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Beziehung Brüssel-London: Brexit-Chaos: EU will sich zu Mays «Plan B» äußern

Viel Neues hatte Premierministerin May im Unterhaus zum Gezerre um den Brexit gestern nicht zu bieten. Heute will nun Brüssel reagieren. Großes Entgegenkommen kann London nicht mehr erwarten.

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Noch immer sind die genauen Modalitäten des anstehenden Brexit ungeklärt. Foto: Tim Irland/XinHua

Nach der jüngsten Erklärung von Theresa May zum Brexit will die EU-Kommission heute offiziell zu den Vorschlägen der britischen Premierministerin Stellung nehmen.

In einer ersten Reaktion hatte die EU aber bereits ablehnend auf den Vorstoß von May zu Nachverhandlungen reagiert. Seit vergangener Woche habe sich nichts geändert, erklärte ein Sprecher von EU-Ratschef Donald Tusk. «Wir sind immer bereit, uns zu treffen und zu reden.» Doch hätten die bleibenden 27 EU-Staaten schon im Dezember gesagt, dass das mit May ausgehandelte Austrittsabkommen nicht nachverhandelt werden könne. Der SPD-Europapolitiker Udo Bullmann bezeichnete die Lage in London als «vernagelt».

Kanzlerin Angela Merkel (CDU) rief die britische Regierung zu raschen und in London konsensfähigen Vorschlägen auf. «Die Bundesregierung erwartet, dass die britische Regierung sich bald auf Vorschläge einigt, die von einer Mehrheit des Unterhauses unterstützt werden», teilte ein deutscher Regierungssprecher am Montagabend mit. «Die Bundesregierung setzt sich weiter für einen geordneten Austritt Großbritanniens aus der EU ein.» CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer forderte das Parlament in London auf, endlich zu einer klaren Haltung zu kommen. Eine Verschiebung des Brexit-Datums «macht ja nur dann Sinn, wenn vorher klar ist, über was nochmal gesprochen wird».

Großbritannien soll eigentlich am 29. März die EU verlassen. May hatte am Montag im britischen Parlament deutlich gemacht, dass sie die schwierige Irland-Frage aus den Brexit-Gesprächen wieder aufmachen wolle. Dabei dreht sich alles wieder um die Garantie einer offenen Grenze zwischen dem EU-Staat Irland und dem britischen Nordirland, den sogenannten Backstop. Die Klausel war einer der Gründe dafür, dass das britische Unterhaus das Austrittsabkommen vorige Woche mit großer Mehrheit ablehnte - und das, obwohl sich EU und Großbritannien einig sind, dass eine feste Grenze zwischen Irland und Nordirland neue Gewalt in der früheren Bürgerkriegsregion anfachen könnte.

May hatte zudem Forderungen zurückgewiesen, einen Brexit ohne Abkommen auszuschließen. Auch einem zweiten Referendum zum britischen EU-Austritt erteilte sie eine erneute Absage.

Bullmann sieht dagegen eine neue Volksabstimmung in Großbritannien als einzigen Ausweg. «Ich glaube, die Situation ist vernagelt nach allen Richtungen», sagte der Fraktionschef der Sozialdemokraten im Europaparlament der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. «Um Stabilität zurückzugewinnen, muss man das Volk fragen.» May habe keinen Plan B vorgelegt, sondern nur wiederholt, sie lote einen Konsens im Unterhaus aus und wolle dann erneut mit der Europäischen Union reden, monierte Bullmann.

Auch der langjährige EU-Abgeordnete Elmar Brok äußerte sich enttäuscht über Mays Rede. «Ich habe keinen Plan B gehört. Ich habe nur gehört, dass Regierung und Opposition in Großbritannien jetzt miteinander reden wollen», sagte der CDU-Politiker am Montag dem Nachrichtenportal t-online.de. Brok warnte vor den Folgen fehlender Kompromissbereitschaft der verschiedenen Lager im britischen Parlament. «Wenn alle weiter auf den eigenen Positionen beharren, geht gar nichts. Dann passiert der Unfall, der harte Brexit, obwohl ihn niemand will.»

Die Brexit-Expertin der Grünen im Europaparlament, Terry Reintke, äußerte sich ähnlich kritisch und plädierte ebenfalls für eine neue Volksabstimmung. «Der sogenannte Plan B zeigt: May hat nichts aus ihren Fehlern gelernt», erklärte Reintke der dpa. Trotz Mays Niederlage sei keine Kehrtwende in Sicht. Die Premierministerin mache auch keine Vorschläge, wie der Friedensprozess in Irland nach dem Brexit gesichert werden solle.

«Sie muss endlich erkennen, dass sie sich in eine Sackgasse manövriert hat», meinte Reintke. «Dass May erneut einen «People’s Vote» ausschließt, ist genau der falsche Weg.»

dpa

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