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Anklage fordert hohe Haftstrafen und Sicherungsverwahrung für Lügde-Angeklagte

Im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat die Staatsanwaltschaft am Freitag hohe Haftstraßen mit anschließender Sicherungsverwahrung

Staatsanwältinnen im Detmolder Lügde-Prozess

Staatsanwältinnen im Detmolder Lügde-Prozess

Im Prozess um den massenhaften Kindesmissbrauch auf einem Campingplatz im nordrhein-westfälischen Lügde hat die Staatsanwaltschaft am Freitag hohe Haftstraßen mit anschließender Sicherungsverwahrung gefordert. Der 56-jährige Ex-Dauercamper Andreas V. aus Lügde soll nach dem Willen der Anklage für 14 Jahre hinter Gitter, der 34-Jährige Mario S. aus Steinheim für zwölfeinhalb Jahre, wie ein Sprecher des Detmolder Landgerichts mitteilte.

In ihrer Plädoyer forderten die beiden Vertreterinnen der Staatsanwaltschaft zudem für beide geständige Angeklagte die Anordnung der Sicherungsverwahrung. Nach den Anklägerinnen hielten dem Sprecher zufolge auch acht der insgesamt 17 Nebenklagevertretern ihre Schlussvorträge. Fünf schlossen sich der Strafmaßforderung der Staatsanwältinnen an, drei forderten höhere Haftstrafen.

Der Detmolder Prozess soll nun am 30. August mit den Plädoyers der übrigen neun Nebenklageanwälte sowie der Verteidigung fortgesetzt werden. Ein Urteil könnte dann am 5. September fallen. Während der Plädoyers am Freitag blieb die Öffentlichkeit aus Gründen des Opferschutzes von der Hauptverhandlung ausgeschlossen.

V. und S. gelten als Haupttäter der jahrzehntelangen Missbrauchsserie von Lügde, die Anfang des Jahres bekannt wurde und bundesweit Entsetzen auslöste. Wegen Beihilfe und Anstiftung verurteilte das Landgericht Detmold bereits am 17. Juli einen dritten Angeklagter zu zwei Jahren Haft auf Bewährung. Gegen dieses Urteil legte die Staatsanwaltschaft Revision ein.

Der lange unentdeckt gebliebene Missbrauch einer Vielzahl von Kindern auf dem Campingplatz Eichwald in Lügde-Elbrinxen gilt wegen polizeilicher Ermittlungspannen und Behördenversagens als einer der größten Skandale der vergangenen Jahre. Unter anderem verschwand bei der Polizei Lippe Beweismaterial. Auch das Verhalten von Jugendämtern im Tatzeitraum wurde scharf kritisiert.

AFP