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Corona-Pandemie Maas skeptisch zu Beschaffung von russischem Impfstoff

Außenminister Maas in Serbien
Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD,v) mit Aleksandar Vucic (hinten l), Präsident von Serbien, im Gespräch. Maas ist auf einer zweitägigen Balkanreise im Kosovo und in Serbien. Foto: Michael Fischer/dpa
© dpa-infocom GmbH
Im deutschen Impfstau ist Sachsen vorgeprescht - es will in großen Mengen russischen Impfstoff bestellen. Außenminister Maas besucht indes Serbien, wo Sputnik V seit Monaten verabreicht wird.

Bundesaußenminister Heiko Maas hat sich zurückhaltend zu einer im großen Stil geplanten Beschaffung von russischem Impfstoff zur Immunisierung gegen Covid-19 geäußert.

Im Moment scheine «die mediale Aufmerksamkeit für die 30 Millionen Impfdosen aus Russland - wenn sie denn kommen - ein bisschen hoch» zu sein, sagte der SPD-Politiker am Freitag bei einem Besuch der serbischen Hauptstadt Belgrad. Außerdem müsse der russische Impfstoff Sputnik V zunächst einmal in der EU zugelassen werden.

Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic reagierte Maas auf einen Vorstoß des sächsischen Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Dieser hatte am Donnerstag nach einem Gespräch mit dem russischen Gesundheitsminister Michail Muraschko gesagt, dass Deutschland 30 Millionen Dosen des russischen Impfstoffs Sputnik V erwerben wolle, vorausgesetzt, dass ihm die Europäische Arzneimittelbehörde EMA die Zulassung erteile.

Maas zeigte sich in Belgrad davon wenig beeindruckt. Die Zahl der Dosen stehe «nicht ganz in der Relation (...) zu dem, was wir bereits in Deutschland produzieren». Er wies darauf hin, dass im Biontech-Werk in Marburg künftig 60 Millionen Impfdosen im Monat produziert werden sollten. Der Minister erwähnte zudem Lieferschwierigkeiten bei früheren Impfstoff-Beschaffungen. «Wir wissen ja, dass unabhängig vom Hersteller die Belieferung von Impfdosen nicht immer dem entsprochen hat, was vorher angekündigt worden ist», sagte er.

Im EU-Kandidatenland Serbien wird Sputnik V seit der Jahreswende verabreicht, zusammen mit den «westlichen» Vakzinen von Biontech-Pfizer und Astrazeneca sowie dem chinesischen Sinopharm. Das Balkanland ist dabei erfolgreich. Bislang erhielten 27 Prozent der Bevölkerung eine erste Impfung, 18 Prozent sind vollständig geimpft. In dem Land mit knapp sieben Millionen Einwohnern sind die Zahlen der Ansteckung mit dem Coronavirus inzwischen rückläufig. Auch die Belegung der Krankenhäusern und Intensivstationen geht zurück.

Wie Vucic auf der Pressekonferenz ausführte, ist Sinopharm vor dem Mittel von Biontech-Pfizer der am meisten eingesetzte Impfstoff in seinem Land. Die Hersteller beider Produkte würden die vereinbarten Liefertermine genau einhalten. «Von den anderen kann man das nicht immer behaupten, aber ich will das nicht weiter kommentieren», fügte er hinzu.

Maas absolvierte eine zweitägige Reise auf dem Balkan. In Pristina hatte er am Donnerstag mit der neuen Staatsführung des Kosovos gesprochen, die aus der Parlamentswahl im Februar hervorgegangen war. In den Gesprächen mit Präsidentin Vjosa Osmani und Ministerpräsident Albin Kurti erörterte er ebenso wie mit Vucic in Belgrad den derzeit feststeckenden Dialog, der zur Normalisierung des Verhältnisses zwischen Serbien und seiner einstigen Südprovinz führen soll.

Das überwiegend von Albanern bewohnte Kosovo hatte sich 1999 nach einer Nato-Intervention von Serbien losgelöst und 2008 für unabhängig erklärt. Serbien hat dies bis heute nicht anerkannt und erhebt weiterhin Anspruch auf das Territorium des Staates, der von Deutschland und den meisten anderen EU-Ländern, nicht aber beispielsweise von Spanien, Griechenland, Russland oder China anerkannt wird.

In Belgrad erklärte Maas, dass es nun an der Zeit sei, den Dialog auf der Grundlage des bisher Erreichten zu Ende zu führen. Am Ende zählten die Resultate. «Wir sind zu einer Fortsetzung des Dialogs bereit und gehen konstruktiv daran heran», sagte Vucic. Nächste Woche reisen Vucic und Kurti nach Brüssel, um am Sitz der EU die Modalitäten neuer Gespräche zu sondieren. Ein Treffen der beiden Politiker ist nicht geplant.

dpa

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