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Bahnstreik sorgt erneut für starke Beeinträchtigungen im Zugverkehr

ICE der Deutschen Bahn
ICE der Deutschen Bahn
© © 2021 AFP
Der Bahnstreik der Lokführergewerkschaft GDL hat auch am Donnerstag für zahlreiche Zugausfälle auf Deutschlands Schienen gesorgt.

Der Bahnstreik der Lokführergewerkschaft GDL hat auch am Donnerstag für zahlreiche Zugausfälle auf Deutschlands Schienen gesorgt. Nach Angaben der Bahn fuhren nur rund 25 Prozent der Züge auf Fernstrecken. Im Regionalverkehr sollten zwar mehr Verbindungen bedient werden, jedoch mit starken regionalen Unterschieden. Die Bahn bat daher die Fahrgäste erneut, auf nicht zwingend notwendige Reisen zu verzichten.

Die Streiks hatten am Mittwochmorgen um 02.00 Uhr im Personenverkehr begonnen; sie sollen Freitagmorgen um 2.00 Uhr enden. Der Güterverkehr wird bereits seit Dienstagabend bestreikt.

Ab Freitag rechnet die Bahn laut Bahnsprecher Achim Stauß wieder mit einem "weitgehend kompletten" Angebot, am Wochenende mit den reisestärksten Tagen des Jahres im Bahnverkehr. Die Verschiebung vieler Reisen, Sommerferien in zwölf Bundesländern und das Sommerwetter ließen "in den nächsten Tagen eine hohe Auslastung vieler Fernverkehrszüge erwarten", erklärte die Bahn weiter.

Für den Ersatzfahrplan am Donnerstag konnte die Bahn nach eigenen Angaben "weitere Reserven mobilisieren" und rund 15.000 zusätzliche Sitzplätze zur Verfügung stellen. Insgesamt fuhren damit laut Konzern rund 220 Fernverkehrszüge. Im Regional- und Nahverkehr fuhren am Donnerstag laut Stauß 40 Prozent der Züge.

Stauß bezeichnete den Streik am Donnerstagmorgen erneut als "völlig überzogen" und rief die Arbeitnehmerseite dazu auf, wieder zu verhandeln. Am Verhandlungstisch seien beide Seiten bereits "relativ nah beieinander", sagte er im ZDF-"Morgenmagazin".

Stauß warf der Gewerkschaft auch vor, mit dem Streik dem Klima zu schaden. Die Menschen seien teils "gezwungen, von der umweltfreundlichen Bahn auf weniger nachhaltige Verkehrsmittel umzusteigen", sagte er.

Auch SPD-Chef Norbert Walter-Borjans kritisierte die Lokführergewerkschaft: Wirksame Interessenvertretung setze voraus, "Kräfte zu bündeln und Verständnis bei den Reisenden zu gewinnen", sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Donnerstagsausgaben). Beides gelinge nicht, wenn die Beschäftigten der Bahn auseinanderdividiert und die Kunden "durch praktisch unangekündigte Streikaktionen düpiert werden".

Walter-Borjans forderte die GDL zur Zusammenarbeit mit der konkurrierenden Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) auf. "Wir brauchen eine leistungsfähige Bahn mit attraktiven Arbeitsbedingungen", sagte er.

Der EVG-Vorsitzende Klaus-Dieter Hommel kritisierte den Streik im Deutschlandfunk als "politischen Arbeitskampf". Die GDL wolle "alles besser machen" als die EVG - sie sei aber nicht bereit gewesen, sich im vergangenen Jahr an den Verhandlungstisch zu setzen. "So kann man keine Tarifpolitik betreiben, so übernimmt man als Gewerkschaft keine Verantwortung", kritisierte Hommel.

Bei dem Streik gehe es "um die Existenz der GDL", sagte er weiter. GDL-Chef Weselsky habe im vergangenen November die Absicht erklärt, die EVG aus der Bahn zu verdrängen. Damit habe er sich "verzockt".

Prinzipiell sei die EVG für eine Zusammenarbeit mit der GDL offen, versicherte Hommel. "Nur das bedeutet, dass man Vertrauen zueinander haben muss und dass nicht, wie seit vielen Jahren, ein ständiger Konfrontationskurs gefahren wird."

Die GDL will durch den Streik ein neues Angebot des Konzerns im Tarifstreit erzwingen. Das zuletzt von der Bahn vorgelegte Angebot bezeichnete sie als "nicht verhandelbar". So fordert die Gewerkschaft etwa eine Corona-Prämie und eine Lohnerhöhung in diesem Jahr. Die Bahn will bislang erst 2022 mehr zahlen.

Der Bahn zufolge gelten wegen des Streiks besondere Kulanzregelungen. Bereits gebuchte Fahrkarten für betroffene Strecken behalten ihre Gültigkeit demnach bis zum 20. August, die Zugbindung entfällt. Auch eine kostenfreie Erstattung der Zugtickets ist möglich. Außerdem richtete die Bahn eine kostenfreie Sonderhotline ein (08000/996633).

AFP

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