sind demnach mit keiner Wertung oder Empfehlung verbunden.

AFP

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