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China verlängert wegen Virus-Epidemie Neujahrsferien bis Ende der Woche

Der Kampf gegen das neuartige Coronavirus in China führt zu immer drastischeren Maßnahmen: Angesichts des sprunghaften Anstiegs der Krankenzahlen verlängerte die Zentralregierung am Montag

Fieberkontrollen an einer Autobahn in Shandong

Fieberkontrollen an einer Autobahn in Shandong

Der Kampf gegen das neuartige Coronavirus in China führt zu immer drastischeren Maßnahmen: Angesichts des sprunghaften Anstiegs der Krankenzahlen verlängerte die Zentralregierung am Montag kurzfristig die Ferien zum chinesischen Neujahr um drei Tage. Das Nachbarland Mongolei schloss seine knapp 4700 Kilometer lange Grenze zu China. Nach entsprechenden Ankündigungen aus Washington, Tokio und Paris zieht nun auch Deutschland eine Evakuierung seiner Staatsbürger aus Wuhan in Betracht.

Mit der Verlängerung der landesweiten Ferien bis Sonntag will die chinesische Regierung nach eigenen Angaben große Menschenansammlungen und damit eine weitere Ausbreitung des Erregers verhindern. Zuvor hatte sie mitgeteilt, dass die Zahl der Toten auf inzwischen 81 gestiegen sei. Die Zahl der landesweit registrieren Krankheitsfälle stieg um mehr als 700 auf knapp 2750 an. Hinzu kommen rund 6000 Verdachtsfälle.

Als erstes ranghohes Mitglied des Politbüros reiste am Montag Ministerpräsident Li Keqiang in die zentralchinesische Provinz Hubei und ihre Hauptstadt Wuhan, dem Epizentrum der Epidemie. Im Arztkittel und mit Atemschutzmaske begutachtete Li in Wuhan und umliegenden Städten die Kontrollmechanismen zur Eindämmung des Virus, wie der Staatsrat mitteilte. Li wollte demnach auch mit Patienten und medizinischem Personal sprechen.

Die chinesischen Behörden versuchen die Ausbreitung des Virus mit Hilfe drastischer Reisebeschränkungen zu stoppen. Neben der Millionenmetropole Wuhan, wo die Ausbreitung des Virus im Dezember ihren Ausgang genommen hatte, steht inzwischen praktisch die gesamte Provinz Hubei unter Quarantäne, betroffen sind rund 56 Millionen Menschen. Mehrere Großstädte, darunter Peking und Shanghai, setzten zudem den Verkehr von Überlandbussen aus.

Aus Sorge, das Virus könnte auch die Mongolei erreichen, schloss die Regierung in Ulan Bator die Grenzen zu China. Ministerpräsident Enkhtuvshin Ulziisaikhan kündigte zudem die Schließung aller Schulen und Universitäten sowie anderer öffentlicher Plätze bis zum 2. März an. Massenveranstaltungen wie etwa Konferenzen, Sportkämpfe und Konzerte sowie Reisen wurden untersagt.

Das Virus hat inzwischen rund ein Dutzend weitere Länder erreicht, darunter die USA, die am Sonntag einen fünften Infektionsfall meldeten, Australien sowie, als erstes europäisches Land, Frankreich. Österreich meldete am Montag zwei neue Verdachtsfälle, zwei vorherige hatten sich nicht bestätigt.

Nach den USA und Japan will nun auch Frankreich seine Staatsbürger aus Wuhan ausfliegen, wenn sie das wünschen. Mitte der Woche werde sie dafür einen direkten Sonderflug zur Verfügung stellen, kündigte Gesundheitsministerin Agnès Buzyn am Sonntagabend nach einer Krisensitzung mit Premierminister Edouard Philippe an.

Die Bundesregierung bereitet nun ebenfalls eine mögliche Evakuierung von Deutschen aus Wuhan vor. Sie ziehe eine eine mögliche Evakuierung aller ausreisewiligen Deutschen "in Betracht", sagte Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) kurz vor einer Sitzung des Krisenstabs im Auswärtigen Amt in Berlin. In Wuhan und seiner Umgebung halten sich derzeit laut Auswärtigem Amt rund 90 Deutsche auf.

Der Präsident des Robert-Koch-Instituts, Lothar Wieler, schätzte die Gesundheitsgefahren durch das Virus in Deutschland selbst als "sehr gering" ein. Deutschland sei zudem "absolut gut vorbereitet" auf mögliche Infektionsfälle, betonte Wieler im ZDF-"Morgenmagazin".

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus, reiste unterdessen nach Peking, um mit Regierung und Experten über weitere Maßnahmen zu beraten. Er sei bereits auf dem Weg, schrieb Tedros am Sonntag auf Twitter. Nach einer Krisensitzung vergangene Woche hatte die WHO zunächst darauf verzichtet, den weltweiten Gesundheitsnotstand auszurufen. Zur Begründung hieß es, dass es außerhalb Chinas "keine Hinweise" auf eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Krankheitserregers gebe.

AFP

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