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Bolivianischer Oppositionskandidat erhebt Vorwürfe gegen Präsident Morales

Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Bolivien steigen die Spannungen.

Boliviens Ex-Staatschef Carlos Mesa

Boliviens Ex-Staatschef Carlos Mesa

Nach der ersten Runde der Präsidentschaftswahl in Bolivien steigen die Spannungen. Der zweitplatzierte Oppositionskandidat Carlos Mesa warf Präsident Evo Morales am Montag vor, er wolle eine Stichwahl verhindern. Der Amtsinhaber wolle mit Hilfe der Wahlkommission "den Weg zu einer zweiten Wahlrunde versperren".

Auch ein Vertreter der US-Regierung forderte die bolivianischen Behörden dazu auf, Transparenz bei der Stimmauszählung zu gewährleisten. In der Hauptstadt La Paz stiegen die Spannungen: Hunderte Anhänger von Morales und von Mesa standen sich auf einem zentralen Platz gegenüber.

Die Wahlbehörden aktivierten angesichts der Kritik wieder ein System zum schnellen Auszählen der Stimmzettel. Dieses sah Morales nach Auszählung von 95 Prozent der Stimmen bei 46,4 Prozent und Mesa bei 37,07 Prozent. Demnach würden Morales nur 0,67 Punkte fehlen, um die Stichwahl zu vermeiden und im ersten Wahlgang zu gewinnen.

Denn für einen Sieg in der ersten Runde benötigt ein Kandidat nach bolivianischem Wahlrecht entweder mehr als 50 Prozent der Stimmen oder mehr als 40 Prozent und mindestens zehn Punkte Abstand zum Zweitplatzierten. Die Differenz lag am Montag laut Wahlbehörden bei 9,33 Punkten.

Am Sonntagabend veröffentlichte Teilergebnisse auf Grundlage von 84 Prozent der Stimmen hatten Morales noch bei 45,28 und Mesa bei 38,16 Prozent gesehen. Danach waren die Ergebnisse zunächst nicht mehr aktualisiert worden.

Nach Bekanntgabe dieser Teilergebnisse war Morales nicht auf die zweite Wahlrunde eingegangen, die am 15. Dezember abgehalten würde. Bislang hatte Morales, der erste indigene Staatschef des südamerikanischen Landes, alle Präsidentschaftswahlen im ersten Wahlgang gewonnen.

Die Kandidatur des seit 2006 regierenden Morales für eine vierte Amtszeit ist umstritten. Boliviens Verfassung verbietet eigentlich eine vierte Amtszeit. Das oberste Wahlgericht hatte jedoch im vergangenen Dezember eine erneute Kandidatur Morales' genehmigt.

AFP