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Basketballerin Griner nach Gefangenenaustausch in die USA zurückgekehrt

Griner im August in Moskau
Griner im August in Moskau
© AFP
Knapp zehn Monate nach ihrer Festnahme in Russland ist die US-Basketballerin Brittney Griner im Zuge eines spektakulären Häftlingsaustauschs in ihre Heimat zurückgekehrt. Ein Flugzeug mit der 32-Jährigen an Bord landete am frühen Freitagmorgen (Ortszeit) im US-Bundesstaat Texas, wie ein AFP-Reporter berichtete. Die USA hatten Griner gegen den berüchtigten russischen Waffenhändler Viktor Bout ausgetauscht. Ungeklärt ist weiterhin das Schicksal des in Russland inhaftierten US-Bürgers Paul Whelan.

Die 32-Jährige sollte nach ihrer Landung untersucht werden. "Wir bestätigen, dass Brittney Griner auf dem Militärstützpunkt San Antonio in Texas angekommen ist (...) und dass sie (...) in das Brooke Military Medical Center gebracht wurde", sagte ein Sprecher der militärmedizinischen Einrichtung am Freitag. 

Die Basketballspielerin sei "gut drauf", sagte der Sprecher des Nationalen Sicherheitsrats der USA, John Kirby, am Freitag im Sender MSNBC. Die Familie von Griner drückte in einer Erklärung ihre "aufrichtige Dankbarkeit" gegenüber US-Präsident Joe Biden und seiner Regierung aus "für die unermüdliche Arbeit, die sie geleistet haben, um Brittney nach Hause zu bringen".

Die Basketballerin war am Donnerstag am Flughafen von Abu Dhabi gegen den zuvor aus US-Haft entlassenen Waffenhändler Bout ausgetauscht worden. Aufnahmen russischer Staatsmedien zeigten, wie Griner und Bout auf einem Rollfeld an Beamten des jeweils anderen Landes übergeben und zu Flugzeugen gebracht werden, die sie in ihre Heimat ausflogen. 

Die auch in Russland spielende US-Basketballerin Griner war im Februar bei ihrer Ankunft an einem Moskauer Flughafen festgenommen worden. In ihrem Gepäck waren Kartuschen für E-Zigaretten mit geringen Mengen Cannabisöl gefunden worden. Griner nahm das Cannabis nach eigenen Angaben, um Schmerzen infolge von Sportverletzungen zu stillen. In Russland ist aber auch ein medizinischer Einsatz der Droge illegal.

Im August wurde die 32-Jährige wegen Drogenschmuggels zu neun Jahren Haft verurteilt. Ende Oktober scheiterte die Meisterin der US-Frauenliga WNBA und zweifache Olympia-Goldmedaillengewinnerin mit einem Berufungsantrag. Im November wurde sie in eine abgelegene russische Strafkolonie verlegt.

US-Präsident Joe Biden dankte den Vereinigten Arabischen Emiraten am Donnerstag für ihre Unterstützung bei dem Austausch. Auch Saudi-Arabien spielte nach eigenen Angaben eine Vermittlerrolle. Bidens Sprecherin Karine Jean-Pierre betonte hingegen, der Austausch sei nicht unter Vermittlung von Drittstaaten zustande gekommen: "Die einzigen Länder, die dieses Abkommen ausgehandelt haben, waren die Vereinigten Staaten und Russland."

Der im Austausch für Griner freigelassene Waffenhändler Bout traf bereits am Donnerstag in Russland ein. Der 55-Jährige saß in den USA seit mehr als zehn Jahren im Gefängnis, er war wegen seiner Waffengeschäfte zu 25 Jahren Haft verurteilt worden. Bout soll Waffen in zahlreiche Krisengebiete geliefert haben und wird deswegen als "Händler des Todes" bezeichnet. 

"Sie haben mich mitten in der Nacht geweckt und mir gesagt, ich solle meine Sachen packen", berichtete Bout über seine Freilassung. Er habe keine genauen Informationen erhalten. "Aber ich bin jetzt hier, das ist das Wichtigste." In einem Interview mit dem TV-Sender RT warf er westlichen Ländern am Freitag vor, Russland "zerstören" und "spalten" zu wollen. 

Zu Whelan, der in einer russischen Strafkolonie inhaftiert ist, sagte Kirby am Freitag, dass die USA weiterhin mit Moskau in Kontakt stünden, um den ehemaligen Soldaten, der wegen "Spionage" zu 16 Jahren Haft verurteilt worden war, in sein Heimatland zu holen.

Whelan war im Dezember 2018 in Russland festgenommen und 2020 verurteilt worden. US-Präsident Biden hatte am Donnerstag gesagt, leider behandle Moskau Whelans Fall anders als jenen von Griner.

Kreml-Sprecher Dmitri Peskow betonte, dass die Verhandlungen mit den USA "nur den Austausch" der beiden Gefangenen Griner und Bout betroffenen hätten. 

Russlands Präsident Wladimir Putin schloss allerdings den Austausch weiterer Häftlinge mit den USA nicht aus. "Sind andere (Häftlingsaustausche) möglich? Ja, alles ist möglich", sagte Putin in der kirgisischen Hauptstadt Bischkek. Der nun erfolgte Austausch sei "das Ergebnis von Verhandlungen und der Suche nach Kompromissen."

AFP

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