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Bolsonaro wiederholt Verdacht gegen Umweltschützer wegen Waldbränden

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat der Presse vorgeworfen, seine Aussagen über Umweltschützer als mögliche Verursacher der schweren Waldbrände am Amazonas verzerrt zu haben und seinen Verdacht

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro

Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro hat der Presse vorgeworfen, seine Aussagen über Umweltschützer als mögliche Verursacher der schweren Waldbrände am Amazonas verzerrt zu haben und seinen Verdacht gleichzeitig wiederholt. "Zu keinem Moment habe ich die NGOs der Feuer im Amazonas-Gebiet beschuldigt. Es ist unglaublich was in den Zeitungen geschrieben wird", sagte er am Donnerstag in Brasília. "Jeder" könne hinter den Waldbränden stecken, "aber die Hauptverdächtigen kommen von den NGOs", setzte der Präsident hinzu.

Am Mittwoch hatte der ultrarechte Staatschef gesagt, er gehe von Brandstiftung aus. Er vermute eine "kriminelle Aktion" von Umweltorganisationen mit dem Ziel, ihm und seiner Regierung zu schaden. Bolsonaro verwies auf angebliche Finanznöte der betreffenden Organisationen.

Nur einen Tag später griff er die Journalisten scharf an. "Die brasilianische Presse verbringt die Zeit mit dem Erfinden von Geschichten, aber mich als Nero zu bezeichnen, der Feuer legt, ist unverantwortlich, das ist eine Kampagne gegen Brasilien", sagte er.

Es habe schon immer Waldbrände gegeben und werde sie auch immer geben. "Leider passiert das in Amazonas", sagte er mit Verweis auf den brasilianischen Bundesstaat im Norden des Landes, wo sich die Waldbrände konzentrieren.

Umweltschützer wiesen die Anschuldigungen bei einer Protestaktion am Rande einer UN-Klimakonferenz in der Stadt Salvador als "absurd" zurück. Die Brände seien die Folge einer "Politik der Umweltzerstörung und der Unterstützung für die Agrarindustrie", sagte Camila Veiga vom brasilianischen Dachverband der Nichtregierungsorganisationen der Nachrichtenagentur AFP.

Die Zahl der Waldbrände in Brasilien war in den ersten acht Monaten des Jahres drastisch angestiegen. Zwischen Januar und August gab es nach offiziellen Angaben 72.843 Waldbrände, die sich in den Bundesstaaten am Amazonas konzentrieren. 2018 waren es im gleichen Zeitraum 39.759 Brände gewesen.

Zudem nahm die Abholzung in Brasilien deutlich zu, wie aus einem Bericht des brasilianischen Weltraumforschungsinstituts INPE im Juni hervorging. Umweltschützer sehen darin den Grund für die Zunahme der Waldbrände in der Amazonas-Region. Der WWF wies darauf hin, dass die "Nutzung von Feuer" eine der "Techniken für Baumrodungen" sei.

Als Reaktion auf die verstärkte Rodung legten das Bundesumweltministerium sowie Norwegen die millionenschwere Förderung für Waldschutz- und Biodiversitätsprojekte in dem südamerikanischen Land auf Eis.

Bolsonaro hatte die INPE-Daten hingegen als Lügen bezeichnet und den Direktor des Instituts gefeuert. Brasiliens Präsident zweifelt den menschengemachten Klimawandel an und ist ein Freund der Agrarindustrie. Umweltschützer werfen ihm vor, mit seinen Aussagen gegen den Umweltschutz Holzfäller, Bergleute und Bauern zum Raubbau am Amazonaswald zu ermutigen.

Die Grünen im Bundestag forderten von der Bundesregierung, "jeden Hebel in Bewegung" zu setzen, "um der Zerstörung des Regenwalds Einhalt zu gebieten". Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) müsse dafür sorgen, dass das umstrittene Freihandelsabkommen mit den Mercosur-Staaten in seiner derzeitigen Fassung nicht in Kraft trete, erklärten Fraktionschef Anton Hofreiter und die handelspolitische Sprecherin Katharina Dröge in einer gemeinsamen Mitteilung. Durch das Abkommen werde die massive Abholzung des Amazonas weiter vorangetrieben.

AFP