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Bericht: Massive Versäumnisse von Großbanken bei Kampf gegen Geldwäsche

Deutsche Bank
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© © 2020 AFP
Geheime Unterlagen des US-Finanzministeriums enthüllen nach weltweiten Recherchen zahlreicher Medien-Partner erhebliche Probleme internationaler Großbanken wie der Deutschen Bank bei der Bekämpfung

Geheime Unterlagen des US-Finanzministeriums enthüllen nach weltweiten Recherchen zahlreicher Medien-Partner erhebliche Probleme internationaler Großbanken wie der Deutschen Bank bei der Bekämpfung der Geldwäsche. Aus den US-Dokumenten gehe hervor, dass Banken aus aller Welt über Jahre hinweg Geschäfte mit hochriskanten Kunden abgewickelt hätten, berichteten "Süddeutsche Zeitung", WDR und NDR am Sonntagabend.

Trotz strenger Regularien akzeptierten die Geldhäuser mutmaßliche Mafiosi, Millionenbetrüger und sanktionierte Oligarchen als Kunden und führten für diese Überweisungen in Milliardenhöhe aus. Gemeldet worden seien diese Vorgänge mitunter nur sehr zögerlich und zum Teil mit jahrelanger Verspätung.

Einige der weltgrößten Geldhäuser, darunter die Deutsche Bank, JP Morgan und die HSBC, hätten sogar dann noch Geschäfte mit zweifelhaften Kunden gemacht, nachdem sie in den USA bereits mangelhafte Präventionsmaßnahmen eingeräumt hatten oder wegen Geldwäsche-Verstößen sanktioniert worden waren. In zahlreichen Fällen unterliefen Banken dem Bericht zufolge dabei offenbar ihre eigenen Standards zur Bekämpfung von Geldwäsche, etwa bei der Überprüfung von Neukunden.

Das Datenleak bringe auch die Deutsche Bank in Erklärungsnot, hieß es weiter. Nach Einschätzung von US-Ermittlern sollen demnach russische Kriminelle und ein für Terrorgruppen tätiger Geldwäscher unter anderem über die Moskauer Filiale der Deutschen Bank Geld gewaschen haben.

Das Finanzinstitut erklärte auf Anfrage von AFP am Sonntagabend, die "SZ" und ihre Recherchepartner hätten "über eine Reihe historischer Themen" berichtet, die, soweit sie die Deutsche Bank beträfen, den Aufsichtsbehörden bereits bekannt seien. Die Deutsche Bank und andere Bankhäuser hätten anerkanntermaßen bereits mit "Mängelbeseitigung" reagiert. "Wo nötig und angemessen, haben wir Konsequenzen gezogen", hieß es in der Stellungnahme weiter.

Die Informationen sind das Ergebnis einer gemeinsamen Recherche zahlreicher Medien-Partner, die unter dem Namen FinCEN-Files veröffentlicht wird und die auf tausenden Seiten geheimer Geldwäsche-Verdachtsmeldungen beruht. Das US-Onlinemedium "Buzzfeed News" hatte den Angaben zufolge die Unterlagen mit dem International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) geteilt und so eine weltweite Recherche von 110 Medien aus 88 Ländern ermöglicht. Etwa 400 Journalistinnen und Journalisten haben sich daran beteiligt - in Deutschland NDR, WDR, "Süddeutsche Zeitung" und "Buzzfeed News".

AFP

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