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Behörden fürchten weiteren Dammbruch nach Katastrophe in Brasilien

Nach der verheerenden Schlammlawine im Osten Brasiliens befürchten die Experten eine weitere Katastrophe an dem Bergwerk: Der Minenbetreiber Vale löste am Sonntagmorgen wegen steigender Pegelstände

Angehörige von Vermissten warten auf Nachrichten

Angehörige von Vermissten warten auf Nachrichten

Nach der verheerenden Schlammlawine im Osten Brasiliens befürchten die Experten eine weitere Katastrophe an dem Bergwerk: Der Minenbetreiber Vale löste am Sonntagmorgen wegen steigender Pegelstände an einem weiteren Damm Alarm aus. Die Feuerwehr rief die Bevölkerung der Stadt Brumadinho auf, sich in hochgelegene Gebiete in Sicherheit zu bringen. Für die fast 300 Vermissten nach dem Dammbruch vom Freitag bestand kaum noch Hoffnung. 37 Leichen wurden geborgen.

"Achtung, allgemeine Evakuierung!", scholl es am frühen Sonntagmorgen als Lautsprecherdurchsage durch die Straßen der 39.000-Einwohner-Stadt Brumadinho. "Suchen Sie die höchsten Punkte der Stadt auf!" Die Feuerwehr habe mit der Räumung der an die Eisenerzmine Corrego do Feijao angrenzenden Siedlungen begonnen, sagte ein Sprecher. Die Suche nach weiteren Opfern der Schlammlawine sei vorerst eingestellt, da die Evakuierung Vorrang habe.

Nach einem Dammbruch an einem Rückhaltebecken für Bergbauabfälle hatten sich am Freitag Millionen Tonnen Schlamm über die Umgebung des Bergwerks ergossen und Häuser, Autos und Straßen unter sich begraben. Bis Sonntagmorgen bargen Helfer 37 Leichen, 192 Menschen konnten lebend gerettet werden und 23 Verletzte waren im Krankenhaus.

Der Gouverneur des Bundesstaates Minas Gerais, Romeu Zema, erklärte, Polizei, Feuerwehr und Soldaten hätten alles getan, um Überlebende zu retten. "Doch wir wissen, dass von jetzt an die Chancen winzig sind und wir wahrscheinlich nur noch Leichen finden werden." Die Zahl der Vermissten lag am Sonntagmorgen bei 296.

Bei den meisten Opfern handele es sich um Minenarbeiter, sagte der Chef des Bergbauunternehmens Vale, Fábio Schvartsman. Er sprach von einer "menschlichen Tragödie". Die Schlammlawine habe unter anderem die Kantine des Bergwerks unter sich begraben, als die Arbeiter gerade beim Mittagessen saßen.

In Brumadinho warteten am Samstag zahlreiche Angehörige von Minenarbeitern mit Fotos in den Händen auf Nachrichten von ihren Lieben. "Sie wollen uns nichts sagen", klagte Olivia Rios. "Das sind unsere Söhne, unsere Ehemänner, und niemand sagt uns etwas."

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro erklärte, der Staat werde alles tun, um den Opfern zu helfen, die Hintergründe des Unglücks aufzuklären und ähnliche Katastrophen in der Zukunft zu verhindern.

Der Damm war erst kürzlich von Experten des TÜV Süd untersucht worden. Bei der Inspektion im September seien "nach unserem momentanen Kenntnisstand keine Mängel festgestellt" worden, sagte ein Unternehmenssprecher in Deutschland auf AFP-Anfrage. "Wir werden die Ermittlungen vollumfänglich unterstützen."

Nach Angaben von Vale-Chef Schvartsman wurden auch bei einer weiteren Inspektion am 10. Januar keine Mängel entdeckt. Der 1976 gebaute und 86 Meter hohe Damm war zum Abriss vorgesehen.

Vor rund drei Jahren hatte sich bereits an einer anderen von Vale betriebenen Mine im selben Bundesstaat eine Katastrophe ereignet. Damals kamen 19 Menschen ums Leben, eine Schlammlawine erstreckte sich auf mehr als 650 Kilometer und löste die größte Umweltkatastrophe in der brasilianischen Geschichte aus.

Das neuerliche Unglück zeige, dass die brasilianische Regierung und die Bergbauunternehmen keine Lehren aus der Vergangenheit gezogen hätten, erklärte die Umweltschutzorganisation Greenpeace. Es handele sich "nicht um Unfälle, sondern um Umweltkriminalität, die untersucht, bestraft und wiedergutgemacht werden muss".

Vale wurde am Samstag mit einer ersten Strafzahlung des Umweltministeriums in Höhe von 66,5 Millionen Dollar (58,5 Millionen Euro) belegt. Die Behörden des Bundesstaates ließen zudem 265 Millionen Dollar auf Konten des Bergbauunternehmens für mögliche Entschädigungszahlungen an Opfer und dann noch einmal weitere 1,35 Milliarden Dollar einfrieren. Der Aktienkurs des Unternehmens stürzte nach dem Unglück ab.

AFP

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