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Bundesaußenminister Maas warnt vor "humanitärem Drama" am Tschadsee

Armut, Hunger und Gewalt haben in Nigeria, Niger, Kamerun und dem Tschad Millionen Menschen in die Flucht getrieben: In Berlin sind am Montag Vertreter von Deutschland, Norwegen und der UNO mit

Maas bei der Eröffnung der Tschadsee-Konferenz im Auswärtigen Amt

Maas bei der Eröffnung der Tschadsee-Konferenz im Auswärtigen Amt

Armut, Hunger und Gewalt haben in Nigeria, Niger, Kamerun und dem Millionen Menschen in die Flucht getrieben: In Berlin sind am Montag Vertreter von Deutschland, Norwegen und der UNO mit Politikern aus der Tschadsee-Region zusammengekommen, um Hilfsgelder einzuwerben und über Lösungsansätze zu beraten. Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) sagte, am Tschadsee spiele sich "eines der größten humanitären Dramen unserer Zeit" ab.

In der Region um den Tschadsee am südlichen Rand der Sahara sind nach Angaben der UNO derzeit fast 2,4 Millionen Menschen auf der Flucht. Allein in gibt es 1,9 Millionen Binnenvertriebene, die vor der Gewalt der Islamistengruppe Boko Haram geflohen sind. Armut und der Klimawandel verschärfen die Situation: Nach Angaben von Hilfsorganisationen sind in der Region insgesamt elf Millionen Menschen auf Hilfe angewiesen.

Bei der Tschadsee-Konferenz beraten Vertreter der Anrainerstaaten daher zusammen mit den Gastgebern , Nigeria, Norwegen und der UNO über humanitäre Hilfe, Stabilisierung und nachhaltige Entwicklung in der Krisenregion. Neben mehr als 50 Delegationen nehmen auch der Leiter des UN-Entwicklungsprogramms UNDP, Achim Steiner, und der Leiter des UN-Nothilfebüros (Ocha), Mark Lowcock, an dem zweitägigen Treffen teil.

Vor Beginn der Konferenz sagte den Zeitungen der Funke Mediengruppe, die Tschadsee-Region sei zum "Tummelplatz" von Gruppen wie Boko Haram oder der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) geworden, "die auch für unsere Sicherheit in Europa eine Bedrohung sind". Europa könne sich deshalb nicht erlauben wegzuschauen.

Bei der Eröffnung der Konferenz erinnerte Maas an die mehr als 200 Mädchen, die 2014 von -Kämpfern aus einer Schule in der Stadt Chibok entführt worden waren. Das Leid dieser Mädchen und die Verzweiflung der Eltern hätten weltweit "die Menschen ins Herz getroffen" und dem Konflikt "ein Gesicht gegeben". Seitdem sei der Konflikt zwar wieder aus den Medien verschwunden, vorüber sei er aber noch lange nicht.

Zuletzt hätten sich die Anschläge auf Sicherheitskräfte, Märkte, Moscheen und Kirchen wieder gehäuft, sagte Maas. Große Gebiete außerhalb der Städte seien noch immer unsicher. Inzwischen gebe es aber auch Hoffnung, die "Abwärtsspirale" doch noch zu stoppen, sagte Maas. Er lobte vor allem die Entscheidung der betroffenen Länder, mit einer gemeinsamen Eingreiftruppe gegen Boko Haram vorzugehen. Die Islamisten seien so zurückgedrängt worden.

Die internationale Gemeinschaft habe die betroffenen Länder zudem von Anfang an unterstützt, betonte Maas. Im vergangenen Jahr wurden bei einer Geberkonferenz in Oslo 672 Millionen Dollar (579 Millionen Dollar) an Hilfsgeldern eingeworben. Angepeilt waren allerdings 1,5 Milliarden Dollar. Nach Angaben von Hilfsorganisationen ist von der zugesagten Summe bisher nur die Hälfte ausgezahlt worden.

Die 100 Millionen Euro, die Deutschland in Oslo zugesagt hat, sind nach Angaben von Maas bereits vollständig in Projekte geflossen. Bis 2020 werde die Bundesregierung weitere 100 Millionen Euro für humanitäre Hilfe in der Tschadsee-Region bereitstellen, kündigte der Außenminister an.

Kameruns Staatsminister für auswärtige Beziehungen, Félix Mbayu, sagte, die Hilfe sei bisher nicht ausreichend gewesen. Boko Haram habe ganze Wirtschaftszweige wie die Landwirtschaft zerstört. Gebraucht werde ein Hilfsfonds für die Opfer und zur Entwaffnung und Wiedereingliederung der Boko-Haram-Kämpfer. Auch Nigers Minister für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz, Laouan Magagi, forderte verstärkte Anstrengungen, um die Extremisten einzugehen und irgendwann wieder in die Gesellschaft einzugliedern.

Hilfsorganisationen forderten, vor allem mehr für den Schutz der Zivilbevölkerung zu tun. Viele Hilfsbedürftige in der Region könnten aufgrund der instabilen Lage gar nicht erreicht werden, kritisierte die Diakonie Katastrophenhilfe. Caritas International forderte, Vertriebene nicht zur Rückkehr in ihre Heimatdörfer zu zwingen, "wenn sie dort weiterhin Gewalttaten befürchten müssen".

AFP

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