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40 Tote bei Moschee-Angriffen in Neuseeland

Bei bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind nach Angaben der Regierung 40 Menschen getötet und 20 weitere schwer verletzt worden.

Moschee in Christchurch

Moschee in Christchurch

Bei bewaffneten Angriffen auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch sind nach Angaben der Regierung 40 Menschen getötet und 20 weitere schwer verletzt worden. Regierungschefin Jacinda Ardern sprach von einem "gut vorbereiteten Terroranschlag". Einer der Angreifer filmte offenbar live die Tat. Bei ihm handelte sich nach Angaben des australischen Premierministers Scott Morrison um einen rechtsextremen Australier.

Die Angriffe ereigneten sich während des Freitagsgebets in der Masjid-al-Noor-Moschee im Stadtzentrum von Christchurch und in einer Moschee im Vorort Linwood. Augenzeugen berichteten, die Opfer seien aus nächster Nähe getroffen worden. Unter den Toten seien vermutlich auch Frauen und Kinder.

Unklar war zunächst, wieviele Angreifer an den Anschlägen beteiligt waren. Laut Premierministerin Ardern wurden drei Männer festgenommen. Die Polizei sprach von vier festgenommenen Verdächtigen, darunter einer Frau. Demnach wurden zudem zwei Sprengsätze an Autos entdeckt und entschärft.

Ein palästinensischer Augenzeuge berichtete, er habe gesehen, wie eines der Opfer direkt in den Kopf getroffen wurde. "Ich hörte drei schnelle Schüsse hintereinander, und dann nach zehn Sekunden begann es von neuem", sagte er der Nachrichtenagentur AFP. Es müsse sich um eine automatische Waffe gehandelt haben, sagte der Mann weiter, "niemand kann so schnell den Abzug bedienen". Kurz darauf habe er sich der fliehenden Menge angeschlossen und sei aus der Moschee entkommen.

Im Kurzbotschaftendienst Twitter warnte die neuseeländische Polizei, "extrem erschreckende Bilder" aus einer der angegriffenen Moscheen kursierten im Internet. Es handelte sich demnach um Bilder, die ein Angreifer selbst gefilmt hatte. Ein weißer kurzhaariger Mann ist dabei zu sehen, wie er zu einer der Moscheen fährt und schließlich auf die versammelten Gläubigen feuert.

Der Angreifer hatte den Film offenbar live im Internet übertragen. Die Aufnahmen wurden inzwischen von den Websites entfernt. Die Polizei rief Internetnutzer auf, das Video nicht weiter zu verbreiten.

Aus einem ebenfalls im Internet verbreiteten Manifest des mutmaßlichen Angreifers geht hervor, dass die Tat rassistisch motiviert war. Ardern sprach von einem "außergewöhnlichen und beispiellosen Gewaltakt". Ihr Land durchlebe gerade einen seiner "dunkelsten Tage".

Wegen der Gefahrenlage hatte die Polizei für ganz Neuseeland dazu aufgerufen, keine Moschee zu betreten. Die Innenstadt von Christchurch wurde zeitweise abgeriegelt, Schüler durften ihre Klassenräume nicht verlassen, und alle Menschen in Christchurch wurden aufgerufen, nicht auf die Straße zu gehen.

Im Zentrum fand gerade eine Massenkundgebung von Schülern für mehr Klimaschutz statt. Der Stadtrat richtete eine Hotline für besorgte Eltern ein, die nach ihren Kindern suchten.

Bangladeschs Cricket-Team, das für ein Testspiel gegen Neuseeland in Christchurch war, entkam offenbar nur knapp einem der Angriffe. Ein Sprecher berichtete, einige der Spieler hatten gerade den Team-Bus verlassen und wollten in die Moschee gehen, als der Angriff begann. Sie seien alle sicher, stünden allerdings unter Schock. Das Match wurde abgesagt.

Nach Angaben des australischen Regierungschefs stammt der Angreifer in der Moschee im Zentrum Christchurchs aus Australien. Bei dem Mann handele es sich um einen "extremistischen, rechtsgerichteten, gewalttätigen Terroristen", sagte Morrison. Er sprach den Neuseeland sein tiefes Mitgefühl aus. Ardern sagte, keiner der Verdächtigen habe auf einer der Beobachtungslisten für Terroristen gestanden.

Massive Schusswaffenangriffe sind in Neuseeland selten. Das Land hatte 1992 seine Waffengesetze verschärft, seitdem gelten strikte Regeln für den Erwerb halbautomatischer Waffen. Als eine Konsequenz des blutigen Angriffs erhöhten die neuseeländischen Behörden am Freitag landesweit die Sicherheitsstufe. In Auckland sprengte das Militär sicherheitshalber zwei herrenlose Taschen in der Nähe eines Bahnhofs. Ihr Inhalt stellte sich als harmlos heraus.

Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) verurteilte die "brutalen Verbrechen" in Christchurch. "In diesen schweren Stunden stehen wir fest an der Seite unserer neuseeländischen Freunde," schrieb er auf Twitter.

Der türkische Regierungschef Recep Tayyip Erdogan erklärte, der "Terroranschlag" habe sich gegen betende Gläubige gerichtet. "Ich verfluche diejenigen, die ihn begangen haben", fügte er hinzu.

AFP

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