VG-Wort Pixel

Bei der UN-Biodiversitätskonferenz COP15 in Kanada steht viel auf dem Spiel

Pelikane im Sudan
Pelikane im Sudan
© AFP
Die UN-Biodiversitätskonferenz COP15 ist im kanadischen Montreal am Mittwoch mit einer gewaltigen Aufgabe gestartet: Binnen zwei Wochen sollen die Delegierten aus fast 200 Ländern ein historisches Abkommen schließen, wenn sie die unwiederbringliche Auslöschung von Tier- und Pflanzenarten sowie Ökosystemen verhindern wollen. Die Konferenz sei die Chance, "diese Orgie der Zerstörung zu stoppen und einen Friedenspakt mit der Natur zu schließen", sagte Chinas Umweltminister Huang Runqiu bei der offiziellen Eröffnung.

China hat den Vorsitz der COP15 inne. Wegen Pekings strenger Null-Covid-Politik findet die Konferenz vom 7. bis 19. Dezember jedoch in Kanada statt. 

UN-Generalsekretär António Guterres hatte am Vortag eindringlich an die Teilnehmer appelliert, den Gipfel zu nutzen, um das Ruder herumzureißen. Durch ihr unkontrolliertes Wirtschaftswachstum sei "die Menschheit zu einer Massenvernichtungswaffe geworden", warnte er. Die Konferenz sei "unsere Chance, diese Orgie der Zerstörung zu stoppen".

Das Ziel der Delegierten ist der Abschluss einer globalen Vereinbarung, um dem Artensterben bis 2050 wirksam Einhalt zu gebieten. Umweltorganisationen vergleichen das erhoffte Abkommen in seiner Bedeutung mit dem Pariser Klimaschutzabkommen. "Um unser lebenserhaltendes System auf der Erde zu sichern, müssen wir den Schaden an der Natur auf Null reduzieren", erklärte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK), Johan Rockström.

Die Zeit drängt: Schätzungen zufolge sind derzeit etwa eine Million der mutmaßlich acht Millionen Tier- und Pflanzenarten auf der Erde vom Aussterben bedroht. In den vergangenen 500 Jahren sind bereits allein 680 Wirbeltierarten für immer verschwunden und in den vergangenen Jahrzehnten hat sich das Artensterben massiv beschleunigt. 

Ein zentrales Vorhaben für die COP15 ist aus Sicht der Bundesregierung, bis 2030 mindestens 30 Prozent der Fläche an Land und im Meer unter Schutz zu stellen. Auch Deutschland hat nach Angaben von Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) trotz guter Ansätze noch "Hausaufgaben" beim Thema Schutzgebiete zu machen. Über "Jahrzehnte, teilweise Jahrhunderte gewachsene Wirtschaftsmodelle" müssten geändert werden, "wenn wir unseren Kindern einen Planeten übergeben wollen, auf dem sie noch gerne leben und wirtschaften können". Dafür müssten die Subventionen in der Landwirtschaft "an Biodiversitätszielen ausgerichtet werden".

Auch der Bund für Umwelt und Naturschutz sieht in Deutschland noch großen Verbesserungsbedarf. "Die Bundesregierung muss dafür sorgen, Deutschlands viel zu großen ökologischen Fußabdruck in der Welt zu verkleinern", erklärte der Vorsitzende Olaf Bandt. "Würden alle Menschen der Erde so leben wie wir, bräuchten wir drei Planeten." Naturschädliche Subventionen, Investitionen und Handelsverträge wie Mercosur müssten umgehend gestoppt werden.

Das Artenschutzabkommen soll unter anderem auch Vorgaben zur Renaturierung zerstörter Ökosysteme, weniger Pestizideinsatz und weniger Plastikmüll enthalten. Wie beim Klimaschutz sollen alle Staaten auch für den Schutz der Biodiversität nationale Strategie- und Aktionspläne (NBSAP) vorlegen. Diese sollen dann auf Grundlage der Berichte des Weltbiodiversitätsrats (IPBES) regelmäßig nachgebessert werden.

Doch nach drei Jahren zäher Zwischenverhandlungen zur Vorbereitung der COP15 bleibt eine Einigung ungewiss, da es noch etliche Streitpunkte gibt. Nur in fünf von mehr als 20 Punkten konnte bislang eine Einigung erzielt werden. "Wir haben jetzt lange, lange verhandelt. Alle sprechen von Kompromissen, aber wir kommen nicht schnell genug voran", sagte die Chefin des UN-Umweltprogramms (Unep), Inger Andersen, am Mittwoch.

Einer der größten Streitpunkte ist die Finanzierung. Mehrere Staaten fordern, dass die reichen Länder mindestens 100 Milliarden Dollar (gut 95 Milliarden Euro) pro Jahr für den Artenschutz in Entwicklungsländern bereitstellen. Einige Länder haben sich zudem für einen Biodiversitäts-Fonds ausgesprochen, was die Industrieländer weitgehend ablehnen. Sie wollen stattdessen bestehende Finanzierungsmechanismen, insbesondere über die Entwicklungsbanken, verbessern. 

AFP

Mehr zum Thema

Das könnte sie auch interessieren

Newsticker