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27-Jähriger wegen Dreifachmordes an Eltern und Schwester in Rostock vor Gericht

Waagschalen der Justitia
Waagschalen der Justitia
© AFP
Am Landgericht Rostock in Mecklenburg-Vorpommern hat ein Prozess gegen einen 27-jährigen Mann wegen dreifachen Mordes begonnen. Die Staatsanwaltschaft warf ihm am Dienstag vor, im vergangenen Februar in Rövershagen bei Rostock in seinem Elternhaus zunächst seinen von ihm gehassten 52-jährigen Vater im Schlaf mit einer Armbrust und einer Gartenmachete getötet zu haben.

Danach soll er seine 25-jährige Schwester ins Haus gelockt und sie auf ähnliche Weise getötet haben. Vier Tage später brachte er laut Anklage auch seine 48-jährige Mutter um, als sie von einer Reise nach Hause kam.

Der Angeklagte mit dem dichten schwarzen Haar machte einen leicht verschüchterten Eindruck, als er der Verlesung der Anklage zuhörte. Der Vorsitzende Richter hielt es allerdings im Gegensatz zur Staatsanwaltschaft auch für möglich, dass die Tötung des angeblich gewalttätigen Vaters nicht aus Hass geschah.

Möglich wäre auch, dass der Angeklagte, der im Haus der Eltern wohnte, selbstsüchtig war und sich nicht mehr vom Vater kontrollieren lassen wollte. Das ging aus einem rechtlichen Hinweis hervor, den das Gericht erteilte.

Der gelernte Handwerker wird nicht aussagen, wie die Verteidigerin das Gericht wissen ließ. Sie beantragte, das Verfahren auszusetzen. Fast alle Vernehmungsprotokolle, Gutachten und Beweismittel seien nicht verwertbar, weil der Angeklagte nie korrekt über seine Rechte belehrt worden sei. Darüber wird das Gericht voraussichtlich am nächsten Verhandlungstag entscheiden.

Laut Anklage schoss der Sohn dem auf dem Sofa schlafenden Vater vier Pfeile aus einer Armbrust in den Kopf. Als das Opfer nicht tot war, stach er ihm mit einer Gartenmachete ins Gesicht und in den Hals. Danach lockte er seine Schwester aus Rostock nach Rövershagen.

Er gaukelte ihr vor eine Überraschung zu haben und brachte sie dazu, sich auf einer Teichfolie im Hausflur niederzuknien und Ohrschützer und eine verklebte Skibrille aufzusetzen. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft vergingen zehn schweigende Minuten, bevor er auch sie mit drei Armbrustpfeilen und Stichen mit der Machete tötete.

Die Leichen des Vaters und der Schwester hatte er nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Teichfolie verpackt, als er vier Tage später die Mutter vom Bahnhof von einer Reise abholte. Auch ihr gaukelte er eine Überraschung vor und tötete sie wie die Schwester.

Danach baute er aus Brettern Särge, besorgte sich einen Transporter und einen Bagger und vergrub die Opfer zwölf Kilometer entfernt auf einem Feld. Dort wurden sie nach seiner Festnahme Ende März gefunden.

Eine Verwandte meldete die Verschwundenen bereits im Februar als vermisst. Als die Polizei den Angeklagten im März zum ersten Mal aufsuchte und als Zeugen befragte, gab er sich ahnungslos zum Verbleib der Eltern und der Schwester.

Allerdings erzählte er den Beamten laut Anklage, er habe zusammen mit dem Rest seiner Familie seit langem mit Drogen gehandelt. Möglicherweise wollte er die Ermittler so auf eine falsche Fährte locken.

AFP

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