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Britischer Premier erstmals seit Corona-Genesung wieder in der Öffentlichkeit

Johnson tritt ertsmals wieder öffentlich auf
Johnson tritt ertsmals wieder öffentlich auf
© © 2020 AFP
Der von einer Coronavirus-Infektion genesene britische Premierminister Boris Johnson ist am Montag an seinen Amtssitz in der Londoner Downing Street zurückgekehrt.

Der von einer Coronavirus-Infektion genesene britische Premierminister Boris Johnson ist am Montag an seinen Amtssitz in der Londoner Downing Street zurückgekehrt. Bei seinem ersten öffentlichen Auftritt nach seiner Covid-19-Erkrankung sagte Johnson, bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie beginne sich in Großbritannien "das Blatt zu wenden". Ein Ende des Lockdowns ist vorerst aber nicht in Sicht.

Johnson wirkte bei seinem ersten Auftritt nach seiner Genesung dünner, sein Haar etwas länger. Der 55-Jährige entschuldigte sich in seiner Ansprache dafür, "viel länger" weg gewesen zu sein, als er wollte.

Er dankte den Briten dafür, dass sie die seit rund einem Monat geltenden Anweisungen, zu Hause zu bleiben, eingehalten hätten. Dies habe dazu beigetragen, dass sich die Ausbreitung des Virus verlangsame und das nationale Gesundheitssystem NHS nicht überfordert worden sei. "Damit und deshalb sind wir nun dabei, das Blatt zu wenden", sagte Johnson.

Johnson war selbst schwer an der vom neuartigen Coronavirus ausgelösten Lungenkrankheit Covid-19 erkrankt und musste zwischenzeitlich auf der Intensivstation behandelt werden. Am 12. April wurde der 55-Jährige aus dem Krankenhaus entlassen, in den vergangenen zwei Wochen erholte er sich auf dem Regierungs-Landsitz Chequers nahe London. Als sein Stellvertreter war Außenminister Dominic Raab eingesprungen.

Raab hatte am Sonntag in der BBC gesagt, Johnsons Rückkehr werde die Regierung und das Land stärken. Kritiker hatten die Regierung während Johnsons Abwesenheit als führungslos beschrieben. Bereits am Montag sollte Johnson ein Treffen des Krisenkabinetts zur Corona-Pandemie leiten.

Der Premier steht unter Druck, einen Fahrplan hinsichtlich möglicher Lockerungen bei den strikten Eindämmungsmaßnahmen vorzulegen. Diese waren nach anfangs zögerlicher Reaktion der Regierung am 23. März verhängt und am 16. April verlängert worden. Eine Neubewertung der Lage ist für den 7. Mai geplant.

Johnson machte bei seinem Auftritt am Montag keine Angaben dahingehend, dass die strikten Maßnahmen zur Eindämmung des Virus demnächst gelockert werden könnten. Stattdessen rief er die Bevölkerung auf, die Vorgaben vorerst weiter zu befolgen, um einen Wiederanstieg der Infektionszahlen zu vermeiden.

Das Vereinigte Königreich ist eines der am schwersten von der Pandemie betroffenen Länder Europas. Mehr als 20.000 Menschen starben dort nach jüngsten offiziellen Angaben an den Folgen einer Coronavirus-Infektion. Die Totenzahl ist aber noch deutlich höher, wenn die Todesfälle in Altenheimen mitgerechnet werden.

Nach Angaben vom Sonntag gab es in den Krankenhäusern zuletzt 413 Corona-Todesfälle binnen eines Tages - die niedrigste Zahl seit einem Monat. Gesundheitsexperten meldeten zudem weniger Klinikeinweisungen sowie weniger Patienten in Intensivbehandlung. Damit die Zahlen nicht wieder stiegen, müssten die Eindämmungsmaßnahmen aber fortgeführt werden, hieß es.

Raab hatte am Sonntag gesagt, die strengen Regeln würden noch "für einige Zeit" bestehen bleiben und stellten den "neuen Normalzustand" dar. Die Regierung könne nicht zulassen, dass "das Coronavirus das Land wieder in Beschlag nimmt".

Hinter den Kulissen ist die Regierung Medienberichten zufolge jedoch gespalten. Ranghohe Politiker sorgen sich demnach um die Folgen längerer Einschränkungen. Auch in den eigenen Reihen gibt es Forderungen an Johnson, die Einschränkungen zu lockern.

"Ich weiß, es ist schwer, und ich will die Wirtschaft so schnell wie möglich wieder hochfahren", sagte Johnson am Montag. "Aber ich weigere mich, all die Bemühungen und Opfer der britischen Bevölkerung über Bord zu werfen und einen zweiten großen Ausbruch, einen hohen Verlust an Menschenleben und eine Überforderung des NHS zu riskieren."

AFP

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