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Auch Renault will wegen verdächtiger Zahlungen gegen Ghosn vorgehen

Nach Nissan will auch der französische Autobauer Renault wegen verdächtiger Zahlungen in Millionenhöhe juristisch gegen seinen ehemaligen Vorstandschef Carlos Ghosn vorgehen.

Ghosn verlässt Haftanstalt in Tokio

Ghosn verlässt Haftanstalt in Tokio

Nach Nissan will auch der französische Autobauer Renault wegen verdächtiger Zahlungen in Millionenhöhe juristisch gegen seinen ehemaligen Vorstandschef Carlos Ghosn vorgehen. Eine interne Überprüfung bei Renault ergab, dass Ausgaben etwa für Flüge oder Geschenke in Höhe von elf Millionen Euro nicht durch Unternehmensvorschriften gedeckt waren. Ghosn war im November wegen finanzieller Vorteilnahme auf Betreiben von Nissan in Japan festgenommen worden.

Zur Zeit der Festnahme war Ghosn Chef von Renault sowie Verwaltungsratsvorsitzender der Partner Nissan und Mitsubishi. Renault startete eine interne Untersuchung, die beauftragte Kanzlei Mazars legte am Dienstag den Abschluss vor.

Entdeckt wurden die verdächtigen Zahlungen beim Gemeinschaftsunternehmen von Renault und Nissan in den Niederlanden, RNBV. Der Verwaltungsrat von Renault erklärte am Dienstagabend, dort habe es "Mängel mit Blick auf die Finanztransparenz und die Ausgabenkontrolle" gegeben. Die elf Millionen Euro setzten sich zusammen aus "Mehrkosten" für Flüge von Ghosn, gewisse von Ghosn getätigte Ausgaben sowie Geschenke an Non-Profit-Organisationen.

Der französische Wirtschaftsminister Bruno Le Maire sagte dem Fernsehsender BFM am Mittwoch, Renault werde gegen Ghosn klagen. Der französische Staat, der mit 15 Prozent an Renault beteiligt ist, werde seine Rolle als Aktionär ausfüllen und dafür sorgen, dass die Unternehmensführung "gut funktioniert".

Ghosns Anwalt in Frankreich forderte Zugang zu den Dokumenten. "Es heißt, es gebe unberechtigte Zahlungen, aber man sagt nicht, welche", kritisierte Jean-Yves Le Borgne. Nach einer Analyse der Dokumente müsse zudem Ghosn dazu befragt werden.

In Japan wird Ghosn beschuldigt, zwischen Ende 2015 und Mitte 2018 insgesamt 15 Millionen Dollar an Nissan-Geldern an ein Unternehmen im Nahen Osten transferiert haben. Davon soll er fünf Millionen Dollar für Privatzwecke abgezweigt und damit unter anderem eine Luxusyacht finanziert und Investitionen in ein Unternehmen seines Sohnes in den USA getätigt haben.

Die Ermittler beschuldigen Ghosn zudem, jahrelang ein viel zu niedriges Einkommen bei Nissan deklariert und persönliche Verluste auf den japanischen Autobauer übertragen zu haben. Der einstige Vorzeigemanager, der auch jahrelang den französischen Autobauer Renault führte, bestreitet alle Vorwürfe und sieht sich als Opfer einer Verschwörung. Ghosn soll in Japan der Prozess gemacht werden.

AFP