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Aktivisten: 28 pro-türkische syrische Kämpfer in Berg-Karabach getötet

Mann vor beschädigtem Haus in Berg-Karabach
Mann vor beschädigtem Haus in Berg-Karabach
© © 2020 AFP
Bei Gefechten in der umstrittenen Kaukasusregion Berg-Karabach sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 28 pro-türkische, syrische Kämpfer getötet worden.

Bei Gefechten in der umstrittenen Kaukasusregion Berg-Karabach sind nach Angaben von Aktivisten mindestens 28 pro-türkische, syrische Kämpfer getötet worden. Sie gehörten zu insgesamt rund 850 Kämpfern, die Ankara zur Unterstützung der aserbaidschanischen Truppen in die Region entsandt hat, wie die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte am Freitag mitteilte. Armenien erklärte sich zu Waffenstillstandsverhandlungen bereit. Am Abend meldete es Angriffe aserbaidschanischer Truppen auf die Hauptstadt der selbsternannten Republik Berg-Karabach.

Angehörige von drei Kämpfern bestätigten AFP deren Tod. In Online-Medien in Nordsyrien tauchten Bilder von vier toten Kämpfern auf. Armenien hatte der Türkei zuvor vorgeworfen, Kämpfer aus Syrien in die Region zu bringen. Aserbaidschan und die Türkei bestritten dies.

Eine Sprecherin des armenischen Außenministeriums sagte am Freitag, die "türkische Armee kämpft an der Seite der aserbaidschanischen". Armenien warf Aserbaidschan zudem vor, "Streumunition" einzusetzen, die völkerrechtlich verboten ist.

Russlands Präsident Wladimir Putin und der armenische Regierungschef Nikol Paschinjan äußerten sich "ernsthaft besorgt" wegen der Berichte über die Beteiligung "illegaler, bewaffneter Gruppen aus dem Nahen Osten", wie es in einer Erklärung des Kreml hieß. Putin und Paschinjan hatten zuvor telefoniert.

Der französische Präsident Emmanuel Macron forderte Aufklärung von Ankara. Er verwies auf Geheimdienstberichte, wonach 300 Kämpfer "dschihadistischer Gruppen" über die türkische Stadt Gaziantep nach Berg-Karabach verlegt worden sein sollen. Damit sei "eine rote Linie überschritten worden", sagte Macron beim EU-Gipfel im Brüssel.

Bei den Gefechten zwischen Armenien und Aserbaidschan wurden seit Sonntag nach offiziellen Angaben fast 200 Menschen getötet, darunter mehr als 30 Zivilisten. Auch am Freitagmorgen hielten die Gefechte trotz internationaler Aufrufe zu einer Deeskalation an.

Das Außenministerium in Eriwan erklärte, Armenien stehe "bereit" für Gespräche innerhalb der sogenannten Minsk-Gruppe der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung in Europa (OSZE).

Wenig später griffen aserbaidschanische Truppen Stepanakert an, die Hauptstadt der selbsternannten Republik Berg-Karabach. Dabei wurden zahlreiche Zivilisten verletzt, wie das armenische Verteidigungsministerium mitteilte. Mehrere Explosionen erschütterten die 50.000-Einwohner-Stadt, gefolgt von heulenden Krankenwagen-Sirenen, berichtete ein AFP-Korrespondent.

In der Ortschaft Fizuli auf der armenischen Seite der Front wurden nach Berichten eines AFP-Fotografen Kinder evakuiert. Zahlreiche Männer meldeten sich freiwillig zum Kampf. "Wir haben keine Angst, wir haben nicht viele Verwundete", sagte Anwar Aliew, ein 55-jähriger Taxifahrer.

Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig, zivile Gebiete zu beschießen. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz zeigte sich besorgt angesichts der Lage der Zivilbevölkerung, die "im Kreuzfeuer gefangen ist". Viele Familien mit Babys und Kleinkindern müssten "Tage und Nächte in ungeheizten Kellern" Schutz suchen. Schulen und Krankenhäuser seien durch Artilleriebeschuss zerstört worden.

UN-Generalsekretär António Guterres forderte erneut ein "sofortiges Ende der Feindseligkeiten". Er bedauere, dass die Konfliktparteien ihre militärischen Aktionen fortsetzen würden, trotz der wiederholten Aufrufe der internationalen Gemeinschaft, "das Feuer einzustellen".

Am Donnerstag waren zwei französische Mitarbeiter der Zeitung "Le Monde" bei einem Luftangriff in der Stadt Martuni schwer verletzt worden. Die beiden wurden in einem Sanitätsflugzeug zurück nach Frankreich gebracht.

Berg-Karabach wird mehrheitlich von Armeniern bewohnt, welche die Region und angrenzende Gebiete unter ihrer Kontrolle haben. Die Republik Berg-Karabach wird aber international nicht anerkannt und gilt völkerrechtlich als Teil Aserbaidschans.

Russland gilt historisch als Armeniens Schutzmacht und unterhält dort einen Militärstützpunkt. Zugleich pflegt Moskau gute Beziehungen auch zu Aserbaidschan und beliefert es mit Waffen. Das ölreiche Aserbaidschan hat seine Armee in den vergangenen Jahren hochgerüstet und kann auf die Unterstützung der Türkei zählen.

AFP

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