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Beobachtungsstelle hat keine Hinweise auf Chemiewaffen-Angriff in Syrien

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat anders als die USA keinerlei Hinweise auf einen neuen Chemiewaffen-Angriff der Truppen von Präsident Baschar al-Assad in Syrien.

Kämpfe im Nordwesten Syriens

Kämpfe im Nordwesten Syriens

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte hat anders als die USA keinerlei Hinweise auf einen neuen Chemiewaffen-Angriff der Truppen von Präsident Baschar al-Assad in Syrien. "Wir haben überhaupt keine Beweise für den Angriff", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdul Rahman, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP. Seine Organisation habe "keinen Chemiewaffen-Angriff in den Bergen von Latakia dokumentiert".

Das US-Außenministerium hatte am Dienstag mitgeteilt, es gebe "Hinweise" auf eine "mutmaßliche Chlorgas-Attacke im Nordwesten Syriens" am Sonntagmorgen. "Wir sammeln noch Informationen über den Vorfall, aber wir wiederholen unsere Warnung, dass, falls das Assad-Regime Chemiewaffen benutzt, die USA und unsere Verbündeten schnell und in angemessener Weise antworten werden", erklärte eine Sprecherin.

Die Dschihadistenmiliz Hajat Tahrir al-Scham (HTS) hatte den syrischen Regierungstruppen bereits am Sonntag vorgeworfen, gegen HTS-Kämpfer im Norden der Provinz Latakia Chlorgas eingesetzt zu haben. Ein syrischer Militärvertreter wies die Vorwürfe in der Zeitung "Al-Watan" als erfunden zurück.

Rahman sagte, eine unabhängige Bestätigung für den Vorfall sei fast unmöglich, da sich zum Zeitpunkt der mutmaßlichen Attacke nur Dschihadisten in der Region aufgehalten hätten. "Es waren keine Zivilisten in der Gegend", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, die ihre Informationen von Aktivisten in Syrien bezieht.

Auch die syrischen Rettungskräfte Weißhelme, die frühere Chemiewaffenangriffe in Rebellengebieten in Syrien bekannt gemacht hatten, haben nach eigenen Angaben keine Informationen über einen neuen Giftgasangriff.

Im Syrien-Konflikt wurde schon mehrfach Giftgas eingesetzt. Für einen Angriff mit dem Giftgas Sarin auf das Dorf Chan Scheichun im April 2017 mit mehr als 80 Toten hatte die UNO die Regierungstruppen verantwortlich gemacht. Auch für einen Chemiewaffenangriff in der früheren Rebellenbastion Ost-Ghuta im April 2018, bei dem mehr als 40 Menschen getötet wurden, machten westliche Staaten die Regierung verantwortlich. Die USA, Frankreich und Großbritannien flogen daraufhin Vergeltungsangriffe auf Chemiewaffenanlagen in Syrien.

Syrien und Russland wiesen solche Vorwürfe stets zurück. Damaskus gibt an, seit einem Abkommen von 2013 über keine Chemiewaffen mehr zu verfügen.

AFP

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